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mountainbikereisen.ch: Das Kerngeschäft ist stillgelegt

Kappadokien Mountainbike Reisen

Christian und Nadja Keller führen das Reiseunternehmen mountainbikereisen.ch. Auf Überseereisen spezialisiert, kam ihr Geschäft im Lockdown völlig zum Erliegen. Inzwischen halten sie sich mit Mehrtagestouren in der Schweiz und den Nachbarländern über Wasser. Doch sie wollen mit ihren Gästen zurück in den Himalaja, nach Südafrika und Lateinamerika.

Christian Keller ist gerade mit einer Bike-Reisegruppe im Norden Italiens unterwegs, gestartet waren sie in Salzburg, Ziel ist Venedig. «Ich bin gespannt, das leere Venedig zu sehen», meint er nachdenklich. Die Stimmung in Italien sei eigenartig, beschreibt der Ostschweizer am Telefon. «Auf den Velos sind alle entspannt, da merkt man nichts von Corona. Aber am Abend im Hotel sieht man all die Leute mit Gesichtsmasken, da fällt es einem dann wieder ein.»
Christian Keller führt zusammen mit seiner Frau Nadja das Reise-Unternehmen mountainbikereisen.ch. Seit 1986 bietet dieses geführte Mehrtagestouren in aller Welt an. Spezialität des Hauses sind Fernreisen: Himalaja, Südamerika, Südafrika, China – die reisefreudige und zahlungskräftige Schweizer Kundschaft spricht gut auf das Angebot an: exotische Destinationen mit Schweizer Guides und in Schweizer Qualität organisiert.
Als Anfang Jahr die Nachrichten von der Ausbreitung des Coronavirus in China eintrafen, dachte sich Christian Keller nichts Böses. «Wir haben SARS und die Schweinegrippe erlebt, alle hatten keine grossen Auswirkungen auf unser Geschäft.» Mitte März musste er sämtliche Flugreisen absagen. Noch im April war er überzeugt, der Spuk werde bald vorüber sein. «Erst im Mai wurde mir klar: Jetzt wird es ernst.» Das Fernreisegeschäft, Haupteinnahmequelle der Firma, war stillgelegt und ist es bis heute.

Die wirklichen Leidtragenden

Der Pionier für Himalaja-Mountainbikereisen holte Schweizer Touren aus der Schublade, die man früher angeboten hatte: Jura, Bodensee-Genfersee, verschiedene Transalp-Touren. Dazu kreierten Christian und Nadja Keller sowie ihre Guides neue Mehrtagesrouten. Die gestiegene Nachfrage nach Touren in der Schweiz spürte auch mountainbikereisen.ch. «Doch was durch den kompletten Ausfall der Fernreisen weggebrochen ist, kompensiert das bei weitem nicht.»
In existenzieller Not ist das Ehepaar Keller und ihre drei Kinder trotzdem nicht. «Meine Frau und ich sind die einzigen Festangestellten, deshalb kommen wir auch im reduzierten Betrieb vorerst über die Runden. Die Guides sind Freelancer, und denen können wir halt viel weniger Aufträge erteilen.» mountainbikereisen.ch hat einen Covid-Kredit angenommen und die bescheidene Unterstützung für Selbständige und Firmeninhaber. Nach der Umsatzeinbusse gefragt, überlegt er einen Moment und schätzt dann, dass sein Unternehmen 2020 wohl 60 Prozent weniger Umsatz machen werde als in den Jahren zuvor. Viele Investitionen habe er gestoppt, keine Broschüren mehr gedruckt, die Digitalisierung vorangetrieben, Kosten gesenkt, wo es möglich war.
Weit dramatischer ist die Lage seiner Partner, etwa in Nepal, Nordindien oder Südafrika. «Ich telefoniere regelmässig mit ihnen. Es sind Tragödien, was die in ihren Ländern erleben. Unsere Partner in Nepal etwa, die kommen über die Runden, weil die Lebenshaltungskosten tief sind. Unseren langjährigen Partner in Südafrika hingegen unterstützen wir finanziell, weil es ihn sonst nicht mehr gäbe, wenn wir wieder Reisen durchführen können.». Die Situation in den Zielländern berührt ihn: «Mit unseren Partnern in Nepal arbeiten wir seit 20 Jahren zusammen, mit jenen in Nordindien seit 34 Jahren, das ist mehr als eine Geschäftsbeziehung, wir sind eine Familie!»

Zurück auf Vor-Corona-Niveau?

Kaum gingen die Grenzen wieder auf, bot mountainbikereisen.ch Touren in den Nachbarländern an. «Die Kunden sind zurückhaltend, Touren im Ausland zu buchen. Gehen in einem Land die Fallzahlen hoch, haben wir Annullationen, andersrum wird gebucht, sobald in einem Land weniger Ansteckungen gemeldet werden.» Reisearrangements fordern in diesen Zeiten Flexibilität, von den Anbietern wie von den Gästen. «Wenn ein Land auf die Quarantäne-Liste kommt, dann müssen wir die Reise absagen, das ist für uns ein No-Go. Deshalb müssen wir unsere Kunden oft lange hinhalten, bis wir entscheiden ob und wohin wir fahren. Dass sie das in Kauf nehmen und uns treu bleiben, gehört zu den erfreulichen Erfahrungen dieser Zeit.» Rückerstattungen sind aber ebenfalls Teil des Tagesgeschäfts. Wer sein Geld zurück wollte, bekam dieses postwendend und vollumfänglich.
Gestaunt hatte Christian Keller, als mitten im Lockdown mehrere Kunden eine Reise nach Nepal buchten. Grundsätzlich sei das Interesse an Überseereisen vorhanden, erzählt er, es gebe durchaus Anfragen für grosse Reisen. Für ihn und seine Frau steht es aber ausser Frage, heuer noch solche anzubieten. Zu gross ist das Risiko, unterwegs oder bereits bei der Abreise am Flughafen zu stranden.
Von Fluggesellschaften und grossen Reiseanbietern war in den letzten Monaten immer wieder zu hören, dass wohl noch länger weniger geflogen und seltener Überseereisen unternommen werden. Der Reiseunternehmer meint dazu: «Den Trend, bewusster zu reisen, weniger häufig, dafür länger unterwegs zu sein, den befürworte ich. Wie das Reisen in der Klimadebatte schlecht gemacht wird, greift aber zu kurz. Reisen ist etwas Grossartiges! Meine privaten Reisen haben mir so unendlich viel mit auf den Weg gegeben. Solche Erfahrungen sollen meine Kinder auch machen können.» Dann verweist Christian Keller auf die Tatsache, wie viele Menschen in armen Ländern vom Tourismus leben: «Ohne ihr Einkommen aus dem Tourismus verlieren hunderttausende Menschen weltweit ihre Existenz, das muss man auch sehen.»
Vorerst geht es für Christian und Nadja Keller darum, ihr Geschäft wieder hochfahren zu können. «Wir und die meisten unserer Partner wären wohl sofort wieder in der Lage, Fernreisen durchzuführen. Die Frage wird sein, ob wir trotz Verunsicherung genug grosse Gruppen zusammenbringen und die Airlines stabile Flugpläne garantieren können.» Zuversichtlich stimmen den Firmeninhaber Gespräche mit Kunden. «Die Leute wollen reisen. Das Bedürfnis nach Abenteuer ist vielleicht sogar noch grösser geworden. Und schliesslich können Menschen, die Mountainbikereisen buchen, mit Risiken umgehen. Sie wissen, dass man nicht beides haben kann: Abenteuer und absolute Sicherheit. Den Mutigen gehört die Welt.»
 

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