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Spitzen-Bikes im Ruhestand: Sausers Olympia-Bike Cannondale Scalpel

Auf jede Olympischen Spiele wird beim Material jeweils speziell aufgerüstet. Das war auch damals nicht anders. Eines der wohl interessantesten Olympia-Bikes des Jahres 2004 war Christoph Sausers Cannondale Scalpel. Hier wurde Leichtbau auf die Spitze getrieben, nie aber darüber. Wir holen dieses Geschoss aus dem Ruhestand und blicken zurück, was vor 16 Jahren der letzte Schrei war.

Christoph Sausers damaliges Cannondale Scalpel verfügte nicht nur über einen der besten Rahmen seiner Zeit. Dieser war mit Komponenten bestückt, die es so nicht zu kaufen gab. Wenige kamen ab der Stange und waren wohlverstanden modifiziert. Viele aber waren Spezialanfertigungen seines damaligen Mechanikers Patrick Griessen – einer der Tuning-Päpste unter den damaligen Weltcup-Mechanikern.

Leichter als die meisten Hardtails

Der Scalpel-Rahmen war schon in der Aluminium-Ausführung das Objekt der Begierde. In der Carbon-Version trieb er den Speichelfluss unaufhaltsam an. Speziell daran war: Griessen liess für Sausers Bike jede Stahlschraube in Aluminium oder Titanium nachbauen, um das Gewicht überall dort zu senken, wo es keinen tatsächlichen Nutzen hatte. Die Rennmaschine war mit 8.95 Kilogramm leichter die meisten Hardtails.

Eine weitere Besonderheit des Carbon-Rahmens war der Flex-Stay-Hinterbau der schon beim Vorgänger aus Aluminium eingesetzt wurde. Dank flexibler Kettenstrebe federte der Hinterbau ohne gelagerten Drehpunkt. Kombiniert mit einem DT-Swiss-Dämpfer bot er 80 Millimeter Federweg, und dieser wurde mit einem Handgriff nach hinten blockiert.

Anders bei Cannondales hauseigenem Federwerk «Lefty». Diese war ihrer Konkurrenz nicht nur in Sachen Optik und Federungseigenschaften voraus. Ihre 100 Millimeter Hub liessen sich schon damals elektronisch blockieren, dank einem kleinen, leichten Motörchen der Schweizer Firma Maxonmotor aus Sachseln.
Diesen Blockiermechanismus gabs Serienmässig, nicht aber die Möglichkeit die Federung vom Lenkerhörnchen aus zu blockieren. Patrick Griessen liess in die Carbon-Barends einen Schaltknopf mitsamt Verkabelung ein und verknüpfte diese mit dem Hauptschalter.
Die Kabel führte er intern durch das Lenkerende und führte sie aus einem kleinen Löchlein zwischen den Lenkerklemmen des Vorbaus zum Blockiermechanismus am Gabelkopf.

Verkehrte Gangwelt

Anhand Sausers Olympia-Bike wird bewusst, wie stark sich die Schaltungstrends gewandelt haben. Während heute ein einzelnes, relativ kleines Kettenblatt vorne ausreicht und die Kassette eine riesige Bandbreite von 10 bis über 50 Zähnen umfasst, war es damals Umgekehrt.

Zwei Kettenblätter vorne und einen Umwerfer haben heute nur noch wenige Highend-Bikes. Vorne gehörten Kettenblätter der Grösse 29 und 42 zum Standard der Rennfahrer. Den Kettensprung vollzog Sauser mit einem Dura-Ace-Rennradumwerfer von Shimano. Hinten eine 9fach-Sram-Kassette mit 11-32 Zähnen die von Srams X0-Schaltwerk bedient wurde.
Für das Olympische Mountainbike-Rennen in Athen statte Sram damals 16 ausgewählte Athleten mit goldenen Komponenten wie Grip-Shift-Drehgriffschalter und Hollow-Pin-Kette und Kassette aus.

Leichte Stopper

Mit der «Marta SL» hatten die Schwäbischen Stopperspezialisten schon damals eine äusserst leichte aber auch kraftvolle Scheibenbremse im Portfolio. Doch war Aluminium- und Titan-Schrauben nicht das einzige an den Bremsen, wo noch Gewicht gespart werden konnte. Sauser setzte auf Aluminium-Bremsscheiben mit spezieller Beschichtung. Diese wogen knapp mehr als die Hälfte der normalerweise spezifizierten Stahlscheiben, jedoch war auch die Bremsleistung ausreichend. Umso verwunderlicher ist, dass hinten nur eine 140er Bremsscheibe eingesetzt wurde.

Keine Kompromisse

Selbst wenn an Sauser Scalpel scheinbar alles abgespeckt wurde, beim der Ergonomie machte er keine Abstriche. So lenkte sein Bike beispielsweise mit einem Syntace «VRO Ultralite Carbon» Lenker. Begründet war diese Wahl damit, dass Syntace damals der einzige Hersteller war, der Lenker mit zwölf Grad Rückwärtskröpfung bot. Diese Kröpfung korrigierte die Handstellung, was in geringerer Ermüdung resultierte. Mit 580 Millimeter war die Lenkerbreite damals aber deutlich schmaler als heute. Auch Fiziks Gobi-Sattel gehörte an Sausers Rennbikes zum mehrjährigen Standard.

Bei den Laufrädern kamen Mavics Crossmax SL zum Einsatz. Diese waren damals der Benchmark unter den Laufrädern. Für die Rennen wurden sie allerdings mit ungedichteten Keramiklagern auf Leichtlauf frisiert. Im Training fuhr Sauser hingegen nur mit Fett vollgepappten Standardlagern. Bereift wurden Mavic-Felgen mit Hutchinsons Reifenklassiker Python in 26x2.0 Zoll. Christoph Sauser fuhr dieses Reifenprofil praktisch in jeder Witterung. An den Rennen blieben die schweren Tubeless-Versionen allerdings im Keller. Stattdessen mussten die leichten Modelle herhalten, mit Reifenreparaturschaum gedichtet.

Unglaublicher Technikwandel

Das Cannondale-Team war seinerzeit das Traum-Team vieler Athleten, nicht zuletzt wegen der Bikes. Die Federgabel – wenn auch technisch gesehen keine Gabel – war und ist auch heute noch revolutionär und sein elektronisches Blockiersystem der Zeit weit voraus. Die Übersetzung hingegen – ein 32er Ritzel hinten? Heute werden kleinere Grössen als einzelnes Kettenblatt und hinten Ritzel mit Grössen um 50 Zähnen eingesetzt.

Abgesehen von der Laufradgrösse hat sich auch die Geometrie stark verändert. Bei zwar noch ähnlichen Sitzpositionen haben sich die Bikes unter dem Fahrer mehr in die Länge gestreckt. Reifen, Felgen, Achsen und Lenker sind breiter geworden, der Federweg übersteigt teilweise schon die Hundertmillimetergrenze. Heute sind auch gute Abfahrtseigenschaften gefragt: Eine hohe Laufruhe und Stabilität sowie Vielseitigkeit, anstatt nur möglichst wenig Gewicht und ein wendiges Bike.
Wie die Olympia-Bikes im Jahr 2036 ausschauen werden, da bleibt wohl noch viel Raum für Spekulationen.

 

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