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Test: Dick und leicht – das Ride-Fatbike im Detail

In der Ride-Ausgabe 02/15 haben wir euch unser Fatbike als Blickfang vorgestellt: Ein möglichst leichtes winter- aber auch Trail-taugliches Fatbike. Dieses Schmuckstück wurde aber nicht einfach statt einem Bild an die Wand gehängt, sondern im Winter und im Sommer ordentlich geplagt. Ein Test- und Optimierungsbericht.

In der Ride-Ausgabe 02/15 haben wir euch unser Fatbike als Blickfang vorgestellt: Ein möglichst leichtes winter- aber auch Trail-taugliches Fatbike. Dieses Schmuckstück wurde aber nicht einfach statt einem Bild an die Wand gehängt, sondern im Winter und im Sommer ordentlich geplagt. Ein Test- und Optimierungsbericht.

Das «Ride Fattie» war wie erwähnt nie nur für Präsentationszwecke gedacht. Es soll zwar entgegen den meisten Fatbikes sehr leicht sein, aber trotzdem robust genug, um nicht nur im Schnee sondern auf ruppigen Trails zu bestehen. So haben wir es während den Wintermonaten durch tiefen Schnee, über präparierte Skipisten, schlammige Böden und im Sommer über trockene, ruppige Trails gejagt. Dabei mussten einzelne Parts optimiert werden bis das perfekte Fatbike Setup gefunden war. Nun steht bald der Winter vor der Türe und vielleicht plant der eine oder andere von euch sich ein ebensolches anzuschaffen oder aufzubauen. Hierzu ein wenig Inspiration.


Rahmen und Gabel

Nachdem wir schon Fatbikes aus Stahl und Aluminium gefahren sind, war klar, jetzt muss Kohle her. Damit ein Fatbike richtig Spass macht muss es vor allem eins sein, leicht. Somit steht für der Griff zu einem Carbon-Rahmen nahe. Unser Rahmen ist ein Mustermodel einer Manufaktur, welcher so nicht erhältlich ist. Doch die Zahlen sprechen ihre eigene Sprache: Gewicht 1'300 Gramm, Lenkwinkel 68.5 Grad, Sitzwinkel 73 Grad, das sind Werte eines anständigen Trailbikes. Gerade der flache Lenkwinkel sollte dem Bike zu noch mehr Laufruhe verhelfen. Doch ist er nicht zu flach, dass es die Wendigkeit beinträchtigen sollte. Die innenverlegten Kabel sind ebenfalls ein Plus und gerade im kalten Winter eventuell auch ein Schutz vor Vereisung.

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Schlicht, sportlich und leicht – das Ride-Fatbike. Foto ©Philipp Ruggli


Die grosse Frage war Starrgabel oder Federgabel? Da wir die Kernkompetenz eines Fatbikes auf Schnee und Sand sehen, wäre eine Federgabel nicht nötig gewesen und hätte das Gesamtgewicht nochmals locker um 1000 Gramm gedrückt – bei einer leichten Starrgabel noch mehr. Doch bei der Absicht das «Super-Fattie» auch auf Trails zu fahren, wurde eine Federgabel unumgänglich. Rock Shox war da mit ihrer 100 Milimeter Bluto die erste Adresse. Die Fatbike-Federgabel Bluto sind wir mit etwas mehr Druck als gewohnt und mit wenig Negativfederweg gefahren. Denn diese übernimmt mit der Eigenfederung der dicken Reifen eine weitere Rolle als nur Stufen und unerwartete Schlaglöcher abzufangen. Die Reifen federn ziemlich ungedämpft was die Federgabel mit einer langsameren Zugstufe kompensiert. Bei zweistelligen Minustemperaturen hat die Performance der Bluto zwar nachgelassen, aber wir waren dennoch oft genug froh um sie, wenn uns der verschneite Untergrund mit unerwarteten Schlägen überraschte.
Die hier verbaute Rock Shox «Bluto RCT3» ist ab 750 Franken im Fachhandel erhältlich.
www.sram.com

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Eine breite Forke für breite Schlappen. Foto ©Philipp Ruggli


Rollmaterial und Gummis

Für uns war die Wahl der Laufräder die wichtigste Komponente eines Fatbikes. Diese entscheidend, ob sich ein Fatbike ein träge oder flink verhält. Zwischen den leichtesten und den schwersten von uns getesteten Laufräder liegt ein Gewichtsunterschied von 3.5 Kilogramm. Was das für die Beschleunigung bedeutet, kann sich wohl jeder selber ausmalen.
Unser Favorit ist der Laufradsatz von Tune mit King- und Kong-Nabe, Enso-685-Carbonfelgen von Kuroshiro und Sapim-CX-Ray-Flachspeichen. Nur gerade 1'640 Gramm wiegt der Laufradsatz – eine echte Ansage wo so mancher «normale» Trail-Laufradsatz schwerer ausfällt. Dieser Radsatz ist eine Wucht, die Beschleunigung ist enorm, er ist gefühlt steif und auch nach sechs Monaten Einsatz in teilweise sehr ruppigem Gelände laufen diese noch immer gerade.
Doch so viel Bling-Bling hat auch einen Haken. Der Preis ist mit rund 2'800 Franken nicht für jedermann erschwinglich. Wer ein kleineres Budget hat, aber dennoch einen einigermassen leichten und robusten Laufradsatz sucht, dürfte mit dem 2'250 Gramm schweren Big Ride von DT Swiss ebenfalls glücklich werden. Diesen haben wir schon zu einem früheren Zeitpunkt getestet und darüber berichtet:
www.ride.ch/site/index.php/9847-test-dt-swiss-br-2250-komplett-laufradsatz.html

Tune Fatbike Skyline, CHF 2’805.45
www.tune.de
DT Swiss BR 2250 Classic, CHF 938.-
www.dtswiss.com

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Die Laufräder, bestehend aus Tune-Naben, Sapim-Speichen und Kuroshiro-Carbon-Felgen, drücken das Gewicht ordentlich. Aber auch mit dem DT-Swiss-Laufradsatz würde das Ride-Fatbike unter der 13-Kilogrammgrenze bleiben. Fotos ©Philipp Ruggli

Beinahe fast so wichtig wie die Laufräder ist die Wahl der Reifen. Mangels Auswahl und Verfügbarkeit zum Testbeginn haben wir nur wenige Reifen in sämtlichen Bedingungen (Schnee, Schlamm, Trockenheit) getestet. In der Zwischenzeit wurden diverse neue Fatbike-Reifen vorgestellt oder sind mittlerweile erhältlich.
Auch wenn wir nicht alle Reifen kennen, kann eines jetzt schon mit Bestimmtheit gesagt werden: Den perfekten Fatbike-Reifen gibt es nicht. Bei der intensiven Testerei im Winter und Frühling stellte sich bald heraus, Schnee ist nicht gleich Schnee. Reifen die auf festgepresstem Schnee überzeugen, müssen bei Pulver-, Nasschnee oder Sulz nicht zwingend gute Arbeit leisten.
Im Winter hat uns der Snowshoe XL von Vee Tire am besten gefallen. Sein Profil fällt etwas höher aus, um bei gewissen Schneebedingungen ordentlich Grip zu gewährleisten, aber Dank den Spikes verfügt er auch gefrorenen, schneefreien Winterböden, hartgepresstem Schnee und natürlich auch auf Eis überzeugenden Halt. Der Nachteil ist ganz klar das hohe Gewicht und der sehr hohe Rollwiderstand.
Ist der Schnee mal weg, hat der Schwalbe «Jumbo Jim 4.8» am meisten überzeugt. Mit seinem niedrigen Profil und nur gerade 1'200 Gramm rollt er auch verhältnismässig gut. Der Mangel an Grip mit den flachen Stollen macht er mit seiner Breite und der erhöhten Auflagefläche wieder wett. Für uns ein sehr guter Allrounder bei welchem wir ab und an lediglich etwas mehr Stollen für eine bessere Bremsverzögerung gewünscht hätten.
Sein kleiner Bruder mit 4.0 Zoll Breite sind wir ebenfalls gefahren. Dieser rollt und beschleunigt nochmals einen Zacken besser, da er auch nur ein Kilogramm wiegt. Aber wenn schon Fatbike, dann doch lieber 4.8 Zöller.

Vee Snowshoe XL, CHF 185.90
www.veetireco.com

Schwalbe Jumbo Jim 4.8, CHF 129.90
Schwalbe Jumbo Jim 4.0, CHF 99.90
www.schwalbe.com

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Leicht versus griffig: Im Schnee gewinnt klar der besprikte Vee Tire «Snow Shoe XL». Fotos ©Philipp Ruggli

Schaltung und Bremsen
Wie eingangs angemerkt, hatten wir von Anfang an geplant ein leichtes und wintertaugliches Fatbike aufzubauen. Hier in Davos fallen die Temperaturen gerne mal unter minus zehn Grad. Da kommt so manche Bremse an ihre Grenzen. Dazu kommt, dass bei längeren Touren sich gerne mal Schnee und Matsch an den Bremsbacken sammeln, lässt dann der Fahrtwind diesen gefrieren, kann die Bremskraft schon mal ausbleiben. Wir sind dem Tipp gefolgt, dass sich Magura-Stopper im Winter ganz gut machen sollen, und haben die MT7 verbaut. Tatsächlich hat diese uns nie im Stich gelassen. Auch nach einem unfreiwilligen «Taucher» ins eisig kalte Flusswasser hat sie tadellos ihren Dienst verrichtet. Mehr als das, ihre hohe Bremskraft und Standfestigkeit hat uns sehr überzeugt. Einzig die geringe Verstellbarkeit des Hebelabstands zum Lenker hatten wir an dieser Stelle ein wenig zu bemängeln. Doch während der Testphase hat Magura den Mangel bereits behoben und die neuen Modelle optimiert.

Magura MT7, ab CHF 499.80
www.magura.com

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Bissig, standfest und doch verhältnismässig leicht – die Magura MT7. Fotos ©Philipp Ruggli

Bei Schnee und Eis, dachten wir uns, ist weniger wohl mehr. So wir uns bei der Wahl der Schaltgruppe für ein 1x11-Setup von Sram entschieden. Die X1-Schaltung haben wir mit einer Kurbelgarnitur von Race Face kombiniert welche mit einem 24er Kettenblatt bestückt wurde. Das mag manchen als zu klein erscheinen. Aber gerade beim anfahren in tiefem Schnee hat sich die leichte Übersetzung bewährt. Auch konnten wir dadurch auf trockenem Terrain dank den breiten Schlappen auch steilste Rampen erklimmen. Bergab ist dafür bald mal Schluss mit treten, wobei man es mit der dicken Bereifung doch lieber rollen lässt, als die Beine zu überdrehen.
Bei der Kurbel hätten wir gerne ein leichteres Modell verbaut. Den gewünschten Leichtbau konnten wir hier jedoch nicht vollziehen. Denn bei Projektbeginn gab es keine Leichtbaukurbel welche eine passende Achse für das 120 Millimeter breite BSA-Tretlager gehabt hätte.

SRAM X1, ab CHF 516.- (Kassette, Schaltwerk, Trigger)
www.sram.com

Race Face Turbine, ab CHF 309.- (Kurbel, Tretlager)
www.raceface.com

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Die 1x11-Schaltung erwies sich im Schnee als relativ unproblematisch. Fotos ©Philipp Ruggli

Des Fatbikers Thron
Bei der Sattelstütze haben wir bewusst auf Leichtbau verzichtet, da uns eine Variosattelstütze sinnvoller erschien. In diesem Fall haben wir uns für eine LEV von Kind Shock entschieden. In steilen Abfahrten fährt es sich nämlich auch auf dem Fatbike angenehmer mit einem verstellbaren Thron. Selbst wenn man bei Schnee mal absteigen muss, war diese beim wieder aufsteigen bereits hilfreich – speziell bei grösseren Schneemengen. Die LEV-Stütze hat sich dabei als äusserst zuverlässiger Partner bewährt und auch bei tiefen Temperaturen noch funktioniert.

Kind Shock LEV, ab CHF 299.-
www.kindshock.com

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Gewicht gespart, haben wir dafür beim Sattel. Rund 100 Gramm konnten wir mit dem Tune «Komm-Vor» gegenüber den meisten anderen Sätteln einsparen. Optisch haben wir allerdings auch am Komfort gespart. Die Carbon-Schale überzeugte uns jedoch mit dem Gegenteil. Auch nach mehren Stunden im Sattel sass es sich auf dem «Komm-Vor» äusserst bequem.
Leider hat sich gegen das Testende der Lederbezug an der hinteren Kante von der Schale gelöst. Das hat zwar weder Funktion noch Komfort beeinträchtigt, jedoch hinterlässt das bei einem derart hochwertigen Produkt einen fahlen Nachgeschmack. Tune hat das Problem erkannt, repariert betroffene Produkte und verwendet in der Zwischenzeit einen anderen Kleber.

Tune «Komm-Vor», CHF 207.70
www.tune.de

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Optisch hart, aber komfortabel im Gefühl: Der Tune «Komm-Vor» wird seinem Namen gerecht. Dem Problem des sich lösenden Sattelleders hat Tune bereits mit neuem Klebstoff abgeholfen. Fotos ©Philipp Ruggli

Flats statt Klickies
Trotzdessen fast die gesamte Redaktion mit Klickpedalen fährt, waren Flatpedals die erste Wahl, da diese im Wintereinsatz angenehmer sind. Einerseits wegen der Isolation der Sohle, welche bei den temperaturleitenden Schuhplatten schlechter ist, aber auch weil Klickmechanismen und Schuhplatten im Schnee öfters verstopfen. Es empfiehlt sich ein Plattformpedal mit hohem Grip, also guten Pins, zu wählen. Da man bei Minustemperaturen anstatt Bike-Schuhen eher zu klassischen Outdoor- oder Winterschuhen greift, sollen sich diese gut in die Solle beissen.

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Die Flatpedals von Cube anerboten sich als leichte und kostengünstige Lösung. Foto @Philipp Ruggli

Fazit: Für uns passen Schnee und Fatbikes wunderbar zusammen. Entscheidend ist das Gewicht, speziell bei den Reifen, denn so kann man die Dickhäuter auch ordentlich beschleunigen. Aber auch alle weiteren Teile wollen ordentlich gewählt sein, damit der Spass in der Kälte nicht verloren geht. Mit seinen zwölf Kilogramm hat das Ride-Fattie bei uns natürlich eine Begeisterung ausgelöst. Ideal für all jene die Fatbike-Rennen bestreiten, oder gerne etwas exklusives haben. Hier wollen wir aber klar anmerken, dass wenn einem Beschleunigung und Sportlichkeit nicht wichtig sind, man mit einem 15 Kilogramm schweren Fatbike ab der Stange genau so Spass haben kann.

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Foto ©Philipp Ruggli

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