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Wer bin ich? Hier kommen die wahren Mountainbike-Klischees

Klischee Mountainbiker

Wir Mountainbiker waren einst wilde Hunde, die in keine Norm passten. Die Revolutionäre des spiessigen Radfahrens, die Rebellen des Bergsports. Und jetzt, drei Jahrzehnte später? Aus Freiheit wurden Normen, aus Che Guevara wurde Max Mustermann. Der freie Geist des Mountainbikens ist verblasst und in Schubladen unterteilt. Im Blog-Beitrag zerlegt Thomas Giger mit einem Augenzwinkern den Homo Mountainbikus in seine Einzelteile. Wetten, jeder erkennt sich in einer der Schubladen wieder?

Schubladen wurden einst erfunden, um Ordnung in den Alltag des Menschen zu bringen. Jeder Schublade ist ein bestimmter Inhalt zugewiesen. Und wehe dem, der diese vermischt! Schubladen gibt es im Schlafzimmer für die Socken, in der Stube für die Tischdekoration, im Büro für die Versicherungsakten oder in der Küche fürs Silberbesteck. Schubladen sind im Alltag des zivilisierten Homo Sapiens nicht mehr wegzudenken. Doch es gibt auch noch andere Schubladen: jene im Kopf. Mit diesen bringen wir Ordnung in unser Weltbild, denn der Mensch teilt seine Welt gerne in Bereiche und verstaut dann seine Mitmenschen in allerlei Schubladen – sich selbst inklusive. Das machen alle Menschen so, ganz besonders auch die Mountainbiker. Diese Schubladen sehen dann etwa so aus:
 

Der Schweizer

Der Mountainbiker helvetischer Abstammung ist in der Regel leicht zu erkennen: an seinem Bike, das kaum älter als ein Jahr ist. Das Bike ist stets gepflegt und geputzt, als wäre es noch nie zum Einsatz gekommen. In der Regel gilt für den Schweizer: Das Beste und Leichteste ist gerade gut genug. Und passend dazu auch das Outfit: Es harmonieren die Farben von Helm bis Socken, schliesslich ist der Singletrail auch eine Art Laufsteg. Doch zugeben würde er dies nie und nimmer, schliesslich lebt er das gepflegte Trail-Understatement. Bloss nicht auf den ersten Blick auffallen, aber dann einen guten Eindruck hinterlassen.

Der Lycra-Italo

Die Italiener sind eines der modebewusstesten Völkchen dieser Erde – bis sie sich Sportgewänder umhängen. Dann gilt: soviele Farben wie möglich. Idealerweise kombiniert mit möglichst vielen Logos. Italienische Mountainbiker sind in der Regel von weit her zu erkennen. Das Besondere am Lycra-Italo ist, dass die allgemeine Entwicklung des Mountainbikesports an ihm vorbeigeht. Er fährt unbeirrt Hardtails, immerhin aber in einer superleichten Carbon-Version. Mountainbiken ist für ihn keine Lebenseinstellung, sondern eine Trainingsform. Ohne Pulsuhr schwingt sich der Race-Italo niemals in den Sattel. Der Hype um Singletrails versteht er nicht. Lieber fährt er eine Alpstrasse hoch und diese dann auch wieder runter. Wer geht denn schon wegen den Abfahrten mountainbiken?

Der Baggy-Italo

In der Stilfrage unterscheidet sich der Baggy-Italo nicht von seinem Lycra-Pendant. Auch er ist dem Reiz möglichst vieler Farben in Kombination mit zahlreichen Logos verfallen. Sein Fokus liegt weniger in der sportlichen Ertüchtigung als in den Abfahrten – aber auch erst seit jenem Tag, an dem in der Disziplin Enduro erstmals ein Wettkampf ausgetragen wurde. Der Italiener macht aus Prinzip keine Sportart ohne einen kompetitiven Hintergrund, auch der Baggy-Italo nicht. Der Singletrail ist für ihn eine Rennstrecke – auch wenn seine Fahrtechnik nicht immer darauf schliessen lässt. Vor diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, warum er für die Abfahrt stets einen Integralhelm überzieht.

Der Rentner

Auch der Mountainbikesport kennt die «Rentnerschwemme». Die radelnden Senioren werden auf den Trails immer zahlreicher, und das nicht etwa wegen den trendigen E-Mountainbikes. Vielmehr wollen viele von ihnen lieber unmotorisiert biken – bis ins Alter von mindestens 70 Jahren seien sie noch zu jung für diese Unterstützung. Lieber nehmen sie die Touren mit ihren zwanzigjährigen Bikes in Angriff, bei denen der letzte Service der Federgabel mit dem Kauftag übereinstimmt. Trail-Senioren sind oft auch am etwas grösseren Bauchumfang zu erkennen, den sie gerne mit einem körperbetonten Racejersey umhüllen, welches sie an der Tour de Suisse 1992 als Werbegeschenk erhalten haben.

Der deutsche Transalper

Die Spezies der alemannischen Transalper ist in den Bergen primär in den Sommermonaten anzutreffen. Das Mountainbike ist für sie das Mittel, um die Alpen zu bezwingen, bevorzugt mit dem Gardasee als Ziel. Sie besitzen in der Regel ein Bike von Cube oder Canyon – wegen dem guten Preis-Leistungsverhältnis. Der deutsche Transalper ist aber auch ohne Fahrrad gut zu identifizieren: Er trägt Lycra-Kleidung, nicht selten von Gonso, einen Uvex-Helm, eine Adidas-Brille und einen Deuter-Rucksack. Nicht weil dies alles heimische Produkte sind, sondern weil er sie bei Saisonschlussverkäufen zu einem attraktiven Preis erwerben konnte. Noch ein anderes Indiz lässt auf den deutschen Transalper schliessen: die technischen Geräte an seinem schmalen Lenker. Denn das Sammeln von Daten ist mindestens so wichtig wie das Sammeln von Erlebnissen.

Der deutsche Enduro-Biker

Der deutsche Enduro-Biker ist streng gläubig. Seine Religion ist der Mountainbikesport. Durch seine Adern fliesst förmlich Kettenöl, und entsprechend bewandert ist er. Es gibt kein Produkt und keine Technologie, worüber er nicht fachkundig Auskunft geben kann. Was er gern und oft auch unaufgefordert tut. Wie die meisten anderen Arten der Mountainbiker ist auch der deutsche Enduro-Biker optisch leicht zu identifizieren. Er fährt in der Regel ein Liteville-Bike, trägt Maloja- oder Ion-Kleidung, und am Rücken hängt zwingend ein Evoc-Rucksack. Eine Besonderheit ist beim deutschen Enduro-Biker die Fahrtechnik: Er kompensiert mangelndes Können durch ein sauberes Umsetzen des Hinterrads. Diese Kurventechnik ist für ihn ein heiliger Gral.

Die Bikerin

Alle Stereotypen der Mountainbiker lassen sich immer auch in Männlein und Weiblein unterteilen. Wobei sich beim Weiblein einige besondere Eigenschaften ergeben haben. Erstens trägt sie Ion-Kleidung, bedingungslos. Und zwar stets die farblich zusammenpassende Kombi inklusive Handschuhe und Socken. Bei der Kaufentscheidung für ein Mountainbike sind auch explizite Verhaltensmuster zu erkennen. Während Männlein mit dem Topmodel liebäugelt, wählt Weiblein stets eine günstigere Variante. «Das reicht doch für mich!» Eindeutige Eigenschaften bringt die Bikerin auch im Sozioverhalten mit. Sie befürchtet stets, die Langsamste und Schwächste der Gruppe zu sein und kokettiert damit, doch vielleicht besser alleine auf die Tour zu starten. Um danach in der Gruppe den Männlein um die Ohren zu fahren.

Der Downhill-Punk

Bikeparks haben eine neue Spezies der Mountainbiker hervorgebracht: die Downhill-Punks. Sie würden auch in den Fan-Kurven der Fussballstadien eine gute Falle machen oder in den vorderen Rängen eines Heavymetal-Konzerts. Sie haben sich aber den Mountainbikesport ausgesucht. Anatomisch sind sie gut zu erkennen an den nicht gänzlich durchtrainierten Körpern und der Kippe im Mundwinkel. Allenfalls auch aufgrund der Bierdose in der Hand. Eine Eigenheit ist auch der dezibelstarke Kommunikationsstil. Sie haben so ziemlich alles erlebt, was man sich vorstellen kann, und teilen dies ihrer Umwelt gerne mit. Auffällig ist bei den Downhill-Punks, dass man sie primär an der Bar bei der Talstation der Bergbahn beobachten kann. Ihre Auftretensdichte auf den Abfahrtsstrecken ist wesentlich geringer.

Der Bike-Hipster

Mountainbiken ist mehr als eine Sportart. Es ist ein Lebensgefühl, das es zu zelebrieren gilt wie die anderen hippen Lebensformen auch. Zum Beispiel vor der Abfahrt mit einer Kaffeekultur im Stil eines Baristas. Oder mit einer veganen Bratwurst nach der Ausfahrt – für eine bessere Welt. Oder mit dem coolsten Instagram-Feed weit und breit. Die Bike-Hipsters sind allerdings recht schwer zu unterscheiden. Sie pflegen zwar einen ausgeprägten Individualismus, sehen aber trotzdem alle gleich aus. Momentan fahren sie in Mons-Royal-Kleidung auf Santa-Cruz-Rädern durch die Vorstadtwälder. Die Bike-Hipster treten primär im urbanen Raum auf, in der Schweiz fast ausschliesslich in Zürich.
 

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