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Wie ein Mech Disentis motivierte, 475'000 Franken ins Biken zu investieren

Der Gemeinderat von Disentis hat entschieden, 475'000 Franken für Mountainbike-Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Das alleine ist eine Geschichte wert. Interessant ist, dass der ehemalige Renn-Mechaniker von Ralph Näfs Weltcup-Team massgeblich zu diesem Beschluss der Bündner Gemeinde beigetragen hatte.

Der Kanton Graubünden und mit ihm seine Gemeinden haben den Ruf, den Mountainbikesport grosszügig zu fördern und entsprechend in die Infrastruktur zu investieren. Auch die Disentiser Bergbahnen bauten sich ihren Flowtrail. Die vielen Fuss- und Wanderwege aber stellte die Gemeinde am Fuss des Oberalppasses den Bikern zur Verfügung, wie sie waren. Das ändert sich in den nächsten Jahren dank fast einer halben Million Franken und dem ersten Produktmanager Mountainbike der Gemeinde.

Um sich als Bike-Destination zu positionieren, ging Disentis 2019 eine Partnerschaft mit Ralph Näfs Thömus RN Swiss Bike Team ein. Die Rennfahrer bewarben das Gebiet, Näf und seine Leute halfen mit, das Mountainbike-Angebot in Disentis auszubauen. An vorderster Front dabei: Chef-Mechaniker Remo Eberle. Er verliebte sich in das Dorf am Fuss des Oberalp- und des Lukmanierpasses. Als dort ein Bike Shop einen Mechaniker suchte, packte er die Gelegenheit.

In der Folge verbrachte er noch mehr Zeit auf den Singletrails von Disentis und der Nachbargemeinden am oberen Ende der Surselva. «Das ist ja grossartig, was ihr hier habt, daraus müsst ihr etwas machen!», bestürmte er immer wieder die Verantwortlichen des Tourismus und der Gemeinde. Viele Wege seien für technisch sehr gute Mountainbiker schon jetzt ein Traum, für die meisten aber zu verblockt und zu ausgewaschen. Besonders kritisch sieht er die Tatsache, dass es vom Ende des Flowtrails auf Caischavedra keine offizielle Abfahrt zurück ins Dorf gibt. «Wenn diese Strecke anfängt richtig viele Biker anzuziehen, wird das zu Konflikten mit den anderen Wegnutzern führen», ist er überzeugt, «Die Biker wollen ja nicht mit der Bahn runterfahren.»

«Piratenmässig Routen beschildert»

Remo Eberle entdeckte Trail um Trail, dachte sich Route um Route aus und erzählte den Verantwortlichen der Gemeinde, der Bergbahnen und des Tourismus davon. Es brauchte Zeit und einiges Nachhaken des Trail-Enthusiasten, bis sich etwas bewegte. Schliesslich nahmen die Bergbahnen den Mann unter Vertrag, der als Velomechaniker in ihr Dorf gekommen war. Zusammen mit Vertretern der Gemeinde definierte er Bike-Routen. «Weil SchweizMobil diese nicht aufnehmen wollten, bechilderten wir sie priatenmässig in ihrem Stil, bezeichneten sie aber mit Buchstaben statt der üblichen Ziffern», beschreibt er.

Dann machte Disentis den nächsten Schritt: Die Destination schuf die Stelle eines Produkt-Managers Mountainbike. «Ich freute mich, dachte, jetzt kommt etwas in Gang», erinnert sich Remo Eberle. Womit er nicht gerechnet hätte: Die Verantwortlichen fragten ihn, ob er den Job übernehmen wolle. «Ich bin Mechaniker, ich habe keine Ausbildung in dem Bereich», war seine erste Reaktion. Schliesslich liess er sich auf das Experiment ein. Seit dem 1. Januar 2022 ist er Produkt-Manager Mountainbike bei Disentis Sedrun Tourismus, zuständig für ein Gebiet, das bis zum Oberalppass reicht.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er zusammen mit der Gemeinde bereits im Detail welche Wege für die Nutzung durch Wanderer und Mountainbikende saniert, welche aus- und wo neu gebaut werden sollte. «Ich kenne die Gegend inzwischen besser als viele der Einheimischen», sagt er selbstbewusst. Auf der Suche nach einem neuen Weg auf den Bostg an der Gemeindegrenze zwischen Disentis und Tujetsch fand er heraus, dass die Linie, die er im Gelände sah, auf Karten von 1970 noch als Weg verzeichnet war. Man merkt ihm an, wie fasziniert er von seiner Aufgabe ist.

Fast eine Million Franken für Bike-Infrastruktur in Disentis und Tujetsch

Nach dem Gemeinderatsbeschluss von Mitte Februar 2022 ist der Produktmanager nun zuständig, diesen Plan umzusetzen. «In den nächsten zwei Jahren entstehen rund 90 Kilometer Bike-Routen, knapp 20 Kilometer sind Singletrails», verspricht Remo Eberle. Vom Trail Scout wird er nun zum Projektleiter Trailbau und Wegsanierung und schliesslich zum Vermarkter des Wegnetzes, das weit über die Gemeindegrenzen hinaus geht. «Die Gemeinde Tujetsch, zu der Sedrun gehört, investiert ebenfalls 420‘000 Franken in Bike-Routen und Wege. Für das ganze Gebiet steht fast eine Million zur Verfügung», präzisiert er. Auch der Anschluss Disentis’ ans Routennetz der Gotthard-Region gehört zu Eberles Aufgaben. Die Arbeit wird ihm so schnell nicht ausgehen und das Geld auch nicht.

Remo Eberle selber ist es nicht ganz wohl, auf seine Rolle in der Gemeinde angesprochen zu werden. «So wichtig bin ich auch nicht. Die Gemeinden hätten das auch ohne mich gemacht», ist er überzeugt.
 

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