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Allein durch Mangystau oder wer findet den unbekanntesten Ort der Welt?

Der Franzose Cédric Tassan ist bekannt für seine photogenen Fahrradabenteuer. Nun war er an einem Ort, der klingt, als stamme er aus einem Phantasyfilm. Und eigentlich sieht er auch so aus. In dieser Geschichte geht es zudem um Regen und Fischer in der Wüste, um Totenstädte und Höhlenmoscheen und um einen knackenden Salzsee.

Es gibt einen unausgesprochenen Wettbewerb unter Reise-Journalisten, der darin besteht, von einem Ort zu berichten, den möglchst wenige kennen. Mangystau dürfte da ziemlich weit vorne landen. Die Region liegt am östlichen Ufer des Kaspischen Meers, gehört zu Kasachstan und besteht zu einem grossen Teil aus Wüste. Ideal also, um ein paar Tage Mountainbike zu fahren, fand der französische Abenteurer Cédric Tassan.
 
Aktau ist der Hauptort der Region und gemäss Tassans Aussage die einzige Stadt der Welt, die ihren Trinkwasserbedarf vollständig durch Entsalzen des Meerwassers deckt. Wasser ist wenig überraschend ein rares Gut, aber nicht inexistent. In der ersten Nacht in der Wüste regnet es. Cédric hat kein Zelt eingepackt, weil er davon ausging, dass genau das kaum der Fall sein würde. Wenigstens hat er einen Regen-Poncho dabei, der ihn nun halbwegs trocken hält. Schlotternd schläft er wieder ein.
 
Am zweiten Tag in der Wüste trifft Cédric Tassan vier Fischer, ihr Fang brutzelt bereits auf dem Grill, als er sie begrüsst. Auch das gibt es also. Dass er die Männer trifft, ist aber kein Zufall, sondern verabredet. Mithilfe eines Einheimischen hat er entlang seiner Route Treffen mit Bewohnern organisiert, die ihm Nachschub an Nahrung und Wasser mitgeben. Die totale Einsamkeit wird also immer wieder unterbrochen.

Was macht der Fischknochen in der Wüste?

Totenstädte – Friedhöfe, deren Gräber kleine Häuser sind – zeugen davon, dass schon vor 1000 Jahren Menschen in dieser aus europäischer Sicht extrem abgelegenen Gegend gelebt haben. Tassan bewundert sie ebenso wie die Fels-Moschee von Shakpak Ata aus der gleichen Epoche. Mindestens so beeindruckend sind die Felsformationen aus Sedimentgestein. Tassan findet Muscheln, Zähne und Knochen von Fischen. Vor 150 Millionen Jahren war Manggystau Meeresgrund. Heute liegt die Region gebietsweise bis zu 100 Meter unter dem Meeresspiegel.
 
Die meisten Nächte verbringt der Franzose in Häusern oder Jurten von Einheimischen. «Essen gibt es im Überfluss», berichtet er danach. Es ist Ramadan, als er die Region bereist. Das heisst, tagsüber gibt es für die Muslime nichts, nach Einbruch der Dunkelheit aber, ist der Tisch reich gedeckt. Ein angenehmer Kontrast zur Kargheit der Wüste. Zudem ist er mit einem Minimum am Gepäck unterwegs. Die Bewirtung durch die Bewohner ist überlebenswichtig.
 
Ein Kreidefels-Plateau neben einem Salzsee ist ein weiteres Kunstwerk der Natur, das Cédric Tassan passiert. Unglücklicherweise findet er sich zuerst auf dem Plateau und muss irgendwie durch die Felswand absteigen. «Die Einheimischen hatten mir versichert, es gebe einen Weg hinunter. Ich sah nur eine 100 Meter hohe senkrechte Wand.» Umkehren ist auch keine Option, denn: «Das Plateau ist 100 Kilometer lang. Zurück zum anderen Ende zu fahren, hätte einen Umweg von mindestens einem Tag bedeutet. Ich hatte aber nur so viel Essen und Wasser dabei, wie ich bis zur nächsten Siedlung brauchte.»
 
Tassan findet schliesslich einen enorm ausgesetzten schmalen Weg durch den Fels, den er in einer dreistündigen Aktion zu Fuss passiert. Fahren wäre viel zu gefährlich. Der Weg ist so steil, dass er die Taschen demontiert, um Bike und Gepäck einzeln in mehreren Durchgängen hinunterzutragen. Die folgende Nacht am Fuss der Felswand bezeichnet er als eine der schönsten, die er je im Freien verbracht habe.

Ein Ort für eine Rampage

Das nächste Teilstück führt über einen riesigen Salzsee. Irgendwann beginnt die weisse Fläche zu knacken. «Je näher ich der Mitte des Sees kam, desto mehr Risse zeigten sich unter meinen Stollen. Ich befürchtete, im Sumpf darunter steckenzubleiben und war bereit, sofort abzubiegen, wenn es nötig wurde.» 40 Kilometer legt er auf dem Salzsee zurück, danach weitere 80 Kilometer auf einer Wüstenpste und erreicht dann eine Pilgerstätte, erneut mit Totenstadt und Höhlenmoschee.
 
«Die Fortsetzung war ein einziger Rausch», sagt Cédric Tassan über das letzte Teilstück seiner Wüstendurchquerung, «das ist die schönste Landschaft, die ich je gesehen habe», schreibt er Wochen später immer noch überwältigt von den spektakulären Steinformationen, welche Tektonik und Erosion an diesem Ende der Welt hinterlassen haben. Manche könnten beim Anblick der Felsrippen auch auf die Idee kommen, hier einen Ableger von Red Bull Rampage zu veranstalten. Praktisch ist die geografische Lage allerdings nicht. Dafür bleiben diese Skulpturen der Natur wohl für immer so unberührt, wie sie es bis heute sind.
 
Tassan erreicht ein Dorf. «Keiner konnte sich erinnern jemals eine Person mit dem Velo hier ankommen gesehen zu haben.» Am nächsten Tag kämpft er sich durch Sand und gegen den Wind in Richtung seines letzten Ziels in der Nähe der Grenze zu Turkmenistan. Noch einmal zeigt sich Mangystau von seiner spektakulärsten Seite mit einem kleinen See, Felsformationen, die wie Pilze oder Schildkrötenpanzer aus dem Boden zu wachsen scheinen. Um sie herum liegt ein Salzsee. «Dieses Bild werde ich für immer in Erinnerung behalten», schliesst der Abenteurer seinen Bericht.
 
Wer nun Lust bekommen hat, Mangystau einen Besuch abzustatten: Die Stadt Aktau ist ungefähr 3500 Kilometer Luftlinie von der Schweiz entfernt und in einer rund 15-stündigen Flugreise via Istanbul und die kasachische Hauptstadt Nursultan (früher Astana) erreichbar. Was auch in Betracht zu ziehen ist: Der westlichste Zipfel Kasachstans, im Norden von Mangystau gelegen, ist nur durch einen gut 300 Kilometer breiten zu Russland gehörenden Landstreifen vom Osten der Ukraine getrennt.
 

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