Test: Simplon Rapcon Pmax 2020 – wenn Uphill-Flow auf Downhill-Spass trifft | Ride MTB

Test: Simplon Rapcon Pmax 2020 – wenn Uphill-Flow auf Downhill-Spass trifft

«Born and Raised in Austria» lautet der Claim von Simplon. Was sich erst nach einem klassischen Marketingslogan anhört, hat Hand und Fuss. Schon bei der ersten Ausfahrt mit dem Rapcon wird klar: Wer da seine Finger im Spiel hatte, ist oft in alpinem Gelände unterwegs.

Das Rapcon Pmax gibt es nicht ab Stange, es kann im Hauptsitz von Simplon in Hard am Bodensee, bei einem ihrer Fachhändler oder im Internet konfiguriert werden. Danach wird es individuell aufgebaut und kann beim Simplon-Partner der Wahl abgeholt werden.

Das dem Ride zur Verfügung gestellte Bike kommt in der Topversion daher. Eine Ausstattung vom Feinsten, an der man auch als eingefleischter Tester grosse Freude hat. E-Mountainbikes mit Stahlfeder-Fahrwerk am Heck sieht man nicht alle Tage. Und dann auch noch in diesem verführerischen Rot …

Ride hat bei Simplon nachgefragt, was das Bike neben der edlen Ausstattung und der auffallenden Optik sonst noch auszeichnet:

Dank der Geometrieanpassung durch Flip-Chips sind ein Mullet-Aufbau (vorne 29-, hinten 27.5-Zoll-Laufrad) sowie Federwegevarianten von 150 bis 170 Millimeter möglich.

Das Rapcon Pmax ist aufgrund zusätzlicher Hohlkammern im Unterrohr und jeweils doppelt gelagerter Gelenke am Hinterbau geschaffen für den harten Enduro-Einsatz. Diese Bauweise bietet maximale Fahrstabilität.

Ein kurzes Sitzrohr und ein moderater Stack-Wert ermöglichen Upsizing. Bei Bedarf von längerem Reach können so grössere Rahmen gefahren werden.

Aussage von: Alex Steurer, Strategic Relationships, Simplon Fahrrad GmbH

Ausstattung

Da sämtliche Simplon-Bikes individuell konfiguriert werden, geht dieser Test nicht gross auf die Ausstattung ein. Entscheidend für die Fahrqualitäten des Rapcon ist ganz klar das potente Fahrwerk von Rock Shox. Die Lyrik-Federgabel mit 170 Millimeter Hub kombiniert mit einem Super Deluxe Coil am Heck, der 160 Millimeter Federweg generiert, setzen ganz klar ein Zeichen: Dieses Bike will abwärts bewegt werden! Das Federbein ist mit einer Lockout-Fernbedienung ausgestattet.
Das Test-Bike kommt mit gemischten Laufradgrössen und unterschiedlichen Reifenbreiten daher: vorne 29 x 2.4 und hinten 27.5 x 2.8 Zoll. Einheitlich sind die bewähren Laufräder HX 1501 30 von DT Swiss und die Schwalbe-Pneus Eddy Current.

Motor / Akku

Bosch Performance Line CX / Bosch Power Tube 625
Leistung: 250 Watt
Drehmoment: 75 Newtonmeter
Akkuleistung: 625 Wattstunden

Verarbeitung & Details

Das grau-schwarze Design in Kombination mit der roten Gabel und der gleichfarbigen Stahlfeder ergeben einen fast schon aggressiven Look. Das Spiel mit Matt- und Glanzlack verleiht der Optik das gewisse Etwas. Der Karbonrahmen wirkt sehr solide und für ruppige Ausfahrten gemacht. Das Federbein ist gut geschützt im wuchtigen «Sitzrohr» eingebettet. Sämtliche Lager sind gross konzipiert und gut abgedichtet oder abgedeckt.

Wie eingangs erwähnt kann das Bike mit unterschiedlichen Radgrössen bestückt werden. Um die Geometrie anzupassen, sind oben an den Sitzstreben Flip-Chips verbaut.

Wilde Ausritte könnten auch mal in der Rabatte enden. Da ist es gut zu wissen, dass der verbaute Lenkanschlag den Rahmen vor Kontakt mit der Gabel schützt. Das «Schützen» zieht sich konzeptartig über diverse Details. Seien es die Edelstahlprotektoren bei den Ausfallenden und beim Tretlager, die Leitungsführung durch den Steuersatz oder mitten durch den Drehpunkt beim Tretlager. Auch der oben erwähnte Einbau des Federbeins oder der Akkudeckel aus dämpfendem Gummi gehören zum Thema Schutz. Da steckt viel Hirnschmalz dahinter, damit Simplon ein robustes und langlebiges Bike anbieten kann.

An den Lüftungsschlitzen im Steuerkopfbereich kann kühlende Luft während der Abfahrt einströmen beziehungsweise warme Luft beim Bergauffahren entweichen. Das soll die Akkuerwärmung verringern. Zudem können die Züge alternativ durch die Lüftungsschlitze verlegt werden, falls jemand einen anderen Steuersatz verbaut. 

Die Entnahme des Akkus geschieht mühelos mit zwei Handgriffen.
Hinter dem Akku befindet sich ein weiteres Stück Ingenieurskunst, die sauber und gut zugänglich montierten Leitungen.

Der Rahmen ist für die Integration von Fox Live Valve vorbereitet. Zusätzlich zum internen Akku mit 625 Wattstunden lässt sich am Unterrohr eine externe Version mit 500 Wattstunden montieren. Unter dem Strich sorgen dann 1125 Wattstunden für eine enorme Kapazität.

In der Ebene

Das Fahrwerk ist feinfühlig und absorbiert selbst kleinste Unebenheiten. Die Sitzposition ist aufrecht und leicht frontlastig. Das Bike pedalt sich angenehm und lenkt sich agil durch flowige Trails. Dank dem leistungsstarken Motor ist man flugs bei der 25-km/h-Grenze angelangt. Tritt man über diese hinaus, merkt man das kaum.

Berg hoch

Ein Mullet-Aufbau hat bergauf immer Nachteile, die Front steigt schneller als bei gleich grossen Laufrädern. Dank der nach vorne geneigten Sitzposition und dem kurzem Steuerrohr hat man bei diesem Bike genügend Druck auf dem Vorderrad. Solange der Untergrund einigermassen eben ist, sind auch steilste Rampen gut zu meistern. Der Griff zur Fernbedienung des Federbeins hilft, effizienter zu klettern. Will man verblocktes und steiles Terrain bewältigen, kommt einem das Vorderrad schnell entgegen. Da ist es entscheidend, dass man im passenden Gang fährt und Druck nach vorne gibt. Das Rapcon ist sehr gut ausbalanciert und lässt sich seelenruhig manövrieren, kleine Trial-Einlagen gelingen gut.

Berg runter

Da zeigen sich die wahren Qualitäten der ausgewogenen Geometrie und des potenten Aufbaus des Bikes von ihrer besten Seite. Spurtreu und präzise lässt sich das Simplon über schnelle und verblockte Passagen jagen, es muss sich auf engen und technischen Abschnitten nicht verstecken. Hinterrad umsetzen oder in ausgesetzten Passagen im Schritttempo um und über Hindernisse zirkeln, gelingt locker. Klar, das Gewicht macht sich negativ bemerkbar, aber das ist bei allen E-Bikes so. Doch überrascht es, wie wendig das Rapcon Pmax ist und wie spielerisch man im Gelände unterwegs sein kann.

Durch die Stahlfeder gibt das Heck wenig Feedback vom Untergrund, dafür bügelt es alles weg, ohne dass man die Kontrolle verliert.

Fazit

Schon beim ersten Blick weckt das Simplon Rapcon Pmax den Eindruck, dass es kein «normales» E-Mountainbike ist. Die zahlreichen Details und die sehr hochwertige Verarbeitung rechtfertigen den hohen Kaufpreis. Unterstrichen wird das durch ein sehr gutes Fahrverhalten und den potenten Motor. Bosch propagiert bekannterweise den Uphill-Flow, den gewährt das Bike und dazu noch eine ordentliche Portion Downhill-Spass.

Empfehlung

Das Simplon Rapcon Pmax in der getesteten Version spricht klar finanzstarke Leute an, die Wert auf Details legen und eine wildere Gangart nicht scheuen. Dieses Bike verschiebt Grenzen und zaubert ein Grinsen ins Gesicht.

Spezifikationen

Rahmenmaterial: Karbon
Preis: CHF 10’135.00 (ab CHF 7569.00)
Gewicht: 24.0 kg (Rahmengrösse M, mit Pedalen)
Federweg:  170 mm vorne / 160 mm hinten
Motor: Bosch Performance Line CX, 250 W, 75 Nm
Akku: Bosch Power Tube 625, 625 Wh
Federgabel: Rock Shox Lyrik Ultimate
Federbein: Rock Shox Super Deluxe Coil
Schaltung:  Sram AXS Eagle
Bremsen:  Magura MT7, 203 mm
Kurbelgarnitur:  FSA
Laufräder: DT Swiss HX 1501 30
Reifen:  Schwalbe Eddy Current, Addix Soft Super Gravity, 29 x 2.4 & 27.5 x 2.8
Sattel: Selle Italia X-Land
Sattelstütze: Kind Shock LEV Integra, 150 mm
Vorbau: Acros Gothic, 40 mm 
Lenker: Simplon Carbon Riser, 800 mm

Hersteller/Vertrieb

www.simplon.com


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