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Swiss Cycling will ganz neue Strukturen

Die Delegiertenversammlung 2009 des Schweizer Radverbands Swiss Cycling hat gezeigt: Während die Verbandsführung mit ihrem Sanierungsplan den Weg der Verbandsgesundung angetreten hat und bereit für einscheidende Massnahmen ist, harzt es an der Basis. Den Verbandsdelegierten fehlen Quantität und Qualität.

Der Schweizer Turnverband legt 400'000 Mitglieder vor, die Fussballer melden fast ebenso viele dem Verband angeschlossene Sportler oder nicht weniger als 200'000 Schützen bezahlen ihrem Verband eine jährliche Mitgliedergebühr. Wir Radsportler spielen da in einer tieferen Liga: Mit nur 17'000 Mitglieder ist Swiss Cycling geradezu ein Mikroverband – und kämpft entsprechend mit den Finanzen. Seit Jahren versucht Swiss Cycling vergebens, seine Mitgliederbasis deutlich zu erweitern und sich dadurch finanziell auf eine gesunde Basis stellen zu können. Eine wesentliche Mitgliederzunahme kann man auch im Jahr 2008 nicht verkünden. Der letztlich versuchte Ansatz, über die Veloclubs zusätzliche Mitglieder akquirieren zu können, ist ebenso gescheitert wie alle Anstrengungen zuvor.


Swiss Cycling braucht eine neue Basis

An der Delegiertenversammlung von vergangenem Samstag kündet Verbandspräsident Melchior Ehrler nun aber einschneidende Massnahmen an. Man wolle innerhalb eines Jahres die Strukturen des Verbands genau überdenken und das Verbandsfundament von Grund auf neu aufbauen. Swiss Cycling ist heute vor allem über die angeschlossenen Veloclubs strukturiert – die unterdessen selber nicht mehr genügend Mitglieder rekrutieren können. Bereits heute sind deshalb über die Hälfte aller Swiss Cycling-Mitglieder direkt dem nationalen Verband angeschlossen und verzichten auf das Mitwirken im lokalen Veloclub. Radfahren ist unter anderem eine Ausdrucksweise von Individualität, das traditionelle Vereinsleben gehört der Vergangenheit an. Swiss Cycling muss diesem gesellschaftlichen Wandel gerecht werden und seine Strukturen auf ein grundlegend neues Fundament legen. Wie ein solches aussehen soll, will Ehrler in einem Jahr an der Delegiertenversammlung 2010 präsentieren können.

Dass eine massive Kurskorrektur in den Strukturen des Verbands notwendig ist, widerspiegelte die hiesige Delegiertenversammlung: Nur gerade 62 stimmberechtige Delegierte fanden den Weg nach Ittigen. Und wäre man nicht eingeweiht gewesen, man hätte sich an einer Jahresversammlung von «Pro Senectute» wähnen können. Die entscheidungstragende Mitgliederbasis von Swiss Cycling ist überaltert und die Voten einzelner Delegierten waren von bedenkenswert konservativer Grundhaltung. Von einem frischen Geist und einer progressiven Denkweise ist die Verbandsbasis weit entfernt. Jüngere Radfahrer und insbesondere Vertreter des Mountainbikesports suchte man an der Delegiertenversammlung vergebens.

Sanierung ist auf gutem Weg, bringt aber viele Opfer

Frischerer Wind weht dafür bei der operativen Führung Swiss Cyclings. Präsident Melchior Ehrler und Geschäftsführer Viktor Andermatt können bei der Verbandssanierung zuversichtliche Zahlen liefern. Man budgetiert für das Jahr 2009 einen Gewinn von 300'000 Franken und will damit bis im Jahr 2012 die Schuldenlast von 1.4 Millionen abbauen. Zudem kündigte Andermatt an, in den nächsten Wochen neue Sponsoren präsentieren zu können und damit zusätzlich 250'000 Franken in die Verbandskassen einspielen zu können. Dazu haben die Verbandsdelegierten den Antrag angenommen, den Mitgliederbeitrag auf das Jahr 2010 um 20 Franken zu erhöhen. Von der Beitragserhöhung fliessen dabei 13 Franken in die Verbandssanierung, je ein Franken erhalten die sieben nichtolympischen Radsportdisziplinen innerhalb Swiss Cyclings.

Gerade der Spitzensport wird aber die Verbandssanierung in den nächsten Jahren deutlich zu spüren bekommen – auch die medaillenverwöhnten Mountainbiker. So stehen Weltmeisterschaften in Australien (2009) und Kanada (2010) an sowie die Europameisterschaften 2010 in Israel, allesamt für Swiss Cycling enorm kostspielige Destinationen. Auf die grosszügigen WM-Delegationen wie in den letzten Jahren werden die Mountainbiker verzichten müssen, insbesondere die Nachwuchskategorien  und die Abfahrtsdisziplinen dürften den Rotstift bitter zu spüren bekommen.

Letzter Auftritt René Walkers als Vorstandsmitglied

Die Delegiertenversammlung in Ittigen war René Walkers letzter Auftritt als Vorstandsmitglied von Swiss Cycling. Aus beruflichen Gründen hat Walker auf die Fortführung seines Engagements für den Radverband verzichtet. Er war für die Mountainbiker im Vorstand eine wichtige Person und ist immer wieder durch unkonventionelle Ideen und Strategien aufgefallen. Walker ist Kommunikationsverantwortlicher bei «Thömus Veloshop» und wird sein Engagement für den Velosport nun ausschliesslich über seine berufliche Position einbringen.


Meldung vom 08. März 2009 (Autor: red )
 

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