Login

00

Warenkorb

Dein Warenkorb ist leer.

Elektrovelo-Fachtagung fördert Unzufriedenheit mit dem ASTRA zu tage

Am 2. März 2012 hat der Bundesrat neue Regelungen beschlossen, die Elektrovelos betreffen. Diese Normen treten auf den 1. Mai und den 1. Juli 2012 in Kraft. Streckenweise greifen die neuen Gesetze stark in die Bauweise von E-Bike-Motoren ein und die Hersteller haben aufgrund der kurzen Fristen keine Möglichkeit, angemessen darauf zu reagieren. Bei einer Elektrovelo-Fachtagung im Rahmenprogramm der Velomesse Twoo in Basel bricht der Unmut über die Arbeitsweise des Bundesamt für Strassen (ASTRA) aus.

Podiumsdiskussion an der Twoo zu den bevorstehenden Elektrovelo-Gesetzesänderungen

Am 13. April 2012, dem ersten Messetag der Fahrradmesse Twoo in Basel, leitete Pete Mijnssen, der Herausgeber der Fahrradzeitschrift Velojournal, eine Podiumsdiskussion rund um die Gesetzesänderungen im E-Bike-Bereich. Details zu den Normänderungen sind untenstehend. An der Diskussion beteiligt sind:  

Kurt Schär, Flyer/Biketec AG
Dominik Heiber, EFS Basel
Thomas Binggeli, CEO BMC Group
Doris Baumann, Veloatelier Wimmis/Kleeblattrouten.ch
Niklaus Boschung, bis Ende März 2012 Fachbereichsleiter Fahrzeugtechnik beim Bundesamt für Strassen (ASTRA)  

Pete Mijnssen: Wie kommen die neuen Elektrovelo-Regelungen an – was ist gut und schlecht daran?
Kurt Schär: Gut ist die neue 25 km/h – 500 Watt-Regelung. Das ist ideal für ältere Leute, die mehr Unterstützung möchten, aber nicht schneller fahren wollen. Wir bedauern aber die altersmässige Einstufung der langsamen E-Bike-Klasse. 14- und 15-Jährige brauchen zum Fahren eines solchen E-Bikes eine Mofa-Prüfung und ab 16 Jahren ist es dann frei. Dieser Entscheid ist schwer nachvollziehbar und provoziert ein Vollzugsproblem. Sonst halte ich die Neuregelungen für einen guten Wurf.
Thomas Binggeli: Wir hätten uns erhofft, dass das mit dem Nummernschild anders gelöst wird. Ein kleineres Schild, etwa eine Marke auf dem Rahmen wäre eleganter. Wir hatten auch gerne gehabt, dass die schnelle Klasse noch schneller als 45 km/h fahren darf. Aber wir können mit den Regelung auf jeden Fall leben.   

Pete Mijnssen: Wie reagieren die E-Bike-Fahrer auf die neuen Regelungen?
Doris Baumann: Das kommende Helmobligatorium bei schnellen E-Bikes hat die Runde gemacht. In Kombination mit der bfu-Helmaktion hat das viele Velofahrer bewogen, einen Helm zu kaufen. Selten haben wir Stimmen gehört, die nicht einverstanden sind, ab dem 01. Juli auf schnellen E-Bikes einen Velohelm tragen zu müssen. Sobald aber mehr Fahrer eines schnellen E-Bikes einen Helm tragen, kann das Signalwirkung auf die anderen Velofahrer haben. Eventuell tragen dadurch bald vergleichbar viele Fahrradfahrer Helme wie Skifahrer beim Wintersport. Wir hatten auch Kunden, die sich bereits jetzt einen Rückspiegel ans neue, schnelle Elektrovelo montieren liessen, da diese das als praktisch erachten. Insgesamt nimmt unsere Kundschaft das neue Regelwerk gut und gelassen auf.
Dominik Heiber: Wichtig ist, dass wir jetzt Klarheit haben und die Trennung in zwei Fahrzeugkategorien übersichtlich ist. Mit dem Helmobligatorium sind wir einverstanden, die Branche kann hier auch Zusatzgeschäfte erwarten. Die Rückspiegel sorgen für Sicherheit, auch die Freigabe des Kinderanhängers angehängt an schnelle E-Bikes befürworten wir sehr und sind glücklich über diese Lösung.  

Pete Mijnssen: Die Frist für die Umsetzung der neuen Vorschriften ist sehr kurz angelegt, wie sieht das die Industrie?
Kurt Schär: Unsere Beschaffungszeit für neue Komponenten beträgt in der Regel sechs Monate. Die jetzige Umsetzungszeit sind ein paar Wochen. Somit ist man nicht in der Lage neue Regelungen, die wirklich ins Fahrzeug eingreifen, innerhalb weniger Wochen umzusetzen. Der Rückspiegel-Vorschrift können wir innerhalb der Frist jedoch gerecht werden, da wir solche Spiegel für den deutschen Markt schon länger verwenden. Bei Herstellern, die Fahrzeuge anbieten, die per Definition und durch die Hardware auf 50 km/h-Geschwindigkeit oder schneller eingestellt sind, wird die schnelle Anpassung an die neuen Regelungen sehr schwierig. Wenn bei solchen Fahrzeugen Software-seitig keine Anpassung möglich ist, dann kollidieren die Beschaffungszeit und die kurze Frist zu den neuen Regelungen aufeinander. Die Frist bis zum 01. Mai und zum 01. Juli ist unüblich kurz.
Thomas Binggeli: Für uns ist die kurze Frist nicht so einfach, wir empfinden das sogar eher als eine Frechheit, wir waren schockiert, als das definitive Gesetz mit diesen Fristen vorlag. Wir haben eine Leadtime von neun Monaten, um neue Motoren zu produzieren. Natürlich haben wir durch etwa Anhörungen in etwa gewusst, was kommen wird. Aber in vier bis sechs Wochen zu reagieren, da ist es unmöglich, die nötigen Anpassungen zu machen. Natürlich können wir das jetzt elektronisch regeln und die Software anpassen – aber für uns als Entwickler und Produzenten ist die kurze Frist eine Zumutung. Wir hatten uns gewünscht, dass die Produzenten früher ins Boot geholt werden vom Gesetzgeber. Wichtig wäre mit gutem Vorlauf vorgängig zu wissen, was wann offiziell wird.
Kurt Schär: Ich hätte eine Trennung gewünscht für die Regelungen über die Fahrzeuge und die Regelungen, die die Fahrzeuge selbst nicht betreffen, wie etwa die Anhänger-Freigabe. Wir kommen relativ schlank durch, da wir auf die neuen Regelungen durch die Vernehmlassungen und Anhörungen bereits weit im Voraus eingespurt haben, aber bei der Materialbeschaffung kommen uns die Fristen in die Quere, da wir zuwenig Vorlauf haben. Hingegen bei der Klärung bezüglich Kinderanhänger und anderen Erleichterungen wäre es schade gewesen, wenn man das herausgeschoben hätte. Die Helmtragepflicht könnte man von mir aus per sofort einführen, das funktioniert fast vom einten auf den anderen Tag. Bei den Fahrzeugregelungen sind diese Fristen aber ein echtes Problem.  
Der Weg zu den Regelungen in Zusammenarbeit mit dem Astra war nicht so, das man sich in den Prozess eingebunden fühlte. Für den nächsten Gesetzesentwurf ist es wichtig, dass man die Branche von Anfang an einlädt und einbezieht. Zum Beispiel die 500 Watt Regelung für langsame E-Bikes war seitens ASTRA nie erwähnt worden, hier kann man nicht mehr reagieren, wir haben auf den 01. Mai kein langsames E-Bike mit 500 Watt.  

Pete Mijnssen: Wer hat dann den Druck aufgesetzt, dass die Regelungen so kurzfristig in Kraft gesetzt werden?
Niklaus Boschung: Wir haben uns diesen Druck beim ASTRA selbst gemacht. Wir hatten ein schlechtes Gewissen wegen mehrfachen Verzögerungen.  

Pete Mijnssen: Wie hat die Branche Einfluss auf das ASTRA ausgeübt?
Kurt Schär: Innerhalb des Verbandes Velosuisse haben wir uns selbstverständlich miteinander abgesprochen und bei der Vernehmlassung entsprechende Eingaben gemacht. Wir haben weitere Organisationen wie den Blindenverband, Pro Senectute, Adipositas-Stiftung und weitere Gesundheitsverbände eingebunden, um Einfluss auf die kommenden Regelungen zu nehmen. Es ist bedenklich, dass trotz sehr minutiöser Eingaben dieser Verbände keinerlei Reaktion des ASTRAs darauf stattfand.  

Pete Mijnssen: Wir haben immer über die Schweiz geredet. Wie steht die Schweiz mit den E-Bike-Regelungen da im internationalen Vergleich?
Kurt Schär: Wir treffen im EU-Raum auf zahlreiche länderspezifische Vorschriften. Es ist enorm schwierig und komplex, allen Vorschriften gerecht zu werden. Die hiesigen Regelungen sind derzeit ein Marktvorteil. Auch in der EU gibt es Bestrebungen, die 25 km/h-Klasse auf 500 Watt zu öffnen.
Thomas Binggeli: Da müssen wir ehrlich sein, was das angeht sind wir in der Schweiz im Paradies. Eine Zulassung in Deutschland für ein E-Bike ist viel aufwändiger. Wir sind hier viel praktischer als im EU-Raum. Ich finde es wichtig, dass es einfach ist, die Elektromobilität voranzutreiben, dass man Zeichen setzen kann mit innovativen Produkten.

Weiterführende Infos zu den Normänderungen für Elektrovelos:
Keine zwei Monate von der Bekanntgabe bis zum Inkrafttreten des Gesetzes

Am 2. März 2012 kommuniziert das ASTRA die Gesetzesänderungen, die Elektrovelos betreffen: E-Bikes gelten wie bisher als Motorfahrräder und kommen in zwei Kategorien daher:

«Leicht-Motorfahrräder»
dürfen neu über eine Motorleistung von maximal 500 statt wie bisher 250 Watt verfügen und mit reiner Motorkraft - ohne Pedalbetätigung - maximal 20 km/h schnell sein («bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit»). Mit Tretunterstützung beträgt die Höchstgeschwindigkeit weiterhin 25 km/h. Für Lenker solcher E-Bikes wird das Tragen eines Velohelms aus Sicherheitsgründen empfohlen, ist aber nicht obligatorisch. Leicht-Motorfahrräder brauchen wie Fahrräder keine Zulassung und kein Kontrollschild.

«Übrige Motorfahrräder» sind E-Bikes mit einer Leistung zwischen 500 und 1000 Watt oder einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 20 bis 30 km/h oder einer Tretunterstützung, die auch bei einem Tempo von 25 – 45 km/h wirkt, diese Fahrzeuge gelten als Motorfahrräder und benötigen ein entsprechendes Kontrollschild. Für Lenkerinnen und Lenker von E-Bikes dieser Kategorie ist ab dem 1. Juli 2012 entweder das Tragen eines geprüften Velohelms (falls dank Tretunterstützung Tempo von über 25 km/h möglich ist) oder wie bisher eines geprüften Mofa-Helms (falls bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit über 20 km/h) obligatorisch. Dazu ist das Fahrzeug links aussen mit einem Rückspiegel von 50 Quadratzentimeter Fläche auszurüsten.  

Bei beiden Klassen von Elektrovelos ist der Transport von Kindern in Kinderanhängern erlaubt. Bisher war dieser Transport bei der schnellen Klasse verboten.  

Während das Helmtragen auf schnellen E-Bikes auf den 1. Juli 2012 obligatorisch wird, sind alle anderen Änderungen bereits am 01. Mai 2012 wirksam.  

Ride hat ausführlich über die Gesetzänderungen berichtet.

Ride abonnieren

Gratis-Registrierung Silber Abo Gold Abo Business Abo
Laufzeit (Jahre) - 1 1/2/3/∞ 1
Preis (CHF) 0 20 65/120/175/955 195
Basis-Dienste
Newsletter abonnieren
Nutzung Webshop
Inhalte kommentieren
Online-Dienste
Zugriff Tourendatenbank: Touren-Details inkl. Höhenprofil ansehen, GPX-Tracks herunterladen
Zugriff auf Web-Karte der Singletrail Map
Print-Magazin
Fünf Print-Ausgaben pro Jahr zwischen März und September
Zugriff Tablet-Ausgabe
Zugriff auf PDF-Dokument aktueller sowie bereits früher erschienenen Ausgaben über PDF-Download Ride-Ausgaben
Vergünstige Teilnahme an den Ride-Camps
Partner-Dienste
Kostenlos Stellenanzeige erfassen
Auflistung als Partner im Bikeshop- oder Hotelverzeichnis
Auflistung als Partner in den Spotguides und Touren
Diverse weitere Leistungen
(siehe Leistungsübersicht BIKESHOP-PARTNER (PDF) und BIKEHOTEL-PARTNER (PDF))