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Secret Trail: Ein Ride-Redaktor im Dilemma

Ride wird immer wieder vorgeworfen, Gehimtipps preiszugeben; oder schlimmer noch, Trails bekannt zu machen, die gefahren werden durften, solange es nur wenige taten, was dann nicht mehr der Fall war. Unser Versprechen an euch Lesende ist aber, dass wir euch die besten Trails und die schönsten Touren zeigen. Eine Erkundung von Ride-Redaktor Stefan Michel.

Die Vorfreude beginnt schon beim Kartenstudium. Wie ein Reissverschluss zieht sich ein Weg quer durch die dicht liegenden Höhenlinien. Das sind locker 30 Spitzkehren. Wie immer ist es schwer abzuschätzen, wie eng sie wirklich sind, wie steil das Gelände und wie verblockt der Pfad, der sich über mehrere hundert Höhenmeter talwärts schlängelt. In der Singletrail Map ist er nicht markiert. Was das bedeutet, werde ich herausfinden.
 
Also nichts wie hin. Worin ich mich schon mal nicht getäuscht habe: Der Aufstieg ist fast vollständig fahrbar. Der Nebel schluckt die Aussicht und selbst Geräusche scheinen gedämpft. Der Gipfel ist unspektakulär, die feuchten Schwaden kreieren, wenn man so will, eine gespenstische Stimmung; und für die weniger poetisch Eingstellen definitiv eine herbstliche.
 
Aber ich bin ja wegen der Abfahrt hier. Der Einstieg ist schon mal schön abschüssig, die erste Kehre gut machbar. Die übrigen Kurven sind dann gerade so weit und geneigt, dass sie keine Herausforderung sind. Das sind keine Switchbacks sondern einfach nur Kurven. Aber das ist erst der Anfang. Die Karte verspricht eine Fortsetzung, die fast sicher kniffliger sein wird.
 
Es wäre längst an der Zeit, zu verraten, an welchem Berg ich mich bewege. Ich komme darauf zurück. Mehrere Schilder tun kund, dass ich mich in einem Naturschutzgebiet befinde. Die Regeln: Hunde an die Leine, die Wege nicht verlassen, keine Pflanzen ausreissen. Mountainbiken scheint erlaubt zu sein.

Darf ich?

Die Fortsetzung ist auf Anhieb nicht zu finden. Da, wo der Weg abzweigen sollte, ist ein Bretterzaun und Gebüsch. Erst als ich den Zaun als Leiter nutze, um über die erste Gestrüpplinie hinwegzusehen, erkenne ich, dass hier tatsächlich ein Weg weiterführt. In der Landestopografie-Karte ist er verzeichnet. Das macht es zumindest wahrscheinlich, dass ich ihn benutzen darf. Will man ihn zuwachsen und verschwinden lassen und hat deshalb kein Gatter angebracht? Oder soll die Abschrankung einfach Leute abschrecken, die im steilen Gelände überfordert sein könnten?
 
Ich hieve mein Bike über den Zaun und rolle los. Es folgt das erhoffte Switchback-Paradies. Mal gerade so fahrbar, mal nicht. immer wieder steige ich zurück, probiere es nochmal und nochmal. Die Schlangenlinie will kein Ende nehmen. Als der Trail eine Waldstrasse kreuzt, ist die Fortsetzung wieder fast nicht zu finden, so schmal und unscheinbar ist er. Ich bin gefordert bis überfordert, es ist einfach perfekt. Ich habe mein Switchback-Eldorado gefunden.
 
War das nun legal? Eine Recherche im betreffenden Kanton ergibt, dass dessen Regierung das Mountainbiken auf Wegen grundsätzlich gutheisst, sofern kein rechtskräftiges Fahrverbot besteht. Ich habe also kein Gesetz gebrochen. Und doch kann ich mir lebhaft vorstellen, was am Einstieg dieses schmalen Wegs passiert, wenn der Bike-Verkehr zunimmt. Und das wäre gut möglich, wenn ich hier eindeutige geografische Angaben machte.
 
Ich kann deshalb nur empfehlen, die Karte nach interessanten Wegen abzusuchen und auf Entdeckungstour zu gehen; auch wenn diese in der Mehrheit der Fälle kein geheimes Paradies erschliesst, sondern vor allem aus Suchen, Schieben und Tragen besteht. Zwischendurch stösst man dann doch auf eine Perle. Lässt man diese, wo sie ist, währt der Spass am längsten.
 
 

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