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Thömu Binggeli als Swiss Cycling-Geschäftsführer?

Vor wenigen Tagen wurde bekannt gegeben, dass der Swiss Cycling-Geschäftsführer Lorenz Schläfli den Verband auf Ende Jahr verlassen wird. Gegenüber Ride hat er sich nun zum ersten Mal zurSituation des Verbands und zu seiner eigene Lage geäussert und blickt kritisch auf seine Zeit an der Verbandsspitze zurück. Die Zukunft von Swiss Cycling sieht Schläfli vor allem in der Bildung Gemeinschaften.

Was ist genau der Hintergrund deines Abgangs bei Swiss Cycling?
Es gibt verschiedene Gründe. Ich war vier Jahre lang Geschäftsführer. Ich glaub, das ist einsamer Rekord. Es ist ein extrem anstrengender Job. Du bist immer der Mittelpunkt aller Kritik, das ist sehr anstrengend. Ich habe den dritten Präsidenten innert vier Jahren, uns gehts finanziell nicht so gut und ich habe das Gefühl, das es jetzt an der Zeit ist, dass jemand anderes das Ruder übernehmen sollte. Vielleicht gibt mein Abgang auch neuen Schwung, vielleicht gehts dann plötzlich besser.

Haben die Abgänge im Vorstand und der Abgang von Nicola Conti als Technischer Leiter einen Zusammenhang mit deiner Kündigung?
Es ist einfach eine zusätzliche Belastung. Man muss einen neuen Technischen Leiter einarbeiten. Auf Dauer ist das extrem anstrengend. Und solche Abgänge sind immer sehr negativ, das schlägt auf die Stimmung.

Dann kannst du froh sein, hier an der WM zu sein. Mit all den sportlichen Erfolgen.
Ja, das ist super. Aber das bist ja dann nicht du. Der Erfolg gehört den Athleten und den Trainern. Wir sind die Funktionäre, wir sind nicht primär für den Erfolg verantwortlich.

Swiss Cycling hat den Abgang von drei Vorstandsmitgliedern, des Technischen Leiters und des Geschäftsführers zu beklagen. Der Verband befindet sich in einer schwierigen Situation. Wie siehst du die Lage des Verbands?
Das wichtigste ist, den Verband finanziell zu stabilisieren. Wenn Geld vorhanden ist, ist der Druck und sind die Spannungen weg und alles wird viel einfacher. Es könnte sein, dass es durch die Abgänge in Vorstand und Geschäftsstelle jetzt plötzlich zu Geldflüssen kommt. Das ist durchaus möglich. Primär wäre es einfach gut, dass der Verband Geld hat. Was man aber auch betrachten muss, ist die Quelle des Geldes. Eigentlich sollte das Geld über Mitgliederbeiträge und über Sponsoring eingespielt werden. Ist dem nicht so, wird es relativ gefährlich.

Das Problem liegt vor allem in den fehlenden Sponsoren.
Wir haben hier das Problem, dass wir im Verhältnis zu anderen Sponsoring-Plattformen wenig anbieten können. Wir können nur Markenpräsenz im Umfeld der Nationalmannschaft anbieten. Wir haben keine Rennen mehr, wir haben keinen Zugriff mehr auf die Rennen, wir haben keine Plattformen, wir haben keinen VIP. Für das war die Tour de Suisse ideal. Man hätte mindestens einen Teil dieser Möglichkeiten behalten sollen um Sponsoren reinzuholen. Sponsoring ist halt heute immer stärker ausgelegt auf solche Plattformen, nicht mehr nur auf die Logopräsenz alleine. Unter diesen Umständen sehe ich die Finanzierung von Swiss Cycling über Sponsoren als sehr schwierig an.

Wie kann sich der Verband aus den finanziellen Schwierigkeiten manövrieren?
Man muss neue Felder auftun. Vor allem der Breitensport muss besser verkauft werden, hier muss man Plattformen schaffen. Man muss den Gemeinschaftssinn des Velofahrens wieder ansprechen.

Und das alleine soll mehr Mitglieder generieren?
Man muss eine Leistung daran binden. Nur Mitglied zu sein, reicht heute nicht mehr. Das war früher so. Auch unsere Leistungen über das Checkbuch, das reicht heute bereits auch nicht mehr. Wir haben einen guten Rücklauf, aber diese Rabatte sind in Sachen Mitgliedermarketing nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Heute gibt es zu viele dieser Vergünstigungs-Angebote.
Wir müssen mehr Gemeinschaftssinn aufbauen, da sollte die künftige Verbandsführung ansetzen. Dieser Gemeinschaftssinn ist da, man muss einfach irgendwie den Verband darin involvieren.

Sind aber nicht gerade die Mountainbiker ein Beispiel für Velofahrer, die sich nicht in Clubs vereinigen wollen?
Da bin ich anderer Meinung. Sie meinen, sie seien Individualisten, eigentlich sind sie aber fast das Gegenteil davon. Sie haben alle das gleich an, sie gehen an die gleichen Orte, fahren alle auf Singletrails, usw. Das sind eigentlich keine Individualisten.

Und Thomas Binggeli mit «Thömus» machts vor, wie es gehen kann.
Ganz genau. Im Sinn von: Ich bin Individualist, habe aber gleichzeitig einen Thömus-Dress an. Thomas Binggeli würde als Swiss Cycling-Geschäftsführer diesen Punkt perfekt beherrschen. Der hat auch eine Gabe dazu, ich hab das zum Beispiel nicht. Das kann man mir vorwerfen, Thömu könnte das perfekt.

Wie siehst du deine eigene Zukunft?
Eigentlich würde ich noch gerne im Radsport bleiben, ich finde es ein spannendes Umfeld.

Du wurdest bewusst als Radsport-Externer zu Swiss Cycling geholt. Sollte dein Nachfolger wieder vom Fach sein oder ist es besser, auf externe Personen zu setzen?
Es ist als Externen extrem schwierig. In gewissen Bereichen wurde ich nie anerkannt. 'Der kann keine Ahnung haben, unsere Sportart ist so kompliziert.' Das ist ein grosses Problem. Wenn man aber einen Fachmann holt, kann es zu Grabenkämpfen zwischen den einzelnen Disziplinen kommen. Es wäre wohl am einfachsten, wenn man jemanden aus dem Mountainbikesport nehmen würde. Aber ich bin nicht sicher, was dies im anderen Lager würde bewirken.


Meldung vom 06. September 2007 (Autor: red )
 

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