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Lenzerheide wird zum französischen Erfolgsterrain

Nach dem Doppelsieg im Vorjahr sind beim Downhill-Weltcup in Lenzerheide abermals zwei Franzosen am schnellsten. Amaury Pierron holt sich seinen dritten Saisonsieg vor Finn Iles (CAN) und Weltmeister Greg Minnaar (RSA). Der Österreicher Andreas Kolb überrascht mit Platz vier, Lutz Weber wird 27. und somit bester Schweizer. Myriam Nicole gewinnt vor Weltcup-Leaderin Camille Balanche (SUI) und Eleonora Farina (ITA), während Rachel Atherton bei ihrem Wiedereinstieg in den Weltcup Sechste wird

Perfekter Run von Myriam Nicole – gelungenes Comeback von Rachel Atherton

Die neue Downhill-Strecke in Lenzerheide stellte die Frauen-Elite vor einige neue Herausforderungen und garantierte dem ekstatischen Publikum am Streckenrand und im Finish ein packendes Rennen. Nach vielen Führungswechseln zu Beginn des Wettbewerbs, kam nach über 1100 Tagen der Moment, dem jeder Downhill-Fan entgegengefiebert hatte: Rachel Atherton (GBR) gab ihr Race-Comback, stellte direkt eine neue Bestzeit auf und kehrt nach über drei Jahren in den Hot Seat zurück – wenn auch nur für wenige Momente.

Die direkt nach Rachel startende Valentina Höll (AUT) musste nach einem Crash zwischen dem ersten und zweiten Split hohes Risiko gehen und voll am Gas bleiben, was besonders im unteren High-Speed-Streckenabschnitt bestens gelang. Mit fast fünf Sekunden Vorsprung auf die Grande Dame des Downhills ging die junge Österreicherin in Führung, wurde aber ebenfalls kurz darauf von Eleonora Farina (ITA) geschlagen. Die als eine der fittesten Fahrerinnen im Weltcup geltende Italienerin punktete mit ultrahartem Fahrwerk besonders in der Top-Sektion und kam gut durch den Wald, so dass es trotz Verlusten weiter unten für den zwischenzeitlich ersten Platz reichte. Europameisterin Monika Hrastnik (SLO) reihte sich dahinter ein.

Nun schlug die Stunde der amtierenden Weltmeisterin: Myriam Nicole griff vom Start weg voll an und zeigt den wohl aggressivsten Run des Tages. Volles Risiko oben ermöglichte ihr komplett neue Lines im Wald und weiter unten, auf denen sie ihren bereits grossen Vorsprung immer weiter ausbaute und schliesslich mit einem Polster von acht Sekunden ins Ziel kam.

Für die letzte Fahrerin des Tages, Weltcupgesamtführende und Lokalmatadorin Camille Balanche (SUI), stand damit die Richtung fest. Der Schweizerin gelang es trotz hohem Tempo jedoch nicht Nicoles Aggressivität auf die Strecke zu bringen und verlor bereits im oberen Teil ein paar Sekunden auf die Französin. Ein verpasster Bremspunkt im Wald brachte dann die endgültige Entscheidung. Statt des lang ersehnten ersten Sieges beim Heimweltcup reichte es nur für einen, wenn auch ungefährdeten, zweiten Platz.

Die deutsche Hoffnung Nina Hoffmann war erneut vom Pech verfolgt: Mit einem Platten direkt am Start musste die Fort-William-Gewinnerin sich mit dem letzten Platz begnügen.

«Den Sieg hier in Lenzerheide habe ich wirklich gebraucht. Ich hatte schon ein bisschen Angst, dass Max mit Camille eine neue Favoritin hat, weil sie immer gewinnt (lacht). Es gab wirklich viel Druck und es war nicht einfach. Ich brauchte diesen Sieg. Ich musste es schaffen.» – Myriam Nicole

«Ich habe am Anfang an ein paar Fehler gemacht. Dann habe ich versucht zu pushen und es lief ganz gut bis an einem Punkt die Fehler zu viel wurden. Ich wollte alles geben, schnell fahren. Ich bin mit meiner Zeit zufrieden. Es ist immer noch schneller als gestern. Das ist immer gut. Auf dem Podium zu landen, ist nicht selbstverständlich. Ich bin super zufrieden.» – Camille Balanche

«Ich hatte einen guten Lauf. Es ist schön, wieder hier in der Lenzerheide zu sein. Es ist ein fantastischer Ort. Das letzte Mal, als wir hier waren, habe ich die Weltmeisterschaften gewonnen. Perfekt für mein erstes Rennen nach der Geburt unseres Babys. Ein begeistertes Publikum, eine tolle Lage und eine gute Strecke: Lenzerheide kann alles.» – Rachel Atherton

DHI Frauen Elite Ergebnisse – Top 5

1.    Myriam Nicole (FRA) 3:11.751
2.    Camille Balanche (SUI) 3:16.170
3.    Eleonora Farina (ITA) 3:20.184
4.    Monika Hrastnik (SLO) 3:21.979
5.    Valentina Höll (AUT) 3:22.963

Starker Pierron zerstört Iles’ Traum vom ersten Weltcupsieg – The GOAT mit starkem drittem Platz

Auf der im Tagesverlauf immer trockener und anspruchsvoller werdenden Downhill-Strecke blieben allzu häufige Führungswechsel zunächst aus. Nachdem Tuto-Ariki Pene (NZL) lange in Führung lag, nahm Aaron Gwin (USA) den Hot Seat bis knapp in die letzten zwanzig Rider ein, bis Finn Iles (CAN) als siebzehnt-letzter Starter den Amerikaner an der Spitze ablöste – und wie!

Der Kanadier erwischte auf seinem Bike-Prototypen einen perfekten Start durch den neuen Streckenabschnitt. Mit flacher Körperhaltung ging es dynamisch durch den Wald, bevor Iles in der Key-Section mit komplett neuer Linienwahl die Führung übernahm und mit einem Polster von 2,5 Sekunden die Ziellinie überquerte. Der direkt folgende Greg Minnaar (RSA) lag trotz kleinerer Fehler im oberen Bereich zwischenzeitlich auf Hot-Seat-Kurs, musste sich schliesslich aber knapp hinter Iles einreihen.

Diese Doppelspitze sollte bis zum letzten Rider bestand haben. Nacheinander reihten sich Bernard Kerr (GBR), Matt Walker (GBR) und Andreas Kolb (AUT) auf dem zwischenzeitlich dritten Platz ein, bis nur noch Dakotah Norton (USA) und Amaury Pierron (FRA) im Starthäuschen warteten. Norton, als Vorletzter startend, legte körperlich wie emotional alles in den Lauf, um endlich sein unglaublich starkes Riding mit einer Topplatzierung zu belohnen. Und danach sah es tatsächlich lange aus: Mit einem nahezu idealen Run im oberen Teil und einer perfekten Fahrt durch den steilen Waldabschnitt, rutschte der Amerikaner, in Führung liegend, in der Anfahrt zum Drop weg und musste alle Hoffnungen auf Podium und mehr auf einen Schlag begraben.

Das Happy End für Finn Iles sollte dennoch ausbleiben. Amaury Pierron unterstrich ein weiteres Mal, dass er derzeit in einer eigenen Liga spielt. Nach schnellem Start kam der Gesamtweltcupführende trotz kleinerer Fehler bereits mit Vorsprung ins Steilstück, wo er mit einer komplett neuen Line noch weiter davonzog. Mit gewohnt aggressivem Riding liess er im unteren staubig und rutschig gewordenen Streckenteil nichts mehr anbrennen und sicherte sich schliesslich mit 1,3 Sekunden Vorsprung seinen dritten Weltcupsieg in der laufenden Saison.
Der Österreicher Andreas Kolb verbesserte mit dem finalen vierten Platz nicht nur seine eigene Bestleistung, sondern stellte auch einen neuen Weltcup-Rekord für die österreichischen Downhill-Männer auf. Bester Schweizer wurde Lutz Weber auf Rang 27; bester Deutscher war Johannes Fischbach auf Rang 46.

«Ich bin wirklich zufrieden. Als ich hierherkam, wollte ich gewinnen und versuchen, die Kombi aus Qualifikation und Finale zu schaffen. Das ist wirklich toll und  gibt jede Menge Weltcup-Punkte. Allerdings war es ein sehr anstrengendes Wochenende. Die Strecke ist technisch sehr schwierig und sehr intensiv, weil sie recht kurz ist. Da darf man keine Fehler machen. Ich habe so viel Zeit mit Analysieren verbracht – mein Gehirn explodiert. Und für diese Strecke braucht man eher das Köpfchen als die Beine. Ehrlich gesagt, körperlich geht es mir gut. Ich habe es geschafft, in diesem Finale alles zusammenzubringen.» – Amaury Pierron

«Ich fühle mich richtig gut. Die Streckenänderungen haben mir das ganze Wochenende über Schwierigkeiten gemacht. Ich habe Fehler gemacht, die mir normalerweise nicht unterlaufen. Heute hatte ich dann diesen Moment, als ich dachte: Fahr einfach. Und genau das habe ich gemacht. Ich bin super glücklich mit dem Ergebnis. Der zweite Platz ist ein hervorragendes Ergebnis.“ – Finn Iles
„Mein Run war eigentlich gar nicht so gut, muss ich sagen. Ich habe extrem viele Fehler gemacht, davon einen riesigen, über den ich mich sehr geärgert habe. Aber ich glaube, wenn man Fehler macht, dann weiss man, dass man pusht. Ein Back-to-Back-Podium ist natürlich ein next Level of Geilness. Ich weiss nicht, wie ich es sagen soll. Geiler geht es nicht mehr. Naja, aber gewinnen ist wahrscheinlich noch geiler.» – Andreas Kolb

DHI Männer Elite Ergebnisse – Top 5

1.    Amaury Pierron (FRA) 2:47.555
2.    Finn Iles (CAN) 2:48.858
3.    Greg Minnaar (RSA) 2:48.685
4.    Andreas Kolb (AUT) 2:48.865
5.    Benoit Coulanges (FRA) 2:49.907

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