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Dienstag, 26. Februar 2008 online geschaltet.
Twoo positioniert sich
Guter Start für die neue Schweizer Fahrrradmesse
Unter dem Strich ist der neuen Schweizer Velomesse «Twoo» der Auftakt geglückt. 24'520 interessierte Besucher sorgten bei Veranstaltern und Ausstellern für zufriedene Gesichter. Getrübt wurde die positive Schlussbilanz durch zahlreiche prominente Abwesende und Diskussionen über Ausrichtung und Einrichtung der Messe.
Am Schluss wurde die Marke von 25'000 Eintritten nur knapp verfehlt. Während vier Tagen erlebte die Twoo einen Besucheransturm, mit dem vor der Messe kaum jemand gerechnet hätte. Selbst am vergangene Sonntag strömten trotz mildem Frühlingswetter zahlreiche Velobegeisterte nach Basel und besuchten die Twoo, welche von der Messe Schweiz AG zum ersten Mal und parallel zur Warenmesse Muba veranstaltet wurde. Der hohen Besucherzahl entsprechend zogen die Aussteller eine positive Bilanz. «Uns hat die Twoo positiv überrascht. Wir haben im Vorfeld nicht mit so vielen und so guten Publikumskontakten gerechnet», zieht René Brino, Velohändler aus Basel, Bilanz. «Obwohl viele Besucher der Twoo auch die gleichzeitig nebenan stattfindende Muba besuchten, gab es nur wenige der typischen Kugelschreiber-Jäger von Gewerbemessen. Wir hatten viele interessierte Besucher am Stand». Ins gleich Horn stösst Philip Douglas von Direktversender Simpel.ch:. «Man spürt, dass in Basel eine Velostadt ist. Der durchschnittliche Basler hat einen stärkeren Bezug zum Velo und interessiert sich deshalb auch stärker für dieses Fahrzeug». Neben den Einheimischen bediente er auch viele Kunden aus der ganzen Schweiz. «Wir hatten Leute aus der Romandie und aus Zürich am Stand – praktisch aus allen Regionen der Schweiz kamen die Besucher», sagt Douglas.
Lokale Firmen nutzten Heimvorteil
Der Standort der Twoo machte sich auch im Angebot der Messe bemerkbar. Neben zahlreichen lokalen Händlern, die entweder alleine oder mehr oder weniger enger Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten (z.B. Brino Velos-Motos mit Trek-Villiger, Radsport Kobel mit Cresta und Koga Miyata, Price Racebikes mit Bike Jucker oder EFS mit BionX und Flyer) auftraten, prägen Firmen die Ausstellung, welche selber in der Nordwestschweiz ihren Firmensitz haben, wie beispielsweise Cannondale Europe, Dolphin E-Bikes, der Edelteileimporteur Parts of Passion oder Nicolai Schweiz. Von den nationalen «Big Players» der Branche setzte sich einzig Intercycle mit einem gewohnt grosszügigen Auftritt in Szene, doch auch der Importeur von Wheeler, Marzocchi und Hayes vertraute am Stand auf Unterstützung lokaler Handelspartner. Daneben bereicherten viele kleinere und junge Handelsfirmen wie Cycling United, Roy Hinnen GmbH, Erox und SantaCruz-Importeur Trailworks das Messeangebot. Stark vertreten waren auch die Direktverkäufer. Neben Simpel.ch stellten auch Velo-Bauer Thömus, Veloplus, Stöckli und erstmals seit längerem wieder der deutsche Katalogversender Rose aus.
Viele prominente Abwesende
Viele grosse nationale wie internationale Marken suchten Biker aber vergebens an der Messe. Scott, BMC, Specialized oder Merida liessen die Twoo links liegen. Besonders enttäuscht waren Besucher, die sich nach Zubehör und Teilen umschauen wollten. Nebst Shimano-Importeur Fuchs-Movesa fehlte auch Amsler (Sram, BBB, Magura), Velok (Sugoi, Lake, ParkTool) und Chris Sports Systems (Pearl Izumi, RaceFace, Giro). Für letztgenannte lohnte sich der Auftritt auf der Messe nicht, wie Chris Bättig von Chris Sports Systems erklärt: «Wenn wir alle unsere Marken einigermassen angemessen hätten präsentieren wollen, wäre ein Stand an der Hallenmesse unbezahlbar geworden.» Bei den Veloherstellern dominierte die Skepsis gegenüber dem Konzept der neuen Messe. BMC beispielsweise entschied sich gegen die Teilnahme an der Twoo, weil man daran zweifelte, ob man an dieser Messe die sportliche Zielgruppe ansprechen könne, wie Kommunikationsleiter Markus Zehnder in einem Brief an die Händler mitteilte. Den Vorwurf von Messechef Frank Malter, dass die grossen Velomarken nicht kamen, weil der Herstellerverband die Messe nicht unterstützen wollte, lässt Zehnder nicht gelten. Auch Thierry Bolle, Verkaufsleiter Schweiz bei Scott Sports nennt andere Gründe als die Verbandsstrategie für die Abwesenheit seiner Firma. «Ein Bike-Event passt besser zu unseren Produkten und ihren Fahrern als eine nüchterne Hallenmesse im Zentrum einer Stadt. Neben dem Auftritt an international beachteten Eurobike wollen wir uns keinen zweiten Messeauftritt in einer regional bis maximal national besuchten Messe leisten». Velosuisse-Präsident Gallus Komenda glaubt auch nicht, dass sein Verband so grossen Einfluss auf die Mitglieder hat: «Wir haben es unseren Mitgliedern freigestellt, an der Twoo teilzunehmen, und wie die Ausstellerliste zeigt, haben sich ja auch zahlreiche von ihnen an der Twoo engagiert. Wenn jemand nicht an die Twoo ging, waren dafür andere Gründe als die Verbandsmeinung ausschlaggebend.»
Emanzipation des Citybikes
Durch die Stärke der lokalen Firmen erhielten Alltagsvelo und Elektrobike eine Präsenz an der Messe, die diese Segmente bisher noch selten genossen hatten. Dies zeigte sich vor allem auch in den Produktehighlights der Twoo. Cannondale präsentierte seine Urbanbike-Studie «On», und Cresta stelle den Prototypen eines ultraleichten Damentrekkingvelos mit Carbonrahmen vor. Eine Schweizer Premiere feierte der Wartungs- und Hosenfreundliche Keilriemenantrieb von Gates am Stand von Simpel.ch. Die Velometropole Basel inspirierte viele Anbieter dazu, vor allem ihr urbanes Sortiment in den Vordergrund zu rücken. Selbst Intercycle, eine der engagiertesten Marken im Schweizer Bikerennsport, nutzte die Twoo laut Geschäftsführer Peter Hostettler hauptsächlich, um das neue Elektrovelo BionX dem Publikum vorzustellen. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, die grosse Marktauswahl an Pedelecs und E-Bikes direkt auf der Messe auszuprobieren. Die ausgleichende Abwechslung zur starken Citybike-Dominianz an der Twoo boten die spektakulären Sprünge im Dirtpark in der Hallenmitte sowie die Trial- und Akrobaktikshows. Die zahlreichen Besucher, welche sich jeweils bei den Darbietungen scharten, zeigten, dass das Publikum sich für die ganze Bandbreite des Fahrrades begeistern konnte.
Keine Konkurrenz für die Bikedays
Dadurch, dass das Alltags- und Freizeitradsegment an der Basler Twoo den Ton angab, entstand auch die im Voraus viel betonte Abgrenzung zu den Bikedays, der zweiten Schweizer Publikumsveranstaltung der Fahrradbranche. «Die Twoo ist unsere Plattform für das Trekking- und Citybikeprogramm von Cresta und Ibex; die Zielgruppe für Giant können wir an den Bikedays ansprechen», sagt Dirk Kurek, Verkaufsleiter bei der Hersteller- und Importfirma Komenda. Er will im nächsten Jahr erneut in Kooperation mit den lokalen Händlern auf der Twoo vertreten sein und auch an den Bikedays 2009 wieder Präsenz markieren: «Die beiden Anlässe ergänzen sich sehr gut.».
Verbesserungspotential bei der Infrastruktur
Auf den Lorbeeren ausruhen darf sich die Messeleitung der Twoo allerdings noch nicht. Obwohl die meisten Schweizer Branchenvertreter einen Augenschein an der Messe genommen hatten, werden die Veranstalter weiter Überzeugungsarbeit in eigener Sache leisten müssen. Auch bei der Infrastruktur erwartet die Branche eine Steigerung. «Die Halle war düster und die Gänge ohne Teppiche wirkten lieblos. Rein von der Infrastruktur her fiel die Twoo im Vergleich zur Muba in den benachbarten Hallen unangenehm ab», fasst Peter Hostettler seine Kritik an der Hallenausstattung zusammen. Um dem interessierten Publikum gerecht zu werden, müssten auch die Testmöglichkeiten für E-Bikes und gewöhnliche Räder merklich aufgewertet werden. Sie standen flächenmässig in einem ungünstigen Verhältnis zum Dirtpark, der alleine den geübten Bikern vorbehalten war.
www.twoo.ch
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