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«Ich hatte ein schlechtes Gewissen, Downhill zu fahren»

Der Name Ramona Kupferschmied stand seit ihren Juniorenjahren für schnelle Cross-Country-Beine. Doch in letzter Zeit machte die 22-jährige Bernerin vor allem mit massiven Drops und Backflip-Versuchen auf sich aufmerksam. Inzwischen hat sie dem Cross-Country-Sport offiziell den Rücken gekehrt. Im Interview erklärt sie, wie es dazu kam.

Du warst Cross-Country-Rennfahrerin durch und durch. Wie kommt es, dass du nun zur Downhill-Fahrerin und Freeriderin mutierst?
Ich liebte Cross-Country und es war für mich völlig normal, alleine nach Watt- und Pulswerten zu trainieren. Als 2020 fast alle Rennen abgesagt worden waren, erlaubte ich mir wieder einmal einfach frei biken zu gehen. Freunde, die vor allem Downhill fahren, nahmen mich mit und da zog es mir den Ärmel dann ziemlich schnell rein.

@ralakupf springt grosse Drops und Gaps

Du wurdest deiner sportlichen Disziplin untreu. Wie fühlte sich das an?
Ich hatte tatsächlich ein schlechtes Gewissen dabei. Auch die Bahn zu nehmen hätte ich mir früher nie erlaubt. Ich liebte aber schon als Cross-Country-Athletin die Abfahrten und gehörte technisch dort zu den guten Fahrerinnen.
 
Team und Familie fallen bei dir teilweise zusammen. Wie hat dein Umfeld auf deine Neuorientierung reagiert?
Meine Eltern haben mich seit zehn Jahren unterstützt, meine Mutter führt das Team, dem ich immer noch angehöre. Dass ich den Cross-Country-Rennsport verlasse, war nicht einfach zu akzeptieren für sie – und für mich auch nicht. Für ihre vergangene und gegenwärtige Unterstützung bin ich sehr dankbar. Das ist nicht selbstverständlich. Im Herzen wusste ich schon viel früher, was ich will. Bis ich es selber akzeptierte, dauerte es etwas länger
 
Was hast du aufgegeben, indem du dem Cross-Country den Rücken kehrst?

Den Traum von Olympia. Den konnte ich nur als Cross-Country-Fahrerin verfolgen. Aber dieser Verlust wird aufgewogen durch die extremen fahrtechnischen Fortschritte, die ich mache. Früher hatte ich Angst vor grossen Sprüngen, jetzt liebe ich sie. Auch dass ich nun mit Leuten zusammen Velo fahren kann und in diese neue Welt eintauchen darf, bedeutet mir viel.
 
Wie nah warst du denn daran, dich für Olympische Spiele zu qualifizieren?
Es hätte schon noch einiges gebraucht. Ich kämpfte in den letzten Jahren damit, meine Energie, meine Power auf den Boden zu bringen, machte viel Krafttraining, sass viel auf dem Rennvelo – mehr als auf dem Bike. Aber wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann erreiche ich es in der Regel auch. Doch Olympia ist nun kein Ziel mehr.
 
Welche Ziele setzt du dir als Gravity-Fahrerin?
Als Cross-Country-Fahrerin musste ich auf vieles verzichten – unter anderem wegen des Verletzungsrisikos auf das Downhill Biken – dabei verlor ich die Freude an meinem Sport. Dies will ich nun unbedingt vermeiden. Ich will mich nicht schon wieder unter Druck setzen, sondern geniessen und schauen, wo es mich hintreibt.
 
Aus dir könnte also auch eine Slopestylerin werden?
Tricks machen mir extrem viel Spass, die meisten springe ich aber erst auf den Airbag. Aktuell fokussiere ich auf Downhill-Rennen, weil ich dort schon am weitesten bin.

@ralakupf und der Heel Clicker

Ist der Downhill-Weltcup ein Thema für dich?
Auf jeden Fall. Ich fahre jetzt kleinere Rennen, nächstes Jahr sollte ich auf diese Art genug UCI-Punkte gesammelt haben, um auch mal an einem Weltcup starten zu können. Da will ich auch professioneller werden.
 
Es stört dich also weiterhin nicht, wenn eine Stoppuhr läuft?
Nein, ich bin immer noch eine Wettkämpferin.
 
Mit deiner Ausdauer wärst du für Enduro-Rennen prädestiniert?
Das sagen alle. Aber ich habe auf dem Downhill Bike viel mehr Spass als auf dem Enduro Bike und ich bin in den letzten zehn Jahren genug bergauf gefahren. Ausserdem gibt es nur auf den Downhill-Strekcken richtig grosse Sprünge.
 
Du warst am Crankwox in Innsbruck, einem der grössten Events im Gravity-Bereich. Wie war das?
Es war mega cool. Die Topfahrer sind so chillig drauf, das kannte ich nicht, dass man mit den Besten so einfach ins Gespräch kommt. Dual Slalom war völlig neu für mich, da kam ich nicht über die Quali hinaus, aber das hat Lust auf mehr gemacht. Downhill lief ganz gut, dabei war das erst mein zweites Rennen in dieser Disziplin.
 
Und was hast du dir angeschaut?
Beim Whip-off Contest lief mir schon der Sabber, da waren auch ein paar Frauen dabei. Vielleicht bin ich nächstes Jahr so weit, dass ich mich da auch anmelde.
 
Wie fandest du den Slopestyle Contest? Siehst du dich irgendwann einmal solche Features springen?
Das ist natürlich anders krass. Die Dimensionen, die Rotationen, das ist wirklich heftig. Und die Jungs fahren alles mit dem Dirtbike, also praktisch ohne Federung. Ich fühle mich bei den grossen Sprüngen megawohl auf dem Downhill Bike. Ein Dirtbike habe ich erst seit letztem Herbst und ich bin noch nichts Grosses damit gesprungen. Wo ich mich schon eher sehe, ist der Speed and Style Contest. Das ist eine coole Kombi mit Wellen zum Pumpen und zwei Sprüngen, auf denen man Tricks zeigen muss. Die Zeit und die Punkte für die Tricks ergeben den Score, einige fahren mit dem Dirtbike, andere mit dem Endurobike.

@ralakupf traut sich was: Suicide No-hander

Wie wär’s denn mit Freeride Contests, wo du mit dem Downhill Bike Tricks machen kannst?
Freeride ist für mich vor allem ein super Training und es macht mega Spass. Ich habe keinen Plan, auf welche Disziplin ich mich spezialisieren will. Ich folge einfach meiner Passion.
 
Bald ist wieder Red Bull Rampage. Schaust du dir das an?
Ich habe mir schon einige Videos angeschaut. Früher dachte ich wie viele andere auch, die Typen seien alle lebensmüde. Das sehe ich heute mit anderen Augen. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich es nicht mag, wenn es links und rechts senkrecht runter geht. Ich bin einmal in einem Bikepark abgestürzt, seither habe ich da eine kleine Blockade. Ich nehme lieber einen grossen, krassen Sprung als dass ich in einem Gelände fahre, wo ein Fehler tödlich wäre.
 
Es fahren zwar immer mehr, aber immer noch sehr wenige Frauen bei Slopestyle und Freeride Contests mit. Willst du andere Frauen motivieren oder fährst du einfach für dich?
Ich habe damit angefangen, weil ich mega Freude daran habe. Aber ich finde es cool, wenn es immer mehr Frauen gibt, die auch im Gravity-Bereich unterwegs sind. Es freut mich, wenn meine Videos und die anderer Fahrerinnen die Jungen motivieren.
 
Hast du Red Bull Formation mitverfolgt?
Ja, ich habe ein paar Videos gesehen – ziemlich crazy, was diese Frauen fahren und springen.
 
Kannst du dir vorstellen, in einem oder zwei Jahren in solchem Gelände zu fahren und zu springen?
Sag niemals nie. Aber ich habe erst vor einem Jahr angefangen und muss noch viel Sicherheit auf dem Velo gewinnen. Viele Sachen finden ja im Kopf statt. Das nötige Selbstvertrauen, das bekomme ich nur mit viel Zeit auf dem Bike.
Also, wenn man mich fragen würde, ob ich mitmachen will, wäre ich schon dabei. Weißt du, wo ich mich melden kann?

Backflip Time mit @ralakupf
 

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