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Eingeschränktes Trail-Angebot am Uetliberg

Der Sturm, der Mitte Juli eine Schneise der Zerstörung durch Zürich zog, machte auch den Triemli Bike Trail («Antennentrail») unpassierbar. Zudem war die 2021 eröffnete zweite Strecke am Uetliberg wegen Regens an vielen Tagen gesschlossen. Der Antenntenrail wird erst 2022 wieder voll befahrbar sein und an der Regenempfindichkeit der anderen Strecke wird sich so schnell nichts ändern. Führt das zu einem Aufstand der Mountainbikerinnen und Biker und ihrer Vertreter?

Zuerst eine Einordnung für jene, welche die Zürcher Sturmnacht nicht miterlebt haben: Dass es in den entscheidenden sieben Minuten keine Toten gab, liegt einzig daran, dass es mitten in der Nacht war (ca. 1.30 Uhr) als die Böen einschlugen und praktisch niemand draussen unterwegs war. Zehn und mehr Meter hohe Bäume wurden geknickt oder entwurzelt, machten Autos platt, drückten Mauern und Dächer ein, Ziegel und Bleche flogen durch die Luft. In den darauffolgenden Stunden war die Stadt lahmgelegt, der Verkehr vielerorts blockiert, Schulen wurden geschlossen, weitere Bäume drohten zu fallen. Es war gefährlich, sich überhaupt draussen zu bewegen. Ein paar Beispiele zeigt dieser Bericht auf Telezüri. In den folgenden Wochen gehörten riesige Stapel zersägten Sturmholzes zum Stadtbild. Auch Ende August ist noch nicht alles abtransportiert.

Am Uetliberg und dem auf der anderen Seite der Stadt liegenden Chäferberg wurde ein Streifen von mehreren Dutzend Metern kahl rasiert. Dass der «Antennentrail», die erste offizielle Bike-Strecke am Uetliberg, in der Sturmschneise liegt und seither nicht mehr befahrbar ist, war anfänglich nur eine Randnotiz. Es war in den ersten Tagen nach dem Sturm ohnehin nicht ratsam, sich im Wald zu bewegen, denn auch dort drohten weitere Bäume umzustürzen. Der erst im Frühling 2021 eröffneten Höcklertrail bekam ebenfalls etwas ab: Ein kleiner Erdrutsch schob einen instabilen Baum in die Strecke. Die Spur führt nun darum herum.

Das Hauptproblem des anspruchsvolleren neuen Trails ist jedoch ein anderes: Bei starkem Regen wird er geschlossen, da er über (für den Uetliberg typischen) Lehmboden führt und zudem noch nicht genügend verfestigt ist. Jede Abfahrt bei Regen setzt der Piste zu, einige Dutzend machen Reparaturarbeiten nötig. Niederschlag gab es bekanntlich viel im Sommer 2021 und so waren oft beide Strecken geschlossen. Die eine permanent, die andere immer wieder für ein paar Tage.

Antennentrail noch lange nicht komplett befahrbar

Sechs Wochen nach dem Sturm ist der Antennentrail, der eher für Einsteiger geeignet ist und seit Jahren rege gefahren wurde, noch immer gesperrt. Immerhin meldet Oliver Gerlach, der bei Grün Stadt Zürich für den Stadtwald verantwortlich ist, dass die oberen zwei Drittel voraussichtlich im Oktober wieder geöffnet würden. «Im untersten Drittel liegen enorme Mengen Holz. Der Trail darunter ist teilweise zerstört. Das wissen wir aber erst genau, wenn das Holz beseitigt ist», führt der Forstingenieur aus.
 
Im August stellte sich Zürich anlässlich der Cycle Week als Velo-Mekka dar, welches in seinen Wäldern auch attraktive Biketrails bietet. Gibt die Stadt der Räumung der Bike-Strecke am Uetliberg genügend Priorität, um dem Image gerecht zu werden? Oliver Gerlach erklärt, nach welcher Rangordnung das Sturmholz abtransportiert wird: «Zuerst räumen wir die breiten Waldstrassen, damit wir überhaupt an die weiteren Orte herankommen, wo wir Bäume wegräumen müssen. Danach sind die Waldwege und die weitere Erholungsinfrastruktur an der Reihe, zu der auch die Biketrails gehören. Unser Forstpersonal ist seit dem Sturm mit der Sicherung der Gefahrenzonen und den Aufräumarbeiten im Einsatz. Zusätzlich unterstützen uns diverse private Unternehmen, die beispielsweise Seilkräne haben.»

Tobias Maurer, Vorstandsmitglied des Vereins Züritrails, der Bauherr des neuen Höckler Trails war, findet nicht, dass sich die Stadt zu wenig um die Räumung des Biketrails kümmert: «Es müssen über zehn Seilbahnen gebaut werden, um die Bäume in den schwer zugänglichen Gebieten entfernen zu können. Dafür braucht es spezialisierte Unternehmen, die diese aufbauen. Das geht nicht von heute auf morgen.» Maurer erzählt, man habe der Stadt auch Hilfe angeboten beim Räumen. «Viele Biker meldeten sich bei uns und wollten helfen, dabei war mir von Anfang an klar, dass meterdicke, ineinander verkeilte Baumstämme nur von Profis bewegt werden können. Für Laien ist das lebensgefährlich.»

Wenn zwei von vier Bike-Strecken zu sind

Umso unbefriedigender ist es, dass der viel gelobte Höcklertrail (die erste offizielle Strecke, die auch versierte Mountainbiker fordert) nach jedem Gewitterregen mindestens für einen Tag zu ist, manchmal auch länger. Die Schliessungen lassen sich auf der App Trailforks nachvollziehen, deren Ampelsystem von Züritrails genutzt wird, um den Status zu kommunizieren.
 
Fünfzehn Mal wurde die Strecke zwischen der Eröffnung Ende April und Ende August offiziell für geschlossen erklärt (ein Stern hinter dem Punkt bedeutet, dass die Sperrung von offizieller Seite verfügt wurde). An insgesamt rund zwanzig Tagen war der Trail gesperrt – nicht nur auf Trailforks, sondern auch physisch mit Ketten an den Einstiegen der vier Abschnitte. «Natürlich könnten wir das Problem mit Bagger und Kies lösen, aber das wollen wir nicht. Wir wollen den Trail so, wie er ist. Mit der Zeit wird er ohnehin fester und erträgt den Regen besser», verspricht Maurer.

Der Mountainbike-Boom im meteorologisch tollen Coronasommer und weitere Ereignisse liessen in Zürich und am Uetliberg die Diskussion um inoffizielle Trails hochkochen. Züri Trails, der Verein, der die Mountainbiker vertritt, ist zwar der Ansicht, dass es noch mehr Trails in Zürichs Wäldern braucht, geht aber mit den Behörden einig, dass sich die Biker an die offiziellen Strecken halten sollten. Neben den zwei genannten gehören dazu einer am Züriberg sowie der ebenfalls neue Allmendttrail, der für Anfänger und Kinder gebaut wurde.

Führte die Schliessung beider Strecken am Uetliberg zu mehr Abfahrten auf anderen Routen? Weder Gerlach noch Maurer wissen davon. Auf die Frage, ob die Stadt angesichts der ausgefallenen Infrastruktur den Trailbikern gegenüber kulanter sei, hat Gerlach aber eine klare Antwort: «Fahren abseits offizieller Wege im Wald ist illegal. Das tolerieren wir auch nicht, wenn Trails geschlossen sind.» So bleibt den Mountainbikenden am Uetliberg nur, sich mit der Situation zu arrangieren – wie sie das schon immer taten.
 

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