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Sind 36-Zoll-Bikes das nächste grosse Ding?

Gross sind sie, das ist klar. Ob 36-Zoll-Räder die Bike-Welt so überrollen werden wie die 29er, ist aktuell nicht abzusehen. Ein paar Leute waren schon auf 36ern unterwegs und durchaus angetan.

Grössere Räder machen mehr Spass. Diese Erkenntnis setzte sich mit den 27.5- und 29-Zoll-Rädern allmählich durch. Davor gehörten 26 Zoll zum Mountainbike wie Stollenpneus und Federgabel. Doch irgendwann mussten (fast) alle eingestehen: 29er haben mehr Grip, rollen ruhiger über Unebenheiten, halten die Spur besser, kurz, sie sind einfach schneller, ob auf Cross-Country- oder Downhill-Strecken. Man könnte es auch einfach die technische Evolution nennen. Schliesslich wurden auch die Autos und Nutzfahrzeuge im Verlauf der Zeit immer grösser. Wann also nehmen die Moutainbikes die nächste Stufe, welche natürlich jenseits der 30-Zoll-Marke liegt?
 
Inzwischen gibt es ein paar wenige, die 36er Bikes in (Klein-)Serie herstellen: Truebikes aus Bratislava (Slowakei) hat sich auf die exklusive Radgrösse spezialisiert und bietet neben City- Trekkingbikes auch ein Mountainbike an. Allerdings sei ihr Rahmen für harte Trails und Downhill-Rennen nicht stabil genug. Ein Tüftler in Deutschland hat sich aus Interesse, wie er am Telefon sagt, ein 36-Zoll-Fully mit einer modifizierten Downhill-Gabel gebaut. Deren Federweg musste er verkürzen, damit sie beim Einfedern nicht das Vorderrad blockierte. Dass die Räder von 29 gleich auf 36 Zoll springen und nicht beispielsweise auf 32 Zoll, hat übrigens einen Grund: Offroad-Einräder sind bereits mit 36 Zoll unterwegs, weshalb dieses Radmass für viele Entwickler der logische Ausgangspunkt war.

Dirty Sixer aus New York bauen Bikes speziell für besonders grossgewachsene Menschen. Der Basketball Superstar im Ruhestand, Shaquille O'Neal, erhelt vor einigen Jahren seine Custom Version, die  seiner Grösse (216 cm) und seinem Gewicht von fast 150 Kilo gerecht werden musste. Jüngst machte der italienische Hersteller Trentasei//36 mit seinem Carbon-Bike 36Pollici auf sich aufmerksam (pollice bedeutet Zoll in Italienisch). Ab 2022 soll es erhältlich sein – sofern die Komponenten verfügbar sind. Auf dem Youtube-Kanal von PianetaMTB testet ein Fahrer den 36er gründlich, sein Urteil ist aber nur in Italienisch verfügbar. Sogar 39 Zoll hat das nur als Computer-Illustration bestehende Bike des Designers Patrick Ng aus Singapur.

Trek experimentiert mit 32''- und 36''-Rädern

Dass auch grosse Marken am Thema dran sind, davon ist auszugehen. Travis Brown, Entwickler von Trek, gab 2020 Pinkbike ein Interview zu seinen Versuchen mit 32er und 36er Rädern. Was Brown berichtet, deckt sich mit den Erfahrungen des PianetaMTB-Testfahrers und weiterer, die die Gelegenheit hatten, die Riesenräder auszuprobieren: Im Prinzip kann man die Berichte über die 29er im Vergleich zu 26 Zoll hervornehmen: noch bessere Rolleigenschaften, noch mehr Grip, noch stabilerer Geradeauslauf. Das zusätzliche Volumen der Reifen ermöglicht, den Reifendruck weiter zu reduzieren, weshalb sich beispielsweise das 36Pollici ohne Federgabel angenehm fahren soll. Die 36-Zoll-Räder beschleunigen schwerfälliger, dafür verlieren sie weniger schnell an Tempo, wenn sie mal in Schwung sind. Welches Gelände mit 36''-Rädern fahrbar werden könnte, lässt dieses Video erahnen, in welchem ein Mann relativ mühelos eine lange Treppe hochfährt.

Ein Schwachpunkt, auf den der italienische Tester wie Trek-Entwickler Brown hinweisen, ist, dass 36-Zoll-Felgen weniger steif sind, was vor allem am flacheren Winkel zwischen Nabe und Felge liegt. Mit den 27.5-er und 29er-Rädern wuchsen die Naben in die Breite. Konsequenterweise bräuchten 36er ein noch breitere Hubs.

Grosse Bedenken gibt es natürlich hinsichtlich der Wendigkeit in engen Kehren. Der Radstand ist weiter angewachsen, die Kettenstrebe noch länger, die enormen Räder verhalten sich um einiges schwerfälliger, als dies 29er im Vergleich zu den 26ern taten. Der Grössenunterschied zwischen 29 und 36 Zoll ist deutlich grösser, als jener zwischen 26 und 29 Zoll (+11,6 Prozent gegenüber +24 Prozent). Trek-Testfahrer Travis Brown betont hingegen, der Grip sei auch in Switchbacks entscheidend und der sei auf dem 36er überragend. Hinzu komme, dass das höhere Gewicht des Vorderrads im Verhältnis zum Rest des Bikes den Nachteil der zusätzlichen Länge zum grössten Teil wettmache. Er schliesst mit der Feststellung: «Es gibt nicht viele Switchbacks, die so eng sind, dass die Länge des Bikes es unmöglich macht herumzukommen.»

Sowie auch viele kleingewachsene Fahrerinnen längst bewiesen haben, dass sie mit 29-Zoll-Rädern enge Kehren bestens meistern, so wird es auch mit 36ern sein, sofern diese tatsächlich breit ausgerollt werden. A propos kürzere Biker: Auf einem 36er sehen auch stattlich gewachsene Männer klein aus. Weil Masse wie der Reach oder die Überstandshöhe natürlich begrenzt sind, müssen der Sattel und die Lenkeinheit näher zum Rad hinwandern, was die gewöhnungsbedürftige Optik und Sitzposition des Bikes ausmacht.

Die nächste Evolutionsstufe des Mountainbikes

Es spricht vieles für die nächste Evolutionsstufe das Mountainbikes. Grösstes Hindernis ist das Fehlen hochwertiger Komponenten: Reifen und Gabeln die zu 36-Zoll-Rädern passen, sind so rar wie diese selbst. Das war freilich auch bei den 29ern so, bis sich die Industrie entschloss, diesen Entwicklungsschritt zuzulassen. Vielleicht braucht es erst einen Rennfahrer, der auf einem 36er allen davon fährt. Florian Vogel hat es gemäss einem Bericht auf mtb-news schon mal ausprobiert und war begeistert vom «Big Bird» seines damaligen Ausrüsters Focus. Alles wirkt sehr überzeugend, bis man das Datum des Artikels liest: 1. April.

Jetzt, wo Fahrradteile sowieso knapp sind und die Bestellbücher der Hersteller übervoll, wird sich kaum einer in das Abenteuer 36-Zoll stürzen. Wenn aber der aktuelle Boom seinen Zenit überschreitet und die Verkäufe rückläufig sind, wer weiss, ob dann nicht die Ersten versuchen mit einer neuen Radgrösse die Nachfrage anzufachen.
 

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