Login

00

Warenkorb

Dein Warenkorb ist leer.

Mission Impossible im Maggiatal – eine Trilogie des Scheiterns

Mountainbike Wanderwegs Valle Maggia

Unter den über 1000 Touren in der Datenbank von Ride ist genau eine im Valle Maggia. Warum das so ist, hat Ride-Redaktor Stefan Michel auf die harte Tour herausgefunden.

Klar, Tessiner Trails neigen dazu steil und mit spitzen Steinen durchsetzt zu sein. Vor allem aber gibt es unzählige verwinkelte Wege in bewaldeten Bergflanken, die einfach nur geil sind. Ein Blick auf die Karte des Maggiatals liess auf Perlen hoffen. Die erwähnte Tatsache, dass das Maggiatal in der Touren-Datenbank nicht vorkommt, hätte einen stutzig machen können, doch wie so oft, hat die Wunschvorstellung den Zweifeln keinen Platz gelassen.

Die erste Tour steht schon Tage vor der Anreise fest. Vom malerischen Rustico-Dorf Moghegno die Waldstrasse hoch auf gut 1100 Meter und von da auf dem Weg, der in der Falllnie talwärts führt wieder hinunter. Die 870 Höhenmeter auf gut 7 Kilometern Waldstrasse sind nahrhaft, aber gut fahrbar. Die Vorfreude verleiht Flügel.

Zum Einrollen beginnt meine Route auf einem nur leicht abfallenden Weg, der aber schon mal so verblockt ist, dass ich mein Bike alle 20 Meter über eine Stufe hieven muss. Klar, ohne Gefälle und Tempo lassen sich solche Stufen nicht überrollen und das Trial-Hüpfen beherrsche ich leider nicht. Dann wird es steil. Und zwar richtig.

Der Blick in den Abgrund

Ich mag es, gefühlt nur noch auf dem Vorderrad Bodenkontakt zu haben und im eingebildeten Handstand die Linie zu finden. Die Absätze hier sind dann aber etwas gar schroff. Nicht zu stürzen ist bei solchen Alleingängen meine oberste Maxime und in diesem Gelände sowieso, wo ein Crash fast sicher auf einer Felskante enden würde. Absteigen ist ein Zeichen von Reife, sage ich mir, das fahrbare Terrain kommt schon noch.

Das Hinterrad noch auf dem letzten Absatz rolle ich mal für mal los, um nach ein paar Meter festzustellen, dass ich auch den nächsten verblockten Switchback mit Blick in den Abgrund nicht schaffe. Mit etwas Tempo wären einige der Stufenserien gut zu schaffen, im Zweifelsfall leicht abdrücken und das ganze überspringen. Aber hier gibt es weder Anfahrt noch Auslauf. Der Weg ist eine Mischung aus Naturtreppe, Geröllhaufen und Felsrücken. Aber der Wald ist sehr schön.

Dass man sich hier auch dynamisch fortbewegen kann, beweist ein Wanderer, der mich im Eilschritt talwärts überholt. Ich nehme es in Demut hin. Meine Grenze habe ich an diesem Tag nicht kennengelernt, denn der Schwierigkeitsgrad dieses Wegs liegt weit darüber. Ich gehe soweit zu behaupten, dass man eine Fahrtechnik wie Ludo May braucht, um hier die Füsse auf den Pedalen zu behalten.

Blaulicht-Roulette

Neuer Tag, neue Chance. Schon am Vortag ist mir ein handgemalter Hinweis auf eine Bike-Route aufgefallen. Dieser führt gemäss Karte auf einer Traverse in ein Seitental namens Valle di Lareccio. So geht das, denke ich mir. Die schmale Trasse schmiegt sich dem steilen Hang entlang, zwischendurch gibt es felsige Absatze zu überwinden. Mit etwas Schwung und kontrolliertem Bremsen danach kläre ich eine Schlüsselstelle nach der anderen. Das Selbstvertrauen ist wieder da. Eine Minute später finde ich mich dann allerdings in purem Fels wieder. Weiterfahren wäre für Fahrtechnikextremisten sicher ein Riesenspass, für nur versierte Mountainbiker ist es Blaulicht-Roulette – vielleicht geht’s gut, wahrscheinlich aber eher nicht.

Nach einer Flussüberquerung trage ich mein Bike 100 Höhenmeter hoch und hoffe, danach in rollbares Gelände zu kommen, was auch die Karte verspricht. Der Start ist eine Wurzeltraverse und da es dort noch kaum abwärts geht, bleibe ich am erstbesten Holzhenkel hängen und lege mich gleich mal hin. Es folgen noch mehr Wurzeln, Felsblöcke, Felsbänder, loses Geröll. Kaum bin ich aufgestiegen und mit beiden Füssen eingeklickt folgt der nächste Steinklotz, der in diesem Tempo nicht zu überwinden ist. Kann man einen Trail als verblockt bezeichnen, der nur aus Blöcken besteht? Wenn ich doch mal ins Rollen komme, rüttelt mein Lenker wie ein Presslufthammer. Flow fühlt sich für mich anders an.

Später frage ich bei Locarno Turismo und mehreren Tessiner Bikern nach. Niemand weiss, wer diese Wegmarkierung angebracht hat. Offiziell sei die Route definitiv nicht, heisst es aus dem Tourismusbüro. Die Signalisation werde umgehend entfernt. Auch dass dieser Weg nicht in der Tourendatenbank ist, macht Sinn.

Absteigen, bevor es mich überschlägt

Inzwischen lese ich die Karte anders. Mag sich die gestrichelte Linie auf Papier noch so elegant einer Bergflanke entlang schlängeln. In Realität wird sie eine Ansammlung von Felsbrocken, Felsbändern, Felsblöcken und Felsstufen sein. So ist es auch auf der dritten und letzten Erkundungstour auf der gegenüberliegenden Talseite, oberhalb des Dorfes Maggia. Wenigstens fahre ich hier nicht hinauf, um danach mein Velo runterzutragen. Ich buckle gleich von Anfang an und kann mir im Aufstieg einen Eindruck davon verschaffen, wie viel hier fahrbar ist und welche Felstreppe ich sicher nicht hinunterscheppern werde. Das Gelände ich spektakulär schön. Auf einer Anhöhe sind Alpweiden, Rustici und mehrere hundert Meter rollbares Gelände. Welch eine Wohltat!

Viel zu schnell sind die gutmütigen Abschnitte vorbei und die endlosen Stufen wieder da. Da und dort versuche ich dem Bergwanderweg ein paar Meter Fahrt abzugewinnen. Nach wenigen Sekunden steige ich wieder vom Bike und erinnere mich daran, dass mein Ziel darin besteht, am Stück unten anzukommen und nicht Rampage zu spielen. Immerhin in der Disziplin «Absteigen bevor es mich überschlägt» bin ich erfolgreich.

Zum Abschluss gebe ich mir die Cimetta, Locarnos Hausberg. Leider ist die Ride-Route mit mehreren Verbotsschildern bestückt worden. Schliesslich hat man den Mountainbikern eine offizielle Strecke gebaut. Die ist schön ruppig, dürfte aber vor allem Mitglieder der Hochgeschwindigkeitsfraktion ins Schwärmen bringen. Den erstbesten Abzweiger nutze ich, um auf einem ursprünglichen Singletrail Locarno anzusteuern, das vielversprechende 600 Meter tiefer liegt. Absteigen ist auch hier kaum je ein Thema. Der Plattfuss schmälert meine gute Laune kaum. Die Sonne im Gesicht, der glitzernde Lago Maggiore unter mir, spassige Abfahrtsmeter en Masse – so schön kann das Leben sein! Das Valle Maggia kann ich zum Wandern, Kastanien sammeln und Baden im Fluss wärmstens empfehlen.

Ride Tourendatenbank: Maggia

Ride abonnieren

Registrierung Silber-Abo Gold-Abo Business-Abo
Laufzeit (Jahre) - 1 1/2/3/∞ 1
Preis (CHF) 0 20 65/120/175/955 195
Basis-Dienste
Newsletter abonnieren
Nutzung Webshop
Inhalte kommentieren
Online-Dienste
Vollzugriff Tourendatenbank inkl. GPX-Tracks
Zugriff auf Web-Karte der Singletrail Map
Print-Magazin
Fünf Print-Ausgaben pro Jahr
Zugriff auf Tablet-Ausgabe
Zugriff auf PDF-Archiv
Teilnahme an den Ride-Camps
Partner-Dienste
Kostenlose Stellenanzeigen
Auflistung im Partnerverzeichnis
Auflistung in den Spotguides & Touren
Leistungsübersicht:
Bikeshop
Bikehotel
Bikeschule