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Test: Yeti 160E T1 Turq – fahren wie auf Drogen

Yeti hat sich mit der Entwicklung ihres ersten E-MTB wahrlich viel Zeit gelassen. Mehr als fünf Jahre und sechs unterschiedliche Prototypen waren nötig, bis das 160E auf den Markt kam. Es sei das erste E-Mountainbike, das spezifisch für den Renneinsatz konzipiert wurde. Da nur mal eine Handvoll Leute E-Enduro-Rennen bestreitet, fragt man sich, ob so eine Entwicklung Sinn macht.

Klar, braucht nur eine Minderheit ein E-Racebike, dasselbe gilt für Downhill-Bikes, die für den Einsatz im Weltcup entwickelt wurden. Doch wenn ein Hersteller wie Yeti sich zum Ziel setzt, das «beste» E-MTB zu entwickeln, ist der Rennzirkus die beste Grundlage, es zu testen.

Auf den ersten Blick erinnert das 160E nicht an ein Yeti, statt Ihres     Switch-Infinity-Systems kommt eine neu entwickelte Plattform namens Sixfinity zum Einsatz. Die funktioniert jedoch ähnlich, der untere Link ändert während des Einfederns seine Richtung von oben nach unten und wieder zurück. Das gibt dem Bike die sehr gute Traktion. Yeti verbaut wie viele andere Hersteller ebenfalls Flip-Chips, doch dienen diese nicht zur Verstellung der Geometrie, sondern ändern die Progression des Federbeins von 30 (Standard) auf 25 oder 35 Prozent.

Das 160E kommt mit Shimano-Antrieb und ist in zwei Ausstattungsvarianten und zwei Farben erhältlich. Das Bike ist äusserst hochwertig verarbeitet und zeugt von viel Liebe zum Detail, wie zum Beispiel die aufwendige Leitungsführung belegt.

Der Schweizer Yeti-Importeur definiert folgende Punkte, wie sich das 160E von anderen E-MTBs unterscheidet:

Das Hauptmerkmal ist die neu entwickelte Fahrwerksplattform Sixfinity, sie bietet:

  • Optimale Traktion in jeder Situation (Up- und Downhill)
  • Gute Anti-Squat-Werte für effizientes Treten über die gesamte Kassetten-Bandbreite
  • Top-Anti-Rise-Werte für vorhersehbares Handling beim Bremsen
  • Einstellbare Leverage-Ratio (Federkennlinie) je nach Fahrstil (25% = poppig, 30% = ausgewogen, 35% = plush)
  • Kurze Kettenstrebe trotz 29-Zoll-Laufrädern und Motor

Aussage von: Lorenzo Bastianon, Product Manager Bikes & Tech Brands, TST-GPR AG

Besonderheiten

-    Sixfinity-System, das für den E-MTB-Einsatz entwickelt wurde
-    Flip-Chips zur Verstellung der Federkennlinie
-    Aufwendige, geräuscheliminierende Führung von Leitungen und Kabelhüllen

In der Ebene

Auf dem Yeti nimmt man eine zentrale und eher aufrechte Position ein. Entsprechend entspannt geht es vorwärts. Das präzise Lenkverhalten – egal, ob auf offenen oder verwinkelten Strecken – überrascht, das ist bei E-Bikes selten so ausgeprägt. Das Rad verleitet zum Gasgeben und schneller als gewohnt die Ideallinie zu halten. Trotz massig Federweg, 170 Millimeter vorne und 160 hinten, avanciert das Bike nicht zur Gummikuh, das Fahrwerk gibt im mittleren Federweg gut Gegenhalt. In Kombination mit dem eher höheren Tretlager steht man mit den Pedalen in Fahrrillen oder beim Queren von Schräghängen selten auf.

Berg hoch

Hier zeigt das Sixfinity-System seine volle Potenz. Das Heck gibt bestes Feedback vom Untergrund und bietet ungeahnte Traktion. Es macht keinen Unterschied, ob das Terrain mega steil oder stark verblockt ist, das 160E gleitet regelrecht hoch, als gäbe es keine Hindernisse. Das führt dazu, dass Strecken gefahren werden können, wo bei anderen E-Bikes jeweils das Hinterrad durchdrehte oder man die Balance verloren hatte. Auf moderaten Trails muss bergauf teilweise sogar gebremst werden, um Kurven zu meistern. Irgendwie fährt man immer einen Zacken schneller, als es sich anfühlt. Es flasht einen regelrecht, wenn schwierigste Uphills mit viel Balance und in einem geschmeidigen Flow – ohne anzuhalten – gemeistert werden. Oben auf dem Gipfel denkt man: Ja, die lange Entwicklungszeit hat sich echt gelohnt!

Berg runter

Geht es dann endlich bergab, sind die Erwartungen hoch. Doch werden diese erst mal gedämpft. Irgendwie fühlt es sich auf den ersten Metern unspektakulär an, bis die erste Kurve kommt, die kriegt man kaum, weil das Tempo schlicht zu hoch ist. Da gilt es dann, hart in die Eisen zu gehen. Es braucht einen Moment, bis man realisiert, dass dieses Fahrverhalten neu ist. Die Federung bügelt alles weg und das Yeti vermittelt einem viel Sicherheit, man merkt aber schlicht nicht, wie hoch die Geschwindigkeit ist, die in kurzer Zeit erreicht wird. Jede Fahrt wird vom Temporausch begleitet, der Suchtfaktor ist hoch. Denn egal, wie der Untergrund beschaffen ist, das Sixfinity-Heck und die Fox 38 meistern alles und in Highspeed-Sektionen ist es kaum zu stoppen – schnell, doch kontrolliert. Dabei zeigt sich das Bike mit einem ausgewogenen Handling. Für ein E-Bike ist es sehr wendig, neigt in schnellen und engen Kurven jedoch leicht zum Untersteuern. Befährt man sehr enges sowie steiles und verblocktes Terrain, geht es mit ebenso guter Balance runter wie hoch. Dabei gibt es kein Überschlagsgefühl, zentral über dem Bike meistert man im Schritttempo bisher unmögliches Terrain. Auch das Bremsverhalten überzeugt, der Grip reisst nicht ab und das Fahrwerk bleibt stets aktiv.

Fazit

Yeti schraubt mit dem 160E die Messlatte ganz nach oben. Schwachpunkte wie das leichte Untersteuern oder die nicht 100-prozentig perfekt verarbeitete Abdeckung des Akkus muss man regelrecht suchen. Mit diesem Bike meistert man Strecken, die man vorher links liegen lassen musste, und das eigene Gehirn produziert Botenstoff wie noch nie, das Yeti flasht ordentlich. Machen E-MTBs überwiegend bergauf Spass, weiss diese Maschine auch bergab zu begeistern. Dass unten am Rahmen noch 2.5 Kilo Motor montiert sind, ist schnell vergessen. Der Blick auf das Preisschild beschert einen ordentlichen Dämpfer, das mag erst mal abschrecken. Fast 13’000 Franken für ein Bike mit Shimano-XT-Ausstattung scheint krass. Ändert man die Betrachtungsweise und bedenkt, dass für dieses wirklich überragende Bike fast sechs Jahre Entwicklung nötig waren – die ja auch finanziert werden muss –, scheint das nicht mehr so extrem. Und ganz ehrlich, hochwertige «Drogen» waren noch nie günstig, das weiss jeder Ferrari-Fahrer.

Empfehlung

Zieht man in Betracht, dass aktuell einige E-Mountainbikes über 14’000 Franken kosten, ist das Yeti-Topmodell zwar nicht günstig, aber sein Geld wert. Wer es sich leisten oder ersparen kann, erhält dafür einen Benchmark in Sachen E-MTB.

Spezifikationen

Rahmenmaterial: Karbon
Preis: CHF 12’490.00 (ab CHF 9990.00)
Gewicht: 23.5 kg (Rahmengrösse M, mit Pedalen)
Federweg:  170 mm vorne / 160 mm hinten
Motor: Shimano EP8, 250 W, 85 Nm
Akku: Shimano, 630 Wh
Federgabel: Fox Factory 38 Grip 2, E-Tune
Federbein: Fox Factory Float X2
Schaltung:  Shimano Deore XT
Bremsen:  Sram Code RSC, 220/203 mm
Kurbelgarnitur:  Shimano EM900, 165 mm
Laufräder: DT Swiss EX1700
Reifen:  V: Maxxis Assegai, EXO+, 29 x 2.5
H: Maxxis DHR II, DD, 29 x 2.4
Sattel: WTB Silverado Yeti Custom
Sattelstütze: Sram Reverb AXS , 150 mm
Vorbau: Race Face Turbine R, 50 mm 
Lenker: Yeti Carbon E-Bike, 800 mm

Geometrie

Alle Daten hier: Link

Hersteller/Vertrieb

www.yeticycles.com / www.tst-gpr.ch

Testbericht erschienen in Ausgabe 01/2022 von Ride Magazin.
 

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