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Test: Fatbike – top oder flop? Ein Erfahrungsbericht

Rocky Mountain Blizzard Fatbike

Der Fatbiketrend hat die Schweiz definitiv erreicht. Die dickrädrigen Fahrräder haben mittlerweile auch eine grosse Fangemeinde, jedoch sind aus den Mündern eingefleischter Fans kaum kritische Worte zu hören. Deshalb ist es an der Zeit, selbst ein solches Bike zu durchleuchten.

Kaum eine Bike-Gattung sorgt für mehr kontroverse Diskussionen als Fatbikes. Selbst in der Ride-Redaktion gehen die Meinungen auseinander. Auch ist nicht klar, wo man die dicken Dinger einordnen soll. Man liest, hört und diskutiert gar viel über den dickrädrigen Trend, aber auch die Industrie weiss selbst nicht recht, ob das Fatbike Zukunft hat. Dazu werden Fatbike viele negativen Eigenschaften nachgesagt: Self Steering, Laufräder die schlecht Beschleunigen, träge Lenkung, Reifen die aufschaukeln, neue Standards, weswegen gängige Bikeparts nicht passen und so weiter. Ride entschied sich, diesen Fragen selbst auf den Grund zu gehen. Als Basis für diesen Test dient Rocky Mountain's Fatbike «Blizzard».

Das Bike im Detail

Die Optik des Blizzard ist schlicht, in dunklen Farbtönen gehalten. Doch harmonieren sämtliche Schwarz- und Grautöne gut miteinander und das indianische Tribal auf der Frontpartie geben dem Fattie den typischen Rocky-Mountain-Look. Auf den ersten Blick sieht die Verarbeitung tadellos aus. Jedoch verdecken dicke Lackschichten den Blick auf die Schweissnähte des Rahmens. Hier kann nur über deren Qualität gerätselt werden. Im Weiteren verfügt der Rahmen über einen Kabelkanal für innenverlegte Züge oder Leitung zur Variosattelstütze – die man nachrüsten kann – und für einen möglichen Umwerfer. Am fertig montierten Blizzard ist die Kabelführung grundsätzlich gut gelöst, aber die Leitungen dürften durchaus etwas kürzer sein.
 

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Das Blizzard punktet mit einer abfahrtsorientierten Geometrie. Der 68.5 Grad flache Lenkwinkel sind dabei schon mal eine Ansage. Die 80 Millimeter breiten Felgen in Kombination mit den 4.7 Zoll Vee Tires «Bulldozer» und einer Rock-Shox-Bluto unterstreichen diesen Charakter. Doch die 16 Kilogramm Kampfgewicht sind nicht ohne. Einige Pfunde sind auch den schweren Laufrädern zuzuschreiben. Zum Glück taugt die Felge zum Tubless-Einsatz, wodurch wieder etwas Gewicht eingespart werden kann. Ob eine Federgabel an einem Fatbike nötig ist, darüber lässt sich streiten. Eines ist jedoch klar, sie erweitert den Einsatzbereich dieser Exoten sehr.

Für rund 3'300.- Franken erhält man ein solides und für Langlebigkeit ausgestattetes Fatbike. SLX-Bremsen und die XT-Schaltgruppe von Shimano, sowie diverse Race Face Parts sorgen für ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Die Übersetzung mit 24er Kettenblatt und der 11/36-Kassette sind bei diesem hohen Gesamtgewicht ein Segen, so kommt man auch die steilste Rampe hoch. Bergab ist dann schnell mal Schluss mit pedalieren, wobei man mit dem Fatbike einfach zum Cruiser avanciert. Der Rahmen kann mit einer passenden Rahmentasche versehen werden. Dafür sind bereits Gewindeösen in die Rohre eingelassen, ebenso für zwei Flaschenhalter. Das Cockpit mit dem 710 Millimeter breiten Lenker passt uns gut, lediglich der Vorbau wird auf eine 50-Millimeter-Version umgeschraubt um eine etwas direktere Lenkung zu ermöglichen.

In freier Wildbahn

Bei den ersten Pedalumdrehungen im Innenhof läuft das «Blizzard» ganz gut. Ungewohnt ist das Fahrgefühl aber dennoch. Die Sitzposition ist merklich höher, oder zumindest fühlt sich das wegen den hohen Reifen so an. Geradeaus läuft das Fatbike erstaunlich gut, doch an das Kurvenfahren ist sehr gewöhnungsbedürftig. Für eine guten Traktion wollen die dicken Reifen mit wenig Luftdruck gefahren werden. Dadurch vermitteln sie beim einlenken eine Art Losbrechmoment. Am meisten fällt jedoch das breitbeinige pedalieren auf. Schuld daran hat einerseits das an Fatbikes standardmässig verbaute 100-Millimeter-Tretlager. Zum andern baut das Race-Face-Tretlager zusätzlich sehr breit – gewollt, damit die Kettenlinie zur 197 Millimeter breiten Hinterradachse passt. An das treten in Cowboy-Manier gewöhnt man sich jedoch schnell.

Wieder erwarten klettert das Blizzard erstaunlich gut. Klar keine Bergziege, braucht es aber weniger Kraft, als man von den dicken Reifen mit wenig Druck erwarten würde. Eindrücklich ist die enorme Traktion und wie man in Zeitlupen Tempo auch steile Rampen meistert. Dennoch sind die sehr schweren Laufräder so ziemlich die grösste Schwachstelle des Blizzard. Das ist auch der Grund, weshalb die Laufräder während des Langzeittests mit den brandneuen und massiv leichteren BR-2250 von DT Swiss ausgetauscht werden. Der Unterschied beim hochfahren ist wie bei Tag und Nacht.
 

Das Trail- und Pumptrack-Erlebnis

Auf Singletrails macht sich das Blizzard ganz gut. Es scheint als muss man bei einem Fatbike einfach die ideale Geschwindigkeit fahren. Ist die Trittfrequenz zu hoch, fängt das Heck an zu hüpfen. Mit mehr Kraft und weniger Kadenz fahren bringt wieder Ruhe. Das Fahrgefühl schwankt zwischen lässig und komisch. Einerseits bieten die breiten Vee-Reifen satten Grip über Wurzeln und Steine und verzeihen auch mal eine suboptimale Linienwahl. Aus Kurven raus bocken die Reifen jedoch und verzerren ein wenig die Wahrnehmung zwischen des Fahrers zum Untergrund. Gerade bergab braucht das Fatty eine ganz eigene Fahrweise. Es braucht mehr Körpereinsatz und das Bike mehr in die Kurven gedrückt werden. Hat man sich daran gewöhnt, lässt es sich mit ordentlich Tempo fahren. Langsame, technische Abschnitte gehören nicht zu dem bevorzugtem Terrain von Fatbikes, da durch die dicken, weichen Gummis auch etwas die Lenkpräzision fehlt.

Bevor Schnee fällt, gleichen die Trails oft Schweinesuhlen. Auf solch tiefnassen Böden hat das Fatbike vor allem berghoch Vorteile. Denn es überzeugt mit satter Traktion und wenn auch langsam, lassen sich damit Twentyniner-Fahrer abhängen. Im Flachen ist der Vorteil nicht mehr so frappant. Die Reifen sinken zwar massiv weniger ein, doch kommt man auch nur langsam voran. Bergab zeigen sich erneut Vorteile. Spurrillen und Wurzeln werden getrost ignoriert und man kann mit Schmackes darüber hinweg brettern. Doch macht man sich keine Freunde, sofern diese hinter einem fahren. Die breiten Reifen generieren eine regelrechte Schlammfontäne. Der Kommentar des Hintermannes: «Lass mich vor, du spritzt ja wie ein Motocross-Töff», kam prompt.

Nach einer 90-minütigen Schlammschlacht wird klar, dass die Reinigung von Mann und Maschine mindestens nochmals die Hälfte dieser Zeit beanspruchen wird. Der Ruf nach Spritzschutzblechen wird laut. Eine Recherche im Internet bringt die Erkenntnis, dass es bereits Schutzbleche für Fatbikes von Mucky Nutz gibt. Die Freude ist aber nur von kurzer Dauer, denn das Schutzblech für die Gabel ist nicht mit Rocks Shox' Bluto-Federgabel und den 4.8-Zoll Schlappen kompatibel. Das gute Stück streift am Reifen und wird wieder demontiert. Laut Hersteller sind die passenden Fender aber schon in Produktion.

Es ist wohl jedem klar, dass ein Fatbike nicht auf Pumptracks gehört, aber man soll ja nichts unversucht lassen, um dieses auf Herz und Nieren zu testen. Wie erwartet muss man für die Pumptrack-Session doppelt pumpen. Die Lunge scheint schnell am Anschlag, aber in Fahrt kommt man nicht – was zu erwarten war.
 

Schnee das Fatbike-Element

Endlich ist der Tag gekommen, an dem sich das Blizzard voll entfalten kann. Seine Schneetaufe hat es auf 15 Zentimeter Neuschnee, auf einer Unterlage von weiteren 10 Zentimetern leicht gepresstem Schnee. Noch nie fühlte sich auf Schnee fahren so ruhig und spurtreu an. Doch auch hier ist das richtige Tempo massgebend, speziell berghoch und auf der Ebene. Dann fährt es sich wie auf Schienen durch die weisse Pracht. Doch Wunder kann auch ein Fatbike nicht vollbringen. Geht es so steil hoch, dass man den kleinsten Gang benötigt, ist bald Schluss mit der Traktion. Denn Schnee hat nun mal wenig Widerstand und der Hinterreifen spult durch. Das Anfahren am Hang will ebenfalls geübt sein. Man muss genau die richtige Dosis Kraft anwenden, dass der Reifen nicht spult, es aber trotzdem voran geht. In der Ebene gilt, je tiefer der Schnee desto schwieriger wird es wieder Fahrt aufzunehmen. Haben die fetten Walzen mal Schwung, pflügt man in Ruhe seine Spur. Zwar ermöglicht einem das Fatbike bei ungewohnten Schneeverhältnissen zu biken, der Kraftaufwand ist aber nicht zu unterschätzen. Ausser auf hartgepresstem Schnee, da prescht man einfach darüber hinweg und das ohne grossen Krafteinsatz.

Bergab brilliert das Blizzard. Dort heisst es Bremse loslassen und lenken. Es macht Spass damit durch den Schnee zu schiessen und es lässt sich auch bei 20 Zentimeter lockerem Schnee noch gut manövrieren. In engen Kurven heisst es aber Tempo raus, sonst passiert es wie beim Mountainbiken, dass man aus der Kurve rutscht. Hingegen macht auch Spass durch die Kurven zu schlittern. Mit der Zeit entwickelt sich ein Gefühl dafür und man driftet kontrolliert um die Kurven.

Nach einigen Ausfahrten im Schnee wird schnell klar, Schnee ist nicht gleich Schnee. Und wo liegen die Grenzen des Möglichen? Bei mehr als 20 Zentimeter weichem Schnee ist in der Ebene Schluss, da die Traktion oder die Kraft nicht mehr ausreicht. Mit Gefälle geht es noch durch etwas tieferen Schnee. Bei rund 30 Zentimetern losem Schnee lässt sich auch der steilste Hang nur noch in gerade runter pflügen. Traversen oder gar Kurven gelingen nur mit viel Bike-Beherrschung, kontrolliertes fahren geht anders von statten. Mit einem normalbereiften Mountainbike währen solche Bedingungen gar unmöglich zu meistern. Entscheidend für maximalen Spass im Schnee ist eine harte Unterlage und maximal 20 Zentimeter Neuschnee darauf, dann ist man im Fatbike Element.
 

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Rocky Mountain Blizzard Fatbike

 

Party auf der Skipiste

Das beste kommt bekanntlich zum Schluss: das fahren auf der Skipiste. Wer einmal bei Minusgraden auf einer frisch präparierten Skipiste mit ordentlich Gefälle unterwegs war, will das immer und immer wieder erfahren. Das ist der Zenit des Fatbikens: Flow pur, eisgekühlt. Mit dem richtigen Druck – 0.5 - 0.7 Bar – auf den Reifen, lässt es sich mit ordentlich Karacho die Piste runterdonnern. Solange man keine engen Radien fährt, gelingt das auch mit 4.0-Zoll-Reifen ganz gut. Wer jedoch ungebremst mit beiden Rädern um Kurven rutschen will, ist mit grobstolligen 4.8-Zoll-Schlappen besser beraten. Es braucht ein paar Abfahrten, bis man sich traut mit dermassen Tempo in Schnee-Anlieger zu driften, dass auch das Vorderrad ausbricht, aber im Vergleich zum klassischen Mountainbike braucht es einiges länger bis es wegkippt. Leider gibt es bis dato kaum eine Destination, welche Fatbikes auf Skipisten gestattet – vielleicht aber im nächsten Winter.
 

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Fatbike- und Blizzard-Fazit
Fatbikes sind klar Nischenprodukte, welche aber durchaus ihre Berechtigung haben. Auf trockenem Untergrund erreicht man mit einem Mountainbike mehr Tempo und kommt schneller in das gesuchte Flowfeeling. Bei tiefem Schlamm und sehr nassen Böden bietet ein Fatbike Vorteile in der Traktion, aber Schnee ist das Element für das es geschaffen wurde. Dort beschert es ein einzigartiges Fahrgefühl. Natürlich soll es auch auf Sand super funktionieren, aber der ist hierzulande Mangelware.
Ausser einer gerissenen Kette am Ende der vier Monate war der Verschleiss der beweglichen Teile nichtig und ausser ein paar wenigen Kratzern sind auch keine Schäden zu vermelden.
Wer noch Platz im Keller und das nötige Kleingeld hat, sich gerne bei Schnee und widrigen Bedingungen im Gelände bewegt, ist mit einem Fatbike gut beraten. Allerdings sind diese auch nicht billig, weshalb sich bei wenigem Gebrauch eine Miete eher lohnt. Ansonsten ist es eine Investition in ein langlebiges Bike mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Modifikationen

- In Folge persönlicher Vorliebe wurden Ergon GE1 Griffe montiert.  
- Nach der ersten Fahrt wurde der Vorbau auf ein 50-Millimeter-Modell gewechselt, sowie zwei Spacer entfernt, um eine aufrechtere und tiefere Lenkerposition zu erhalten.  
- Sattel und Stütze wurden getauscht. Es kam eine gekürzte Stütze zum Einsatz, die es ermöglicht mehr Beinfreiheit in der Abfahrt zu erhalten.  
- Die originalen Laufräder und Reifen wichen den zwei Kilogramm leichteren, mit Schwalbe 4.0-Zoll-Reifen bezogenen BR-2250-Laufrädern von DT Swiss.  

 
Testbike Facts

Marke & Model   Rocky Mountain Blizzard 2015
Rahmengrösse M
Federweg vorne 100 mm
Laufradgrösse 26 Zoll
Preis CHF 3'499.00, ab CHF 2'299.00
Gewicht 16 kg inkl. Pedalen und Rahmentasche

Geometrie

Lenkwinkel   68.5°
Sitzwinkel 73.5°
Reach 414 mm
Stack 613 mm
Oberrohr 590 mm
Sitzrohr 457 mm
Kettenstreben   455 mm
Steuerohr 115 mm
Radstand 1138 mm
Tretlagerhöhe k.A.
Trettlagerbreite    100 mm
Steifigkeit gut
Standards Sattelstütze 30.9 mm, Steuerrohr tapered
Luftdruck Gabel 65psi, Fahrer inkl. Ausrüstung 70 kg
Reifendruck 0.5 Bar
   
Spezifikation  
Rahmenmaterial    Aluminium
Gabel Rock Shox Bluto RL
Schaltung Shimano XT 1x10
Bremsen Shimano SLX
Kurbelgarnitur Race Face 100 mm 24T
Felgen Sunringlé Mulefüt SL 80 / DT Swiss Big Ride 2250*
Naben Wheeltech Fatso / DT Swiss Big Ride 2250*
Reifen Vee Ruber Bulldozer 4.7" / Schwalbe Jumbo Jim 4.0*
Sattel WTB Volt Race
Sattelstütze Rocky Mountain SL
Griffe Ergon GE 1*
Vorbau Rocky Mountain L7
Lenker Race Face 710 mm
  *Nicht original, im Verlauf des Tests umgerüstet.

www.bikes.com
www.dtswiss.com
www.muckynutz.com

 

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