Marathon-SM endet mit zwei neuen Meistern und bösem Crash | Ride MTB

Marathon-SM endet mit zwei neuen Meistern und bösem Crash

Sechs Tage nach dem O-Tour-Marathon gewinnt Martin Fanger im Spurt auch den Nationalpark Bike-Marathon und damit die Schweizermeisterschafen im Marathon. Ein Sturz überschattet jedoch das Finale. Geordnet verstreicht das Rennen der Frauen und endet mit dem überraschenden Titelgewinn von Steffi Häberlin.

Schon bald zeichnete sich ab, dass die Spitzenfahrer ihr Glück nicht in einer Einzelaktion suchten, sondern ihre Kräfte fürs Finale des Nationalpark Bike-Marathon schonten, der diesmal coronabedingt nicht um den Schweizer Nationalpark führte, sondern auf einer 108 km langen Alternativstrecke zwischen Scuol und Zuoz im Engadin blieb. An jeder Steigung zeigte sich das gleiche Bild: Vorne machten die Favoriten Tempo. Doch nicht genug, dass es zu einer echten Selektion gekommen wäre. Im nächsten Flachstück kam es wieder zum Zusammenschluss mit gut einem Dutzend Fahrern, da die Abgehängten wieder aufholen konnten. Beispielsweise auch der dreimalige Marathon-Weltmeister Alban Lakata, der nach einem Drittel der Distanz einen Platten einfuhr, den Rückstand aber wieder wettmachen konnte.

So konzentrierte man sich auf den Schlussanstieg nach Ftan und die lange Abfahrt zurück ins Ziel in Scuol. Mit Titelhalter Urs Huber, Lukas Flückiger, Martin Fanger und Casey South konnte sich auf den letzten Kilometern ein Quartett leicht vom Rest lösen. Es kam zum Sprint, der mit Haken und Ösen gefahren wurde. Ohne Rücksicht auf Verluste ging offenbar Martin Fanger vor, was dazu führte, dass Lukas Flückiger auf den letzten 300 Metern aus der Spitze zurückfiel. Vorne kämpften Fanger, Huber und South Ellenbogen an Ellenbogen verbissen um die Führung. Fanger erreichte das Ziel schliesslich als Sieger, Huber wurde Zweiter und Flückiger Dritter. Weil Fanger in der letzten leichten Linkskurve seine gerade Fahrlinie behielt, wurde Huber eingeklemmt. Für South indes blieb kein Platz mehr zwischen Huber und Balustrade. Er fuhr mit dem Vorderrad in ein Bein der Absperrung, stürzte bei hohem Tempo und musste hospitalisiert werden.

Im Ziel übten Huber und Flückiger Kritik an Fangers halsbrecherischem Fahrstil. Lukas Flückiger sagte: «Es hat schon in Ftan begonnen. Martin hat sich rücksichtslos an den Mitstreitern vorbeigedrängt, und mich in einer Kurve so geschnitten, dass ich bremsen musste, um einen Sturz zu verhindern. Deshalb habe ich ihn überholt. Auch weil ich wusste, dass ich mich auf der letzten Kiesabfahrt sicher fühlte. Ich habe damit gerechnet, die paar Meter Führung ins Ziel zu bringen.» Doch so weit ist es nicht gekommen. Huber erklärt: «Sobald es wieder flach wurde, hat Fanger die Beine hängen lassen. Auch ich habe ihn überholt und bin hinter Flückiger in die letzte Kiesabfahrt gestochen. Wir konnten tatsächlich ein paar Meter Vorsprung herausholen.»

Doch Fanger und South seien wieder herangekommen. «Wieder hat Fanger in einer Kurve kurz vor dem Ziel überschossen. Wenn ich nicht gebremst hätte, wären wir alle gestürzt», so Flückiger. Das Manöver kostete Flückiger auf der Zielgeraden den Anschluss ans Spitzentrio. Huber ergänzt: «Das dritte Mal, das Fanger ohne Rücksicht auf Verluste seine Linie behielt, war in der leichten Linkskurve kurz vor dem Ziel. Ich hatte keine Wahl, als meine Linie ebenfalls zu behalten. Sonst wäre ich gestürzt. Es tut mir leid für South, dass er gestürzt ist.» Mit der Kritik konfrontiert, sagte Martin Fanger: «Es war ein Sprint wie bei einem Strassenrennen. Ich bin geradeaus gefahren, wie es sich gehört und musste es auf einen Sprint ankommen lassen, da dies meine einzige Chance war, um zu gewinnen.» Huber habe ihn zuvor zweimal behindert. Zur Kritik in Ftan räumte Fanger ein: «Mag sein, dass ich da frech gefahren bin. Aber ich habe Huber und Flückiger in der Abfahrt den Vortritt gelassen.»

«Unbekannte» entthront Lüthi

Bei den Frauen gewann die bis dato als Marathon-Bikerin unbekannte Steffi Häberling. Im erst zweiten Marathonrennen ihres Lebens zeigte die 22-jährige Ostschweizerin ein starke taktische Leistung. Bei halber Distanz In der Steigung zum Bergpreis erhöhte die frühere Mittelstreckenläuferin ihr Tempo und kam weg. Häberlin, die von ihrem Nachbarn, dem früheren Marathon-Weltmeister Ralph Näf, entdeckt wurde, sagte: «Ich sass noch nie so lange auf dem Bike und war skeptisch, ob ich das durchhalte. Erst zehn Kilometer vor dem Ziel habe ich begonnen an den Sieg zu glauben. Für mich kommt der Titelgewinn völlig überraschend.»
Die zweitplatzierte Ariane Lüthi, die das Ziel drei Minuten hinter der neuen Titelgewinnerin erreichte, fand lobende Worte für ihre Mitstreiterin: «Du scheinst ein Wahnsinnstalent zu sein.» Das Frauenrennen sei sehr taktisch und schnell gewesen. Die drittplatzierte Irina Lützelschwab, die im Vorjahr SM-Vierte an der O-Tour geworden war, ist den Titelkampf über weite Strecke zusammen mit Lüthi gefahren. Lützelschwab erklärte: «Dank Lüthi bin ich gut über die Distanz gekommen. Nach dem Bergpreis konnte ich allerdings nicht mehr zusetzen.» Die Studentin wohnt in der Nähe von Basel und war Spitzenschwimmerin, bis sie vor vier Jahren von ihrem Vater mit dem Bikevirus angesteckt wurde.

Resultate Schweizermeisterschaften

Männer (108 km): 1. Martin Fanger (Genf) 4:03:20. 2. Urs Huber (Mettmenstetten) gl. Zt. 3. Lukas Flückiger (Wynigen) 0:03. 4. Simon Vitzthum (Rheineck) 0:09. 5. Daniel Geismayr (Ö) gl. Zt. 6. Andri Frischknecht (Feldbach) 0:10. 7. Marc Stutzmann (Belp) gl. Zt. 8. Alban Lakata (Ö) 0:21. 9. Frans Claes (Be) 0:22. 10. Andrin Beeli (Sagogn) 3:22.
Frauen (108 km): 1. Steffi Häberlin (Happerswil) 4:47:53. 2. Ariane Lüthi (Gunten) 3:03. 3. Irina Lützelschwab (Wallbach) 4:36. 4. Ramona Forchini (Wattwil) 8:09. 5. Esther Süss (Küttigen) 8:11. 6. Janina Wüst (Lupfig) 20:55. 7. Jacqueline Schneebeli (Hauptikon) 26:31. 8. Andrea Ming (Edlibach) 36:22. 9. Chrystelle Baumann (Montalchez) 38:17. 10. Carole Perrot (Prêles) 39:19.

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