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Kolumne: Diese Kunden nerven im Bikeshop am meisten (und was Ventildeckel damit zu tun haben)

Es gibt sie: Die Lieblingskunden im Bikeshop. Doch es gibt auch ganz schön nervige Kunden. Mit 14 Jahren Erfahrung an der Verkaufsfront im Bikeshop erlaubt sich Ride-Redaktor Tobias Gütlin, die nervigsten Kunden mit einem Augenzwinkern zu beschreiben.

Bitte ein Ventildeckel!

Den Kunden habe ich noch nie gesehen – und er hat eine grosse Bitte, denn sein Velo droht sofort auseinanderzubrechen: Es fehlt ein Ventildeckel. Die kurze Erklärung, dass dieser nicht so wichtig ist und ich seit über dreissig Jahren glücklich ohne Ventildeckel bike: Pures Misstrauen, pure Ungläubigkeit beim Kunden! Es ist immer wieder unterhaltsam, wie wichtig für manche Kunden diese Ventildeckel sind. Wie oft hörte ich schon, dass diese die Luft im Schlauch behalten. Ventildeckel sind mit grösstmöglichem Abstand die meist überschätzten Teile an einem Bike. Richtig nervig sind übrigens die Deckel-Festknaller: Da diese ja die Luft im Schlauch behalten, muss man die Deckel auch mit der Schraubzwinge fixieren. Ganz am Rande: Bei uns im Shop bekommen alle kostenlos neue Ventildeckel. Wenn möglich in der passenden Form und Farbe. Und da diese Deckel so immens wichtig sind, macht man damit die Kunden auch immens glücklich.

Die Schlauch-Paranoiker.

Ich habe mir schon unzählige Geschichten angehört, weshalb der Schlauch platt ist. Diese Stories sind lang – und unglaublich langweilig, weil oft einfach falsch (mehr dazu ein paar Sätze später). In diesen Geschichten muss der nervige Nachbar und der böse Hauswart als Ventil-Sabotierer hinhalten. Die Paranoia beim Platten ist und bleibt imposant. Da werden ungeliebte Mitarbeiter verdächtig, zu lüfteln. Der wohl imaginäre Velohasser wird verdächtigt, Scherben zu verstreuen. Wir hören uns möglichst kurz die Paranoia-Story an, und demontieren dann den Schlauch. Und siehe da: Das Felgenband ist verrutscht, das offengelegte Speichenloch in der Felge hat den Schlauch durchgescheuert. Und auch ein bisschen den Verstand.

Bitte jetzt sofort!

Der «Jetzt sofort»-Kunde sucht sich bevorzugt die Frequenz-stärksten Geschäftszeiten aus. Er bringt Teile mit und möchte diese jetzt, und nur jetzt, montiert haben. Bei der Erklärung, dass der Werkstattkalender proppenvoll ist und das die sofortige Bedienung jetzt nicht möglich ist: Dann kuckt er mich an, als sei ihm soeben der Antichrist erschienen. Am lustigsten wird es, wenn der «Jetzt sofort»-Kunde den anderen anwesenden Kunden im Shop erklärt, wie mies hier der Service ist.

Die Schnorrer.

Die Schaltung sei nicht mehr präzise – und das Velo doch erst noch kürzlich im Service gewesen. Dann lohnt sich der Blick in die Betriebssoftware und auf den Tacho, die ausweisen, dass der Service nun 10 Monate zurückliegt und das Bike nun 4'500 Kilometer mehr drauf hat. Man kann so sachlich bleiben wie man will, es bleibt ein bisschen peinlich.

Die Nichtabholer.

Klar, wir alle haben viel zu tun und mehr Termine als uns lieb ist. Dann kann es schon mal länger dauern, bis das Bike abgeholt wird. Das planen wir platzmässig auch ein. Besonders Spass macht dann ein Kunde, der nach mehrmaligem friendly reminder ausholt: Wir hätten ja auch nur von Dienstag bis Samstag offen, und Montags geschlossen sowie eine einstündige Mittagspause seien ja auch mega unpraktisch. Ich gebe ihm dann einfach einen Flyer mit für unseren unkomplizierten Hol- und Bringservice (den er bei der Reparaturannahme nicht in Anspruch nehmen wollte).

Der Kunde mit dem Nachbar.

Viel Spass machen Kunden, die etwa vom Nachbarn oder einem Mitarbeiter indoktriniert sind. Dieser Alleswisser fährt nämlich ein Mal im Jahr einen Marathon oder über einen Alpenpass, und diese Höchstleistung legitimiert natürlich. Wenn dieser Nachbar oder Mitarbeiter kundtut, dass eine mechanische Scheibenbremse viel besser ist als eine hydraulische Scheibenbremse, dann wird die Beratung manchmal etwas anstrengend. Weil Marathon und Pässefahrt selbstredend viel mehr Kompetenz und Erfahrung bringen als Tausende verkaufte Bikes sowie abertausende Bikes, die man im Service hatte...

Die Test-Gläubigen.

119 Punkte! Testsieg! Urteil Super! Da hilft keine Erfahrung, keine Testfahrt, keine Vernunft. Eigentlich ist dieser Kunde einfach und simpel, denn er will einfach das, was ihm das Magazin XY empfiehlt. Es ist aber schade, dass diese Testgläubigkeit die Scheuklappen hochfährt – und der Kunde durchaus Produkte oder Bikes verpasst, die eigentlich viel besser zu seinen Bedürfnissen passen könnten.

Der Telefon-Täter.

Die Bremsleitung sei abgerissen und die Bremsscheibe schleife. «Was kostet das?» - die beliebteste Frage am Telefon. Mein Hinweis, dass ich das so vom Schiff aus nur ungenügend beantworten kann, bringt meist ein langes Schweigen und dann bald wieder die identische Frage: «Aber was kostet das?». Mein Hinweis, dass das Nennen eines Betrags gedenk der Faktenlage unprofessionell und ungenau ist, macht mich nicht beliebter. Der Vorschlag, dass wir das Bike vor Ort anschauen und so im Shop in Kürze einen konkreten Kostenvoranschlag erstellen können, führt den Kunden in einer geschätzten Hälfte in den Shop. Und wie gern ich wüsste, was mit der anderen Hälfte passiert!

Der Nach-Öffnungszeiten-Frager.

Es ist Samstag, die Bude rammelvoll. Da klingelt fröhlich das Telefon (die Simpsons-Melodie sorgt übrigens auch nach etlichen Jahren noch für gute Laune). Die gute Laune ist bald vorbei, denn ich werde freundlich nach den Öffnungszeiten gefragt. Dann gebe ich selbstverständlich freundlich Auskunft, möchte aber am liebsten in den Hörer brüllen: Das Jahr 1988 ist schon ein paar Tage her! Bitte schau auf unserer Webseite oder bei Google nach! Ich bin gespannt, wann der digitale Wandel soweit fortgeschritten ist und ich keine Öffnungszeiten-Anrufe mehr beantworte.

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