Blog: Vororder – oder der Graus, im Bikeshop Räder zu bestellen | Ride Magazin

Blog: Vororder – oder der Graus, im Bikeshop Räder zu bestellen

Es ist so sicher wie Weihnachten oder die Zeitumstellung: In einem Bikeshop gilt es alljährlich eine sogenannte Vororder zu schreiben. Das ist – profan formuliert - eine Bestellung von Bikes, die viel später geliefert werden. Doch so simpel ist es nicht: Es braucht dazu spezielle Skills. Etwa die Fähigkeit, das Vergangene zu reflektieren und in die Zukunft zu schauen.

Wieviele Bikes haben wir in den letzten 12 Monaten verkauft? Welche Bereiche liefen gut, welche nicht? Welche Lieferanten waren gut, wo tauchten Problem auf? Welche Bikes haben wir noch auf Lager? 

Wenn man sich im Bikeshop Gedanken macht, welche Bikes es für das kommende Modelljahr zu bestellen gilt, poppen also einige Fragen auf. Und um diese richtig zu beantworten, braucht es vor allem eine solide Datengrundlage (aka Betriebs-Software) und eine gute Portion Ehrlichkeit.

Bei einer Vorbestellung spielen immer viele, schwer abzuschätzende künftige Ereignisse rein. Was wollen die Kunden künftig für Bikes? Welche genauen Modelle? Welche Grössen? Welche Preisklassen? Welche Farben? Welche Hersteller können tatsächlich liefern? In Zeiten von massiven Lieferschwierigkeiten kann es auch so kommen: Man macht sich massiv Gedanken, welche Bikes zu ordern sind. Man bestellt diese auch... und werden dann ganz schlicht nie geliefert. Das ist mühsam, motiviert aber ironischerweise dazu, das ganze Bestellwesen nicht ganz so ernst zu nehmen. 

Wie entzerrt man das Bestellwesen?

Eines ist sicher: Bikes zu verkaufen macht mehr Spass als diese zu bestellen. Gleichzeitig ist es so sicher wie das Amen in der Kirche: Ohne Vorbestellung bleibt der Shop leer und man verkauft auch nichts. So bleibt der Vororder ein nötiges Übel. Denn die Hersteller müssen vom Fachhandel eine Flüghöhe erhalten, wo die Reise, respektive das Bestellvolumen hingeht. Übrigens, die Hersteller sind vom Vororder keineswegs verschont. Diese müssen mindestens zwei bis drei Jahre, Tendenz steigend, die benötigten Rahmen und Komponenten bestellen, bevor diese geliefert werden.

Auch gibt es Bestrebungen, das Vororder-Gerödel zu entzerren. Das ist gut möglich durch ein Modellzyklus, der sich nicht an einem Einjahresrhytmus orientiert. Mit sogenannten Durchlaufmodellen kann man einfacher kalkulieren. Das hat Vorteile für die Kunden, da sie länger ein aktuelles Fahrrad haben. Und Hersteller wie Fachhandel sind weniger gefangen im Hamsterrad von engen Produktzyklen.