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Liebe Trail-Bauer, wieso immer nur diese Flow-Autobahnen?

Wurzenbord-Trail, Aletsch

Wenn irgendwo eine neuer Bike-Trail eröffnet wird, dann kann man fast sicher sein: Es ist einer dieser immergleichen Flow-Trails. Doch damit sind wir wortwörtlich auf dem Holzweg, meint Thomas Giger in seinem Blog-Beitrag. Wir brauchen mehr abwechslungsreiche Singletrails und weniger austauschbare Murmelbahnen. Mehr Bergerlebnis und weniger Pistenkonsum.

 
Aktuell schiessen neue Bike-Trails wie Pilze aus dem Boden. Es gibt kaum noch eine Region, die sich nicht mit mindestens einer Mountain­bike-Strecke brüstet. Statt Freude über das zusätzliche Angebot erwirken diese Neuigkeiten bei vielen Mountain­bikern aber bloss noch ein ernüchtertes Gähnen. Denn weitgehend alles, was heute zwischen Graz und Grenoble für Mountainbiker ins Gelände gezaubert wird, sind immergleiche Flow-Trails: 1.5 Meter breit, eine Anliegerkurve nach der anderen, dazwischen immer wieder mal ein Sprung oder eine Holzkonstruktion. Es scheint, als habe jemand eine Zauberformel für Bike-Trails entwickelt, die nun flächendeckend Anwendung findet.

Bloss ist die Zauberformel ziemlich einseitig: Mit ihr lassen sich Mountain­bike-Trails mit geringst möglichem Aufwand bewilligen, finanzieren und bauen. Mit den Bedürfnissen der Mountain­biker hat der Flow-Trail-Zauber aber nicht viel zu tun. Diese wollen nicht auf den immergleichen Murmel­bahnen irgendwo den Berg runter fahren. Das Gros der Mountainbiker sucht die Freiheit in der Natur. Die Nähe zur Natur. Den Reiz in der Abwechslung. Die fahrtechnische Herausforderung. Die gelegentliche Überforderung. Sprich: das echte Berg­erlebnis. Doch was graben die Trail-Bauer in der Regel ins Gelände: abgesicherte und ausplanierte Trail-Autobahnen. Und das von Finale bis Frankfurt.

Mountainbiken lebt von der Überraschung

Hinter diesen Bike-Trails steht die Vorstellung, dass auf solchen Strecken alles ab­gesichert und vorhersehbar sein soll. Neudeutsch heisst dies «convenient». Die Ernährung, das Reisen, die Bildung, die Medien sogar unsere Beziehungen sind heute «convenient»: bequem, kontrolliert, vorhersehbar. Mit dem Mountain­bike wollen wir aber aus dieser Komfort­zone aus­brechen. Deshalb darf eine Mountainbike-Route auch mal eine unfahrbare Stelle enthalten, eine lang­weilige Flachpassage, ein kräfte­raubender Gegenanstieg oder eine unerwartete Serpentine. Mountain­biken lebt von der Über­raschung. Das hat man beim Trail-Bau vergessen.

Das grosse Ding unter den Mountainbikern sind denn auch nicht die Flow-Trails, sondern die «Natur-Trails». Der Begriff ist abgedroschen, doch wenigstens ist allseits klar, was gemeint ist: solide gebaute Pfade, wie man sie weit vor dem Aufkommen der Mountainbiker bereits gebaut hat. Man nennt sie Wanderwege, Singletrails, Natur-Trails oder wie auch immer. Diese Pfade haben den Mountainbikesport überhaupt so populär gemacht. Die Trail-Bauer wissen eigent­lich um die Popularität dieser «Natur-Trails». Doch die Anzahl solcher Routen, die in den letzten Jahren für Mountainbiker erstellt wurden, können an einer Hand abgezählt werden. Dabei würde hier ein enormes Potenzial liegen: eine Region, die Mountainbike-­Pfade und keine Trail-Autobahnen baut.

Doch es kommt wie das Amen in der Kirche: Die nächste Trail-Ankündigung wird einer weiteren Murmelbahn gelten. Auf die niemand gewartet hat.

 

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