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Mountainbike-Tourismus: Es wird weiter gemogelt!

Mogelpackung: Kartoffeln in Eierkarton

Die Diskussion um die neue Werbekampagne für Mountainbiken in Österreich hat eine Frage wieder auf den Tisch gebracht: Wieviel Mogelpackung steckt im Mountainbike-Tourismus? Ride-Herausgeber hat dazu im Jahr 2010 eine Kolumne geschrieben – die an Aktualität offenbar an Brisanz um Nichts eingebüsst hat. In leicht überarbeiteter Version passt sie als Blog-Beitrag wunderbar zum aktuellen Tagesgeschehen.

Stell dir vor: Du kaufst eine Schachtel Eier. Zu Hause stellst du fest, dass sich in der Schachtel statt der Eier sechs Kartoffeln befinden. Du reklamierst bei der Produzentin und bekommst zur Antwort, dass man aus versicherungstechnischen Gründen keine Eier in die Verpackung legen könne. Das Risiko einer Lebensmittelvergiftung sei zu gross.

Diese Geschichte ist skurril und erfunden. Doch im Mountainbike-Tourismus ist sie je her eine Realität. Denn bis heute gilt: Wo «Mountainbike» drauf steht, ist noch lange nicht «Mountainbike» drin. Es wird seit zwanzig Jahren gemogelt. So preisen sich in Italien gleich mehrere Destinationen als Mountainbike-Hochburgen an. Ihr angepriesenes Routennetz enthält aber keinen einzigen Meter Singletrail. Mountainbike findet für sie ausschliesslich auf breiten Alpstrassen statt. Konflikte mit Wanderern gebe es aus diesem Grund jedenfalls keine. Diese Geschichte ist skurril aber wahr. Eier oder Kartoffeln, das spielt im Mountainbike-Tourismus keine Rolle.

Ins gleiche Horn bläst man in Österreich. Dass man hier per Gesetz keine Singletrails befahren darf, und selbst auch viele Forststrassen für Mountainbiker nicht zugänglich sind, wird mit aufwändigen Werbemassnahmen klein gehalten. Die Österreicher mogeln in Sachen Mountainbike, und die aktuellste Kampagne «You like it? Bike it!» ist das jüngste, vielleicht aber auch das bisher dreisteste Beispiel. Mitunter aus Gründen der Haftung verweigern fast alle Landbesitzer das Befahren ihrer Wanderwege. Mountainbiker sind auf Österreichs Singletrails unerwünscht. Zwar sprudeln jetzt erneut mehrere Millionen Euro in eine Werbekampagne, gleichzeitig bleiben die eigentlich verheerenden Gesetzesparagraphen wohl unberührt. Das ist mogeln im Auftrag des Staates. Das gleiche Szenario findet man in Süddeutschland, wo die Zweimeter-Regelung wie ein Damokles-Schwert über dem Schwarzwald hängt.

In Europa mausern sich die Schweiz und Frankreich zu Musterknaben im Mountainbike-Tourismus. Ausgerechnet die konservativen Eidgenossen haben vielerorts erkannt, dass man Mountainbiker nicht länger an der Nase herumführen kann. Am weitesten geht der Kanton Graubünden: Bei den Behörden herrscht das Kredo, dass das Wanderwegnetz auch den Bikern zur Verfügung steht. Interessant dabei: Graubünden grenzt direkt an Österreich – wo die Mountainbike-Welt mit umgekehrten Vorzeichen stattfindet. In Graubünden hat man erkannt, dass Mountainbiker auf Singletrails und nicht ins Pfefferland gehören. Genauso wie Eier in eine Eierschachtel gehören. So einfach wäre das.
 

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