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Schnäppchenjäger freuen sich vergebens: Obwohl der Dollar auf einem historischen Tiefststand rumdümpelt, werden Bikes nicht günstiger. Zwar rechnen fast alle Velohersteller mit ihren Lieferanten in Fernost in der US-Währung ab, doch der Kunde im Velogeschäft spürt im Moment davon wenig. Und für die Zukunft kündet die Branche sogar steigende Preise an.
Eigentlich müssten die Wechselkurse ja günstig sein für Biker. Innert einem Jahr hat der US-Dollar mehr als zehn Prozent seines Wertes verloren. Da die hiesigen Velohersteller und –Importeure ihre Lieferanten in Fernost in der amerikanischen Währung bezahlen, sollte man annehmen können, dass die Velos in dieser Saison auch etwa ein Zehntel billiger sind oder beim gleichen Preis zumindest mit hochwertigeren Teilen versehen sind. Vergleicht man jedoch die Preise der diesjährigen Modelle mit denen des Vorjahres, verflüchtigt sich die Hoffnung rasch: Weder das Eine noch das Andere trifft zu.
Steigende Einstandspreise fressen Kursgewinne
Die Hersteller begründen ihre unveränderten Preise gleich mit mehreren Argumenten. Ein wichtiger Grund dafür sind die steigenden Herstellungskosten. «Die hohen Rohstoffpreise für Stahl, Aluminium und Gummi lassen die Einkaufspreise in die Höhe schnellen. Rechnet man dies mit den sinkendem Kursen auf, bleiben die Preise gleich oder fallen sogar höher aus», sagt Patric Schmidlin von Scott Sports. Auch spürt die Bikebranche den Einfluss des explodierenden Ölpreises auf die Transportkosten. Die Reise eines Schiffscontainers von China nach Europa ist heute beinahe doppelt so teuer wie noch vor einen Jahr.
George Merahtzakis, Geschäftsführer vom GT-Importeur Velobaze AG nennt auch noch betriebswirtschaftliche Gründe, die für die stabilen Preise verantwortlich sind: «Als wir im letzten Herbst unsere Preise für die neue Saison kalkulierten, lag der Dollarkurs bei Fr. 1.20, und wir konnten nicht darauf zählen, dass der Kurs so stark fällt. Er hätte gerade so gut auch wieder steigen können, und in diesem Fall wäre es auch nicht möglich gewesen, die Preise anzupassen.» Auch er verweist aber darauf, dass die Kursgewinne unterdessen durch die steigenden Rohstoff- und Transportkosten bereits wieder zu Nichte gemacht wurden.
Teurere Velos ab nächstem Jahr
Wirtschaftsanalysten rechnen damit, dass die Rohstoff- und Energiepreise im laufenden Jahr noch weiter ansteigen werden. Ab der nächsten Saison müssen Bikekäufer deshalb damit rechnen, dass sie noch tiefer in die Tasche greifen müssen als bisher. Teurer werden vor allem die günstigen Bikes, kündigt Patric Schmidlin an: «Bei den Einsteigerbikes wird nach wie vor viel Stahl verbaut. Hier schlagen sich die steigenen Kosten besonders deutlich im Verkaufspreis nieder, weil das Material wertmässig einen viel höhreren Anteil am Gesamtpreis hat». Steigen werden aber auch die Arbeitskosten. Seit China Anfangs Jahr ein neues Arbeitsgesetz mit 40-Stunden-Woche, Überstundenzuschlägen und Sozialversicherungsabgaben in Kraft gesetzt hat, sind die Lohnkosten in den chinesischen Rahmenfabriken um rund fünfzehn Prozent gestiegen. Auch wenn der Dollar weiter sinken sollte, lassen sich diese zusätzlichen Kosten nicht mehr über den Wechselkurs abfedern. «Unsere Lieferanten in Fernost haben damit begonnen, Rechungen in Euro zu stellen, um ihr eigenes Risiko zu verringern», sagt Bike-Produktmanager Peter Züst vom Felt-Importeur Amsler.
Aufschläge im zweistelligen Bereich
Obwohl bereits klar ist, dass die Preise im nächsten Jahr steigen werden, will sich noch niemand festlegen, um wie viel. Grosse Hersteller, die üblicherweise im Mai bereits alle Modelle für das kommende Jahr fertig kalkuliert haben, zögern noch damit, genaue Preise bekanntzugeben. Auch Steven Jonckheere von BMC kann noch keine verbindlichen Zahlen nennen. Nach seiner Prognose sind aber Preiserhöhungen von zehn bis zwanzig Prozent im Vergleich zu diesem Jahr durchaus möglich. Gestützt wird seine Vermutung durch die Ankündigungen von Shimano. Anders als die Velohersteller hat der Komponentengigant bereits sehr konkret die Preisaufschläge für das nächste Jahr bekanntgegeben. Vor wenigen Wochen erfolgte bereits die zweite Preiserhöhung für dieses Jahr um weitere zwei bis fünf Prozent.
Spätestens zur Eurobike Anfang September werden die Zahlen aber auf dem Tisch liegen. Dann wird auch klar sein, welche Hersteller ihre Preise erhöhen werden und welche auf günstigere Komponenten zurückgreifen, um ihre Preise zu halten. Sicher ist zur Zeit erst, dass Käufer im nächsten Jahr weniger Bike für ihr Geld erhalten werden.
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