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Fahrschule zum Ersten: Switchback Friday

Mountainbike Fahrtechnikkurs Switchback Friday

Was kann ein Mountainbiker jenseits der Vierzig fahrtechnisch noch lernen? Ride-Reaktor Stefan Michel will es wissen und besucht als Erstes den Switchback Friday des Fahrtechnik-Trainers Uwe Trummer.

Uwe Trummer ist ein Urgestein der Schweizer Mountainbike-Gemeinde. Ende der Achtziger begann er zu biken, fuhr in so ziemlich jeder Disziplin Rennen und ist seit rund zehn Jahren Fahrtechniktrainer. Der sollte wissen, ob das bei mir noch was bringt oder nicht.

Treffpunkt des Switchback Friday ist der Parkplatz auf dem Staffeleggpass oberhalb von Aarau. Der Kurs beginnt, attraktiv für tagsüber anderweitig Beschäftigte, um 18 Uhr. Die 8 Kilometer und 400 Höhenmeter hinauf zum Kursort gebe ich mir als Warm-up. Vom leichten Regen lasse ich mich nicht weiter beirren, packe aber noch trockene Sachen für die Heimreise im Zug ein. Das war natürlich wieder einmal nicht zu Ende gedacht. Wunderbar erhitzt komme ich oben an, wo der Wind uns die Regenschauer waagrecht entgegen schleudert. Und schon nach fünf Minuten beginne ich zu schlottern.

Erster Eindruck: Die weiteren Switchback-Schüler – Frauen sind heute keine da – sind auch nicht (wesentlich) jünger als ich und wohl von ähnlicher Motivation getrieben: Auf dem Trail nicht allzu alt aussehen, auch wenn man es vom Jahrgang her so langsam zugute hätte. Spitzkehren fahren ist das Thema und speziell, das populär gewordene Versetzen des Hinterrads.

«Fit for Trails» heisst Uwe Trummers Bike-Schule. Von den Basics für Mountainbike-Neulinge bis zur Vorbereitung auf schwierigste Trails und Rennen kann man alles buchen. Den Switchback Friday bietet der aus dem Zürcher Oberland Stammende seit dem Sommer 2020 an, als Fahrtechnikkurse in der ganzen Schweiz boomten. Bereits ein Jahr länger hat er den Bunnyhop Friday im Programm. Kein Zweifel, Trummer weiss, wie er auch geübte Mountainbiker anzieht: indem er ihnen die angesagten Manöver beibringt, die auf dem Trail die Spreu vom Weizen trennen.

Mehr als ein Mode-Manöver?

«Bis jetzt hatte ich ca. 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bunt gemischt von 25 bis 60 Jahren, mit und ohne Motor», erzählt er. Grundsätzlich kommen erfahrene Mountainbiker, denen das Hinterrad Versetzen noch im Repertoire fehlt.» Ich wende ein, dass man das lange auch nicht können musste und es erst seit der Onlinevideo-Flut zu den Grundkenntnissen des Trailfahrens gehört. «Ich brauche diese Technik seit 1990», entgegnet der Coach, «sie hat aber sicher an Popularität gewonnen, seit man es häufig in Videos und auf Fotos sieht. Es ist eine Mischung aus Show-Manöver und Notwendigkeit, denn viele Spitzkehren kann man auch bewältigen, ohne das Hinterrad anzuheben.» Aber eben, es sieht cool aus und noch wichtiger: Man beweist damit Bike-Beherrschung und je nach Gelände, in dem man sein Hinterteil schweben lässt, auch gute Nerven.

Erinnerungen an die Skischule werden wach, als Bike-Lehrer Uwe Schritt für Schritt und Übung und Übung erklärt, wie man das Hinterrad in die Luft kriegt, nach einer kontrollierten Schwingbewegung absetzt und weiterfährt. Bei ein paar Vorübungen wie Track Stand, Stoppie und Nose-Wheelie erkennt Trummer, auf welchem Level sich seine heutigen Teilnehmer bewegen und welche Inputs ihnen weiterhelfen.

Dass ich das Hinterradversetzen auf Asphalt, mit viel Platz und aller Zeit der Welt, einigermassen sauber hinkriege, ist keine neue Erkenntnis. Immerhin werde ich auf den Fehler aufmerksam gemacht, der den Hinterradschwenk nach links (in der Rechtskurve) erschwert: Der rechte Fuss, den ich sonst immer vorne habe, muss dann hinten sein. Zuerst ist das Gefühl so eigenartig, dass das Manöver nicht einfacher wird. Bald aber merke ich, dass ich nur so Fortschritte erwarten darf. Ausserdem weiss ich auch nach dem siebzehnten erfolgreichen Umrunden des Plastikhütchens, dass es auf rutschigem, abschüssigem Boden und engem Raum (oder noch schlimmer: in ausgesetzte Gelände) eine ganz andere Geschichte ist.

Nach ein paar Zwischen-Versetzern auf dem nahen Feldweg rollen wir auf einen kurzen Trail-Abschnitt mit einer perfekten Spitzkehrenserie. Ich bin sie auf der Anreise bereits bergwärts gefahren, wobei ich natürlich auch nicht alle geschafft habe. Das viele Üben in der vorangegangenen Stunde hat zur Folge, dass die Bewegungsabfolge ziemlich präsent ist. Nicht wie auf einer Bike-Tour, wo nach drei Stunden Fahrt der Switchback kommt, der nur durch Versetzen zu schaffen ist, worauf ich ihn üblicherweise völlig verkrampft versemmle.

Der Kurs ersetzt das Üben nicht

Heute bin ich vorbereitet und staune selber ein wenig, dass nur die Hälfte aller Versuche misslingt. Soll ich von jetzt an beim Biken bei jeder Gelegenheit mein Hinterrad hin und her hieven, damit ich die Bewegung hinkriege, wenn es sie braucht? Den Versuch wäre es wert. Auf die Frage, wie viel Fortschritt in zwei Stunden möglich ist, antwortet Uwe: «Zwei Stunden Kursunterricht reichen normalerweise, damit man den Bewegungsablauf von Grund auf richtig lernt und das Versetzen im einfachen Gelände anwenden kann. Danach ist aber weiterhin stetiges Üben nötig. Das Hinterradversetzen ist eines der wenigen Manöver, welches man nie ganz zur Perfektion bringen wird.»

Weil wir für jeden weiteren Übungsdurchgang den Zickzackweg wieder hochfahren müssen, trainieren wir auch die Gegenrichtung; wobei hier niemand versucht, das Hinterrad zu versetzen, sondern das Gelände im Sattel sitzend optimal auszunutzt. Ich bin froh um jede Gelegenheit, meinen Körper unter der längst aufgeweichten Kleidung aufzuwärmen. Dabei spüre ich, dass die Kurve des Lernfortschritts inzwischen wieder nach unten zeigt. Gut möglich, dass ich an einem lauen Sommerabend ein paar geglückte Versuche mehr verbuchen könnte. Vor allem würde das Üben noch etwas mehr Spass machen. Zu diesem Zeitpunkt ist die warme Dusche attraktiver als weiter durch den Wald eiernd kalt besprüht zu werden. Zumal der ungemütlichste Teil noch bevorsteht: die Abfahrt hinunter nach Aarau.

Das Fazit aus Teilnehmersicht bringt Mittfünfziger Johann auf den Punkt, der nach meinem Empfinden eher mehr gelernt hat als ich: «Ich kann es ja immer noch nicht.» Uwe ruft all seinen Schäfchen nochmals in Erinnerung: «Übung macht den Meister.» Der Switchback Friday hat geholfen, zwischendurch den Fortschritt etwas zu beschleunigen. Nun gilt es, zuhause das geeignete Übungsgelände zu finden und dranzubleiben. Ich für meinen Teil gebe mir als Nächstes eine Privatlektion, um meine weiteren Problemzonen anzugehen. Aber nur bei gutem Wetter.

 

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