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Während der Radsport mit dem Landis-Skandal ein weiterer herber Rückschlag einstecken musste, scheint man sich auf der Stufe der Volksrennen um die Doping-Problematik wenig zu kümmern. Beim 24-Stunden-Rennen in Schötz startete die wegen Epo-Missbrauch immer noch gesperrte Triathletin Brigit McMahon und siegte in der Kategeorie Mixed. Das wirft eine ernsthafte Frage auf: Sollen gesperrte Sportler an Breitensportanlässen teilnehmen dürfen?
Kurzsichtige Veranstalter? «Eine Teilnahme an Breitensportanlässen kann für gesperrte Athleten nicht zwingend verboten werden», erklärte Matthias Kamber, der Leiter des Fachbereichs für Dopingbekämpfung im Bundesamt für Sport (BASPO) gegenüber der Nachrichtenagentur Sportinformation. Es ist jedoch ein schwacher Zug von Veranstaltern, gesperrte Sportler am Start zuzulassen. Es ist nicht einzusehen, warum eine Doping-Sperre nur für Rennen der Elite-Kategorien gelten soll. Schliesslich ist ein wichtiger Grundpfeiler der Dopingbekämpfung die Prävention des Medikamentenmissbrauchs im Breitensport. Und genau hier sollen die überführten Sportler weiterhin starten dürfen? Während man im Spitzensport darüber diskutiert, gedopte Fahrer lebenslang zu sperren, schiessen Breitensportanlässe mit solchen kurzsichtigen Vorgehen in die entgegen gesetzte Richtung.
Nicht einsichtige Sportler Es ist aber ein genauso schwacher Zug des gesperrten Sportlers selbst. Wer sich mit Epo in den Blutadern erwischen lässt, der soll anschliessend auch zu seinem Verdikt stehen und die Strafe «absitzen». Dass McMahon während ihrer Sperre weiterhin an Wettkämpfen teilnimmt, zeugt nicht eben von viel Einsicht in Sachen Doping. Die fehlende Einsicht zeichnete sich bei McMahon aber schon anlässlich ihrer Pressekonferenz vor einem Jahr ab, als sie ihre Epo-Bezugsquellen nicht nannte und kurze Zeit später schon wieder ihre Rückkehr in Aussicht stellte.
Kaum grössere Einsicht bei den Mountainbikern Das gesperrten Sportlern oft die Einsicht über die Tragweite ihres Tuns fehlt, zeigte sich im Bikesport auch bei Filip Meirhaeghe, der nach seinem positiven Epo-Befund und einer hängigen aber absehbaren Sperre weiterhin an Weltcuprennen auftauche (im Dress des Weltmeisters...) und in Erwägung zog, beim Weltcup-Finale im Downhill-Rennen zu starten. Was er unter lautem Protest der Downhiller dann nicht tat. Heute ist Meirhaghe nach seiner zweijährigen Sperre zurück im Rennsport, erzielte Anfang Saison einige respektable Resultate, fährt heute aber weit hinten rein (Rang 37 an den Europameisterschaften). Schlimmer kam es nur noch mit Erwin Bakker, der im Jahr 2005 des Epo-Missbrauchs überführt wurde. Der Holländer startete dieses Jahr unter dem Namen seines Bruders an Bikerennen...
Lebenslange Sperre werden durch solche Verhalten unumgänglich Es bleibt zu hoffen, dass im Radsport in Sachen Doping endlich konsequent durchgegriffen wird. Und dieses Durchgreifen darf sich nicht ausschliesslich auf harte Kontrollen durch die Verbände beschränken. Will sich der Radsport endlich aus diesem tiefen Sumpf befreien, braucht es Engagement aller Seiten. Dass Breitensport-Anlässe gesperrte Athleten starten lassen, ist kurzsichtig, verwerflich aber schwer zu unterbinden - schliesslich dürfen auch Doper weiterhin Sport betreiben. Es bleibt hier nichts anderes, als an die Vernunft und sportliche Weitsicht der Veranstalter zu appellieren. Dass Sportler wie McMahon, Meirhaeghe und Bakker so wenig Einsicht betreffend ihrem Verhalten zeigen, unterstützt die nach der diesjährigen Tour de France immer lautere Forderung, gedopte Athleten lebenslang zu sperren.
Nachtrag 10. August 2006: Unterdessen hat sich auch der Blick dem Thema angenommen. Gemäss der Tageszeitung habe Swiss Olympic die ehemalige Triathletin gerügt wegen «illegaler Teilnahme an Volksläufen». Nehme eine Athletin trotz Sperre an einem Wettkampf teil, verstosse sie gegen das Reglement und missachte die Sperre, ist von Swiss Olympic zu vernehmen. Sanktionen seien für solche Fälle aber keine vorgesehen, man ziehe aber auf kommendes Jahr in Betracht, dies zusammen mit der Weltdoping-Agentur. McMahon habe nur ein bisschen Fun haben wollen und deshalb an den Wettkämpfen teilgenommen. Nur: Blick fand heraus, dass McMahon für das Jahr 2006 beim Schweizer Triathlon-Verband eine Lizenz beantragt hat.
Kommentar: Thomas Giger
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