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Mountainbiken trotz Hirnverletzung

Lorraine Truong, die ehemalige Enduro- und Downhill-Fahrerin, konnte seit ihrem schweren Schädel-Hirn-Trauma nicht mehr Rad fahren. Das mit ihrer Hilfe entwickelte Adaptive Mountainbike von Orange machte es möglich, dass sie, trotz eingeschränktem Gleichgewicht und fehlender Kraft in den Beinen auf die Trails zurückkehrte. Ride befragte die Jurassierin zu ihren Erfahrungen mit ihrem neuen Bike.

Es ist beklemmend und erfreulich zugleich, Lorraine Truongs gelegentliche Blogbeiträge und Posts zu lesen. Zur Erinnerung: Sie war eine der besten Schweizerinnen in den Enduro World Series. Bei BMC war sie zu je 50 Prozent als Fahrerin und als Ingenieurin angestellt. Nach einer Hirnerschütterung gab sie sich zu wenig Pause – oder hatte einfach riesiges Pech – sie stürzte erneut und zog sich ein Schädel-Hirn-Trauma mit bleibenden Folgen zu.

Seit sechs Jahren kämpft sie darum, verlorene Fähigkeiten wieder zu erlangen und gleichzeitig, ihre Situation zu akzeptieren, wie sie ist und das Beste daraus zu machen. Den Zustand ihres Gehirns beschrieb sie einmal als den eines alten, kaputten Autos, das zwar noch fährt, dabei aber heult und scheppert. Sie kann die Bewegungen ihrer Beine nur teilweise kontrollieren, es fällt ihr schwer das Gleichgewicht zu halten und sich zu konzentrieren. Oft quälen sie Kopfschmerzen und extreme Müdigkeit.

Eine Zeit lang versuchte sie auf einem Dirtbike ohne Pedalen wieder fahren zu lernen. «Leider war das sehr schwierig für mein Gehirn, mir wurde schlecht und ich konnte nur ein paar Minuten rollen», beschreibt sie. Ihr Rumpf und ihre Oberschenkel seien zu wenig stabil, ein Schalensitz wie auf ihrem Sitz-Ski oder im Rollstuhl ermöglichen ihr hingegen, sich sportlich zu betätigen. In den vergangenen zwei Jahren setzte sie auf Rollstuhl-Freestyle und wurde darin sogar Vize-Weltmeisterin.

Das adaptive Mountainbike

Ungefähr zur selben Zeit, in der Lorraines Karriere als Rennfahrerin auf dramatische Weise endete, begann Ingenieur Alex Desmond in England ein Mountainbike zu entwickeln, mit welchem Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen fahren können. Anlass dazu war, dass der Freund einen Hirnschlag erlitten hatte, der ihn einige Jahre davor aufs Mountainbike gebracht hatte.

Lorraine war schon länger mit den MItarbeitenden von Orange Bikes in der Schweiz befreundet. Über einen gemeinsamen Bekannten fanden sie schliesslich Alex Desmond, der bis dahin in seiner eigenen Firma an seinem Adaptive Bike gearbeitet hatte. So wurde die Schweizerin zur ersten Testfahrerin, welche die Entwicklung vom letzten Prototyp zum serienreifen Orange AD3 begleiete.

Was Alex entwickelt hat, ist kein ganzes Mountainbike, sondern eine neue Front, die im Prinzip mit jedem Rahmen kombiniert werden kann. Vorne hat das Bike zwei Gabeln und Räder nebeneinander, welche es Menschen wie Loraine ermöglichen, das Gleichgewicht zu halten. Man kann auf diesem Bike auch im Stillstand sitzen, ohne zu kippen.

Anstelle eines Sattels verfügt das Bike über einen Schalensitz – genau, was Lorraine braucht, um stabil auf dem Bike zu sitzen. Dank Alex Desmonds Konstruktion lässt sich das dreirädrige Bike in die Kurve legen und in Traversen (bis 40 % seitliches Gefälle) behalten beide Räder Bodenkontakt. Auch wenn sich die beiden Vorderräder in unterschiedlicher Höhe befinden, bleibt der Lenker stabil.

Der Rahmen des E-Mountainbikes Orange Phase erwies sich als passend. Nur den Motor ersetzte Alex durch einen, der sich per «Gasgriff» am Lenker bedienen lässt. Dies macht es jenen Mountainbikenden überhaupt erst möglich vorwärtszukommen, die kaum oder keine Kraft auf die Pedale bringen können.

Lorraine Truong soll sich auf Anhieb so wohl gefühlt haben, dass sie beim ersten Versuch ihren Begleitern einfach davonfuhr. «Dann wollte sie durch eine Kurve sliden. Doch weil wir im Vereinigten Königreich die Bremshebel im Vergleich zum Kontinent vertauscht haben, machte Lorraine stattdessen einen massiven Endo Turn», erzählt Alex. Er sei ziemlich erschrocken zu ihr hingerannt sein und habe sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht angetroffen. Trotzdem bat er sie, es erstmal ruhig angehen zu lassen.

«Zurück auf dem Bike erkannte ich, was ich alles verloren habe.»

In der Folge entwickelte Alex Desmond sein Adaptive Bike als Orange AD3 zur Serienreife. Und Lorraine hat nun wieder ein Mountainbike, mit dem sie Trails fahren kann, was sie seit 2015 nicht mehr tat. Trotzdem brachte das Comeback auch neue Probleme mit sich. «Zuerst war ich begeistert, zurück auf dem Bike zu sein. Doch nach ein paar Tagen spürte ich, dass es eben doch nicht das Gleiche ist wie früher. Mir wurde noch stärker bewusst, was ich verloren hatte. Zum Glück werden diese Momente seltener, ich beherrsche das Velo immer besser und habe einfach Lust damit zu fahren, immer und immer wieder.»

Gefragt, was technisch am schwierigsten sei, antwortet Lorraine: «Sobald ich etwas Geschwindigkeit aufgenommen habe, ist es ziemlich einfach. Es ist ein Mix aus Sitz-Ski und Velo und in beidem habe ich Erfahrung. Schwierig ist es langsam zu rollen und anzuhalten, ohne hinzufallen. Inzwischen geht auch das ganz natürlich.» Wie früher liebt die Jurassierin steiles Gelände, Wurzeln, technische Passagen. «Nur zu springen ist ziemlich schwierig.»

In den letzten Jahren war Rollstuhl-Freestyle die Aktivität, die Lorraine am meisten Glücksgefühle brachte. Diesem Sport will sie treu bleiben. Ihr neues Bike hat aber einen grossen Vorteil: «Ich kann damit jederzeit und auch alleine von zuhause aus eine Runde fahren gehen und muss nicht zu einem Skatepark gebracht werden. Zudem bin ich weniger schnell müde.» Ihre Lust auf Wettfkämpfe will sie jedoch weiterhin im Rollstuhl stillen. «Als Disziplin ist Rollstuhl-Freestyle schon weiter entwickelt. Es ist sogar möglich, dass es in die Paralympischen Spiele aufgenommen wird. Das wäre für mich naütrlich ein grosses Ziel.»
 

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