Im Zusammenhang mit der positiven Dopingkontrolle von Jürg Graf hat Swiss Cycling aus Gründen der Glaubwürdigkeit seinem Vater Urs das Amt des Nationaltrainers entzogen. Nun stellt sich die Frage, wer als Nachfolger in Frage kommt. Über die besten Karten verfügt Beat Stirnemann, der aktuell das Amt des Junioren-Nationaltrainers bekleidet. Doch die Liste fähiger Personen ist lang.
Beat Stirnemann zeigt sich interessiert
Beim Weltcuplauf in Madrid äussert sich Beat Stirnemann gegenüber Ride interessiert am Amt. Er könne sich vorstellen, vom Junioren- zum Elite-Nationaltrainer aufzusteigen, sei aber vom Verband diesbezüglich noch nicht kontaktiert worden. Dass er aber wie Graf auch das Amt des Radquer-Nationaltrainers bekleiden werde, sei nicht wahrscheinlich. Stirnemann bringt zweifelsfrei die grösste Erfahrung und auch das fundierteste Wissen als Trainer mit. Er verfügt über die offizielle Trainer-Ausbildung, die von Swiss Olympic als Voraussetzung für die Beschickung von Nationaltrainer-Posten gefordert wird.
Kritische Worte zu Siegenthaler
Im Gespräch ist neben Stirnemann auch Nicolas Siegenthaler, der unter anderem als Trainer von Nino Schurter einen stichfesten Leistungsausweis vorweisen kann. Auch er verfügt über die nötigen Trainer-Ausbildungen und über viel Erfahrung im Mountainbikesport. Allerdings dürfte Siegenthaler – im Gegensatz zu Stirnemann – nicht von allen Athleten auf Akzeptanz stossen. Sein Fachkompetenz ist unbestritten, doch in Madrid äusserten sich einige der Spitzenathleten skeptisch zu seiner Umgangsweise und seinem Auftreten.
Erschwerend ist für Swiss Cycling die Vorgabe, für den Nationaltrainer nur ausgebildete Trainer zu berücksichtigen. Im Mountainbikesport ist diese Regelung von viel geringerer Bedeutung als in anderen Sportarten. Alle Athleten verfügen bereits über individuelle Trainer und ein Nationaltrainer hat auf den Alltag der Athleten wenig bis keinen sportlichen Einfluss. Ein Mountainbike-Nationaltrainer übt weniger die Funktion eines klassischen Trainers aus, ist dafür vielmehr eine Mischung aus Reiseleiter, Psychologe und Führungskraft.
Die beiden favorisierten Stirnemann und Siegenthaler sind nur zwei Namen einer langen Liste möglicher Kandidaten. In der Folge seien einige der meistdiskutierten Personen genannt und oberflächlich auf ihre Fähigkeit als Nationaltrainer geprüft:
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- Beat Wabel: Ehemaliger Rennfahrer (Bike, Quer) mit einem enorm hohen Wissen. Arbeitet zur Zeit als Mountainbike-Spezialist beim internationalen Radverband UCI. Vorteil: Hohes Fachwissen, allseits beliebt. Nachteil: Keine Trainerausbildung.
- Thomas Frischknecht: Die Symbolfigur des Mountainbikesports schlechthin. Sein Fachwissen ist unbestritten, heute ist er Team-Manager bei Scott-Swisspower. Vorteil: Hohes Fachwissen, allseits akzeptierte Fachperson, hohe Medienbekanntheit. Nachteil: Keine Trainerausbildung, zu geringer Abstand zu seiner eigenen Karriere, Vorwurf der Bevorteilung «seiner» Athleten Nino Schurter und Florian Vogel.
- Bruno Diethelm: Er ist einer der erfolgreichsten Mountainbike-Trainer der Schweiz und verfügt über ein ausgesprochen hohes Fachwissen. Er ist seit den Anfangjahren des Bikesports mit dabei. Nach vielen Jahren als Leiter des Athleticum-Teams ist Diethelm heute sportlicher Leiter des Deutschen Rennstalls SKS. Vorteil: Hohes Fachwissen, hohe Beliebtheit, enormer Einsatzwille. Nachteil: Zu wenig Führungs-Autorität.
- Beni Ruf: Er ist massgeblich an der erfolgreichen Karriere Petra Henzis beteiligt und führt seit vielen Jahren den Rennstall Fischer-BMC. Vorteil: Hohes Fachwissen, langjährige Erfahrung als Team-Manager und Trainer. Nachteil: Ist (noch) nicht bei allen Rennfahrern als Führungsperson akzeptiert, sehr hohe Nähe zu Petra Henzi.
- Jan Koba: Nach seinem Rückzug aus dem Rennsport wäre dieser Schritt die logische Rückkehr. Jan Koba hat mit seinem Rennteam und seiner Trainerfunktionen bewiesen, dass er dem Amt des Nationaltrainers gewachsen wäre. Vorteil: Hohe Fachkompetenz, sehr beliebt bei den Athleten, glaubwürdige Führungskraft. Nachteil: Keine Trainerausbildung.
- Andrea Clavadetscher: Clavi hat als Athlet das «Race across America» gewonnen und mit Erfolg das Amt des Marathon-Nationaltrainers besetzt. Aus Kostengründen wurde dieses Amt aufgehoben. Vorteil: Hohe Fachkompetenz, bei den Athleten beliebt und akzeptiert, Erfahrung als Coach. Nachteil: Geringe mountainbike-spezifische Renn-Erfahrung.
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Meldung vom
26. Mai 2009
(Autor:
red )
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