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Velomarkt 2008: Menge stagniert, Preise steigen

Im letzten Jahr wurden in der Schweiz praktisch gleich viele, aber teurere Velos verkauft als 2007. In dieser Saisonbilanz deckt sich die jährliche Branchenstatistik von Velosuisse mit den Zahlen der Zollstatistik, die «Ride Business» im März-Heft auswertete. Warum der Branchenverband den Velomarkt aber um einen Viertel kleiner einschätzt als die eidgenössische Zollverwaltung, ist weder transparent noch plausibel.

Wie Velosuisse in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung verkündet, wurden im vergangenen Jahr 314'784 Velos in der Schweiz verkauft, was gegenüber 2007 ein geringes Plus von 0.2 Prozent bedeutet. Den Wert aller verkauften Velos schätzt Velosuisse auf 394 Millionen Franken ein, was einen Durchschnittspreis von 1251 Franken pro Velo ergibt. Im Vergleich zu den Vorjahreszahlen bedeutet dies eine Steigerung um 6.5 Prozent. Die Schweizer kauften demnach 2008 nicht mehr, aber deutlich teurere Velos als noch 2007.

Unerklärliche Differenzen
Die Velosuisse-Statistik wird seit vielen Jahren in der Branche und darüber hinaus als Massstab genommen, um den Schweizer Velomarkt einzuschätzen. Ob die Zahlen diese Glaubwürdigkeit aber auch verdient, ist fraglich. Seit Jahren schätzt Velosuisse nämlich das Marktvolumen deutlich tiefer ein als die eidgenössische Zollverwaltung. Deren Zahlen hat das Fachhandelsmagazin «Ride Business» ausgewertet und im März-Heft veröffentlicht. Demnach weist die Zollstatistik für die Saison 2008 (gemessen von Oktober 2007 bis September 2008) 387'955 Velos importierte Velos aus. Zählt man die 46'500 Velos hinzu, welche die Schweizer Hersteller nach eigenen Angaben gebaut haben, beläuft sich der Absatz in der Saison 2008 auf insgesamt 434'455 Velos – knapp 120'000 Exemplare oder über ein Drittel mehr als in der Velosuisse-Statistik.

Der Verband Schweizer Velohersteller und –Importeure erklärt nicht, warum seine eigenen Zahlen so stark von der öffentlich einsehbaren Zollstatistik abweichen. Argumente, die der frühere Velosuisse-Präsident Gallus Komenda zur Erklärung seiner Statistik anführte, wirken wenig plausibel. Die Differenz lässt sich weder mit Kindervelos und Privatimporten, noch mit Lagerdifferenzen und Wiederexporten ausreichend erklären. Und auf eine mögliche Ungenauigkeit der Zollzahlen lässt sich die Differenz erst recht nicht zurückführen, denn tendenziell ist die Zollstatistik eher zu tief bemessen als zu hoch. Niemand gibt an der Grenze mehr zum Verzollen an, als er effektiv importiert.

Unterschätzte Grossverteiler
Unter dem Strich bleibt Velosuisse die Erklärung also schuldig, warum der Velomarkt so deutlich kleiner sein soll als in den Statistiken des Bundes. Die Glaubwürdigkeit der Verbandszahlen leidet zusätzlich, wenn man ihre Erhebungsmethode betrachtet. Nach eigenen Abgaben befragt Velosuisse die eigenen Mitglieder (rund 30 von insgesamt mehr als 200 Lieferanten des Schweizer Velofachhandels) nach deren Absatzzahlen und schätzt an Vorstandsversammlungen das Volumen übrigen Marktteilnehmer ein. Dazu gehören auch die Grossverteiler und Sportfachmärkte, welchen Velosuisse mit einem bescheidenen Marktanteil von rund 29.5 Prozent oder 92'989 Velos einschätzt. Fragt man aber bei diesen Firmen aber selbst nach, sehen die Zahlen anders aus: Alleine die bekannten Grossverteiler Migros, Athleticum, Ochsner, Coop und Jumbo bringen es auf mehr als 120'000 Velos, weitere grosse Verkäufer wie Dosenbach, Conforama und Landi sind da noch nicht berücksichtigt. Würde Velosuisse die Grossverteiler nach deren Angaben und nicht den eigenen Einschätzungen beurteilen, würde sich die Verbandsstatistik den Zollzahlen deutlich annähern.

Eigenlob mit Risiken
Offen bleibt die Frage, warum Velosuisse dies nicht tut. Der Verband hat wie jede andere Person die Möglichkeit, bei der eidgenössischen Zollverwaltung die Daten anzufordern und die Vorstandsmitglieder wissen aus der Erfahrung müssten aus ihrem eigenen Geschäftsalltag als Veloimporteure wissen, wie diese Zahlen zu interpretieren sind. Möglich wäre aber, dass der Verband kein Interesse daran hat, die effektiven Zahlen zu verbreiten. Nach den eigenen Erhebungen bedrohen die Grossverteiler den Fachhandel und seine bei Velosuisse organisierten Lieferanten nicht. Der Händler und seine Lieferanten müssen demnach nichts unternehmen, um sich gegen einen starken Mitbewerber zu behaupten, sondern können weiterarbeiten wie bisher. Das ist im Moment angenehm, auf längere Zeit aber gefährlich. Denn die Grossverteiler sind heute schon schlagkräftige Mitbewerber mit starkem Marketing und gut gefüllten Einkaufs- und Entwicklungskassen. Und sie werden mit Sicherheit versuchen, dem Fachhandel noch weitere Marktanteile im Veloverkauf abzujagen.


Meldung vom 02. März 2009 (Autor: red )
 

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