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Hermida: «Schurter ist ein Killer, Vogel ein Anarchist»
Am Samstag geht José Hermida als Titelverteidiger ins Cross-Country-Rennen bei den Weltmeisterschaften in Champéry ins Rennen. Der Spanier gehört seit über zehn Jahren zur Weltspitze, und er verkörpert wie nur wenige die Kultur des Mountainbike-Sports. Ride hat mit Hermida über seine Chancen, seine Konkurrenten und einige andere Feinheiten seiner Karriere gesprochen. Weiterlesen-Link

José, vielleicht sind das die letzten Tage als Weltmeister.
Vielleicht, vielleicht. Es ist fast ein Jahr und es fühlt sich an, als wäre es vergangene Woche gewesen.

Sind die Emotionen noch präsent?
Ja, die sind noch präsent, ganz sicher. Das war ein Highlight in meinem Leben, in meiner Sportkarriere. Es war ein sehr kurzes Jahr, für meine Gegner war es vielleicht ein langes Jahr, im Warten auf die nächste Chance. Vielleicht sind es meine letzten Tage als Weltmeister, vielleicht ist es aber auch der Beginn eines weiteren Jahr in den Regenbogenfarben (grinst). Ich habe mich auf diese Woche vorbereitet. In den letzten Rennen war meine Form gut, speziell in Nove Mesto. Im Val di Sole war ich müde vom Training.

Das war für dich keine Überraschung?
Nein, das war keine Überraschung. Das war Teil des Spiels. Klar wäre ich gerne aufs Podium gefahren, aber es war okay. In der Gesamtwertung bin ich Vierter. Ich denke an die WM. Mal sehen wie es geht.

Letztes Jahr hast du dich zum ersten Mal ganz konkret auf die Weltmeisterschaften ausgerichtet.
Ja. Meine ganze Karriere war ich ein Fahrer, der über die gesamte Saison eine stabile Leistung gebracht hat. Und ich hatte viel Erfolg. Ich war früher nicht bereit, Weltcups zu opfern, um Weltmeister zu werden. Ich war oft bei den Weltcups stark, aber zwei Wochen später bei der WM war ich dann am Limit. In Canberra 2009 habe ich ein bisschen gelernt, wie ich es machen muss, beides zusammen zu bekommen. Damals war ich Vierter. Letztes Jahr habe ich das Gleiche gemacht, jetzt weiss ich, wie das geht, wie ich es handhaben muss. Ich war immer gut bei den Europameisterschaften, die habe ich ein wenig geopfert. Früher war ich top bei der EM und wurde dann immer müder. Jetzt bin ich bei der EM in Normalform und baue darauf auf. Mal sehen, ob es wieder klappt.

Ist das auch ein Test für die Olympischen Spiele in London?
Du entdeckst mehr oder weniger mein Geheimnis für die Olympischen Spiele (lacht). Mein Trainer meinte letztes Jahr, es wäre vielleicht ein gutes System für Olympia. Meine Antwort war: Lass mich mal den Titel geniessen und wir denken in zwei Jahren darüber nach. Aber tatsächlich sind wir jetzt nicht mal mehr ein Jahr von Olympia entfernt und die Weltmeisterschaften können wirklich ein Test sein dafür.

Du bis jetzt die elfte Saison in Folge unter den besten Fünf im Weltcup.
Ja, und im Jahr 2000 als U23-Fahrer war ich Achter. 2001 war ich Zweiter, sieben Punkte hinter Roland Green. Seit da, war ich immer auf dem Podium.

Du hast aber nie gewonnen.
Nein, oft Zweiter hinter Absalon, oder hinter Christoph Sauser. Dritter, Vierter, letztes Jahr Fünfter. Dieses Jahr wollte ich gewinnen. Nach Pietermaritzburg war ich zuversichtlich, aber dann hatte ich eine schlechte Phase. In Dalby und in Offenburg wusste ich nicht, was los war. Ich hatte heftige Allergie. Ich habe mich müde gefühlt. Ich habe mehr trainiert, weil ich dachte, es ist die Form. Ich bin noch müder geworden, weil es im Grunde die Allergie war.

Das kann auch einem so erfahrenen Sportler wie dir passieren?
Ja. Die Allergien gehören dazu. Manchmal ist es nicht so schlimm, aber dieses Jahr habe ich sehr darunter gelitten. Außerdem hatte ich andere Probleme. In Offenburg hatte ich einen Platten als ich in der Spitzengruppe war, in Dalby hat es mir das Schaltwerk rein gezogen. Da war ich nicht in Topform, aber in Offenburg hätte es für das Podium reichen können. Diese beiden Rennen haben mir wichtige Punkte genommen und wir mussten uns neu entscheiden.

Das war der Punkt, als du deine Ausrichtung verändert hast?
Ja. In dieser Phase haben wir den Weltcup ein wenig gestrichen und uns auf die Weltmeisterschaften konzentriert.

Alle konzentrieren sich auf die Olympischen Spiele, du nicht?
Vielleicht ist das die Chance, den Gesamtweltcup zu gewinnen, wenn die anderen nicht so sehr darauf achten. Im Ernst, 2012 wird ein sehr harter Weltcup weil sich viele Fahrer noch für Olympia qualifizieren müssen.

Bist du schon qualifiziert für Olympia?
Nein. Im Januar fängt bei uns die Qualifikationsperiode an und geht bis im April oder Mai. Wir haben noch nicht einmal die Kriterien. Im Januar fängt es an und dann geht es los. Das ist hart, auch für mich.

Du machst nach 2012 weiter?
Ja, ich denke, ich habe noch drei, vier Jahre in meinen Beinen. Ich weiss nicht auf welchem Niveau. Aber ich denke, im Cross-Country habe ich zwei, drei Jahre in meinen Beinen.

Du sagst Cross-Country. Gibt es andere Optionen?
Ja. Ich könnte in Zukunft zum Marathon wechseln, oder andere Konzepte fahren. Als ich mit Cross-Country angefangen habe, da war es hart, aber jetzt ist es noch härter. Die Rennen sind kürzer. Jetzt kommen junge Fahrer mit dem Cross-Country-Gen. Die sind als Cross-Country-Fahrer geboren. Sie springen, sind explosiv, sie sind technisch gut, die sind echte Cross-Country-Fahrer. Das ist gut für unseren Sport. Jetzt ist es hart, speziell in der Schweiz. Im Val di Sole waren sieben Schweizer in den Top-Ten. Da geht es nicht mehr nur darum, dass sie keine sechs anstatt drei Fahrer zu Olympia schicken dürfen. Bei denen geht es schon darum, dass sie keine zwölf Fahrer zu den Weltmeisterschaften schicken dürfen.

Die Schweizer Dominanz bei den Herren, was ist aus deiner Sicht der Grund dafür?
Das ist wie einst bei den Österreichern mit dem Ski Alpin oder den Deutschen beim Biathlon. Die Leute haben ein so hohes Niveau, dass die Junioren mit einem Niveau rein kommen, das eine Stufe höher ist, als in den anderen Ländern. Ein Junior aus der Schweiz ist wie ein U23-Fahrer in Spanien. So ist das. Eine Stufe höher. Sicher haben auch der Racer-Bikes-Cup und Personen wie Andi Seeli und Thomas Frischknecht viel dazu beigetragen. Ausserdem haben sie die Stars nicht verloren. Die großen Schweizer sind nicht ins Ausland gegangen, um zu fahren. Sie waren für die Jungen präsent, sie konnten gegen die Alten fahren. Flückiger, Schurter und so weiter, die konnten gegen Frischknecht oder Sauser Rennen fahren. Das System ist gut organisiert. Das Lustige dabei ist, dass der Schweizer Verband kein Geld hat. Erfolg ist also keine Frage des Geldes. Es geht um die Leidenschaft und die Philosophie. Ich sage auch von mir, dass ich von der Frischknecht-Schule komme.

Du bist von der Frischknecht-Schule? Wie meinst du das?
Meine Referenz war immer Thomas Frischknecht. Wenn du meine Rennen anschaust, dann siehst du, dass ich bei schlechtem Wetter besser bin. Für einen Spanier ist das nicht typisch. Auf eine bestimmte Art war Frischknecht mein Spiegel, in den ich geschaut habe. Okay, ich gehe nicht wie er (lacht). Ich habe seine Gangart nicht kopiert, wie Florian Vogel und Nino Schurter (lacht). Nein, im Ernst: Ich habe ihn nicht kopiert, aber den Fahrstil von Frischi habe ich so gut wie möglich adaptiert. Und es ist ein erfolgreicher Stil, es ist «Frischi’s School».

Die Schweizer sind deine Hauptkonkurrenten, mal von Kulhavy und Absalon abgesehen. Könntest du sie in ein, zwei Sätzen mal charakterisieren? Nino Schurter zum Beispiel.
Nino ist ein Ice-Rider. Er ist wirklich ein netter Typ, aber im Rennen ist er sehr kühl. Er ist hundert Prozent. Er fühlt nichts. Er ist ein Killer.

Florian Vogel?
Vogel ist anarchisch. Er ist «Frischi’ School», aber anarchisch. Er kann alles machen oder nichts.

Julien Absalon?
Er ist ein Matador, wie ein Torrero. Im letzten Moment sticht er zu. Er kann das ganze Rennen leiden, aber im richtigen Moment sticht er zu und das Rennen ist erledigt für dich. Er gibt dir keine zweite Chance, er ist ein Matador.

Jaroslav Kulhavy?
Er ist ein nächster Schritt in unserem Sport. Viele sagen, er ist zu schnell, aber ich bin stolz, Kulhavy in unserem Kreis zu haben. Er hat einen neuen Level in unseren Sport eingeführt. Absalon hat einen neuen Level gebracht. Er hat ein hohes Level eingeführt, für vier Jahre. Jetzt ist Kulhavy weiter weg. Ich habe Absalon nie Rennen gewinnen sehen auf diese Art, mit dieser Überlegenheit. Von Anfang an. Das ist gut für uns.

Aber nicht gut für dich, oder?
Ich hatte meine Chancen in der Vergangenheit und ich habe sie immer noch. Man darf nie böse auf seine Konkurrenten schauen. Ich denke, du musst sie respektieren und du musst sie als eine Möglichkeit anschauen, dich selbst zu verbessern. Kulhavy hat einen grossen Schritt gemacht. Aber für mich ist das sicher positiv. Für Specialized ist das gut, für Tschechien auch. Ich bin wirklich interessiert, wie er das gemacht hat. Für mich ist das eine Motivation.

Was macht Kulhavy so stark?
Ich denke, für ihn ist das 29er ein Glücksfall. Für seine Grösse, für seinen Stil, es ist das perfekte Bike für ihn.

Wie würdest du seinen Stil beschreiben?
Sein Stil ist eigenartig. Er sieht aus, als würde er langsam fahren, aber schliesslich kann er dich vom Hinterrad abschütteln. Er pedaliert sehr ruhig, ohne Bewegung im Oberkörper, aber das Tempo ist sehr hoch. Er macht keine Show, aber er ist schnell. Das ist ein eigenartiger Stil. Wenn ich einen Vergleich machen müsste, dann würde ich ihn mit Roger Federer vergleichen. Eleganz, kein Showman, kein Drumherum. Aber am Ende holt er die Punkte. Kulhavy ist ein bisschen Federer. Nicht wie Nadal oder Djokovic. Keine extra Bewegungen, nur das Nötigste und auf hohem Niveau gewinnen.

Was sagst du über Christoph Sauser. Seit mehr als zehn Jahren ist er dein Konkurrent.
Susi ist ein Retrostyle-Fahrer. Wie ich. Er ist ein sehr kluger Kerl, ein ruhiger Fahrer, entspannt, lebt in den Bergen, Swiss-Style eben. Er ist methodisch, hat ein System und ist sehr fokussiert auf das, was er tut. Auf dem Bike, beim Training, bei der Ernährung. Ein bisschen wie ich. Wir sind nun 15 Jahre im Weltcup. Er ist immer noch da. Er hat die Fähigkeit, sich immer wieder anzupassen. Es ist lustig, 2008 wurde er Weltmeister, dann hat er nachgelassen und jeder dachte, Susi wendet sich dem Marathon zu. Aber dieses Jahr kam er zurück im Cross-Country. Das verlangt viel Respekt. Für viele Fahrer sollte er ein Beispiel sein. Als wir begannen, da waren die Rennen zweieinhalb Stunden lang, mit Runden von zehn Kilometern und mehr. Jetzt haben wir Weltcups mit 1:25 Stunden. Es ist bemerkenswert, wie man es mit Leidenschaft erreichen kann, seinen Körper anzupassen.

Dein Teamkollege Ralph Näf muss auf die WM verzichten. Vermisst du ihn?
Ja, sehr. Für mich ist er ein wichtiger Teil beim Training, speziell wenn ich nicht zuhause bin. Wir sind ein gutes «Duo Infernale». Für das Training, für die Atmosphäre, im Hotel. Dieses Jahr war hart für ihn. Wenn du gesundheitliche Probleme hast, von denen du die Ursache nicht genau kennst, dann ist das für einen Sportler sehr schlimm. Nach eine Unfall weisst du, was du hast und weißt, wie lange es dauert, bis du zurück bist. Aber so lebst in einem dunklen Raum und versuchst was zu finden. Du kannst viel finden, aber du weisst nicht was. Ich wünsche ihm, dass er zurückkommen kann, nicht nur wegen dem Gewinnen, auch wegen dem Biken an sich. Wir sind in Telefonkontakt und ich weiss, dass es eine schwierige Situation für ihn ist. Ich will kein Egoist sein und Ralph hier haben, weil meine Motivation höher ist mit ihm, weil ich mit ihm grössere Chancen habe, Weltmeister zu werden.

Du sagst Ralph wäre ein Teil deiner Resultate?
Ja, klar. Das Rennen ist die grosse Prüfung, aber zuvor studiere ich viel mit Ralph. Er ist ein Teil meines Erfolges. Sicher, ich gewinne die Rennen alleine und ich verliere sie alleine, aber er ist ein Teil des Merida-Erfolgs und ein Teil meines Erfolges.

Als du 2010 in Mont Sainte Anne Weltmeister geworden bist, da kam Julien Absalon extra ans Podium, um dir zu gratulieren...
...ja, mit seinem gebrochenen Finger...

...und Nino Schurter rief spontan «geil», als er erfuhr, dass du sein Nachfolger geworden bist. Ist diese Anerkennung durch die Konkurrenten für dich was Besonderes?
Es hat mich stolz gemacht. Du gewinnst die WM für dich. Aber wenn die Bike-Community sich für dich freut, dann zeigt das sehr viel Respekt. Danach war das für mich die lockerste Party. Ich hatte nur ein Bier, die ganze Nacht. Ich hatte keine Zeit an die Bar zu kommen, weil mir so viele Leute gratuliert haben.

Im Frühjahr hast du gesagt, du fühlst den Druck des Regenbogenjerseys. War es das wirklich, was dich belastet hat?
Es war vielleicht eine spontane Antwort, die ich so nicht mehr bestätigen kann. Sicher, verursacht es einen gewissen Druck. Du bist auch der Botschafter des Sports und alle wollen dich schlagen. Ich denke schon, aber es war nicht der Grund für meine Leistungen, wie ich schon erklärt habe. Trotzdem, ich habe Respekt gewonnen vor Absalon, der es vier Jahre getragen hat oder vor Gunn-Rita Dahle, die es lange gehabt hat. Ich hatte es jetzt ein Jahr und es war ein aufregendes, anstrengendes Jahr. Wegen der Medien, der Reisen, aber ich blicke auf das Jahr zurück mit einem Lächeln. Ich habe jede Sekunde genossen und vielleicht kann ich es noch ein weiteres Jahr tun.

Ein Blick auf das WM-Rennen am Samstag. Der Kurs ist nicht schlecht für dich, oder?
Nein, ist er nicht. Ich hatte zwar noch nie ein gutes Ergebnis hier, nicht einmal auf dem Podium, aber ich mag diese Art von Kurs, hoch und runter, der Schotteranstieg, an dem ich Druck machen kann, die technischen Teile. Aber Vogel, Absalon, Schurter, Stander, Kulhavy mögen ihn auch.

Hast du jemals über die Zeit nach deiner Karriere nachgedacht?
Ich habe die Ausbildung zum Directeur sportif gemacht. Ich kann Nationaltrainer werden oder Manager eines Teams. Zweimal 15 Tage hat das gedauert. Man weiss ja nie.

Kannst du dir vorstellen als Trainer zu arbeiten?
Ich wäre gerne Coach. Ich denke, von meinem Charakter her und mit meinen Sprachkenntnissen und mit meiner Erfahrung, könnte ich das. In Spanien war ich die Speerspitze. Zuvor sind die spanischen Biker zu den Weltcups gefahren, um nicht überrundet zu werden. Ich war mehr oder weniger der Erste, der um die Spitzenplatzierungen gekämpft hat. Ich war auch einer der Ersten, die international gefahren sind. Ich wollte Teil des Filmes sein, kein Statist sondern Hauptdarsteller. Für Spanien habe ich die Wege aufgezeigt. Es wäre schön, diese Erfahrung mit den Jungen teilen zu können.

Mit den Jungen in Spanien oder auch anderswo?
Das ist egal. Ich denke, ich habe genügend Möglichkeiten, um das auch in anderen Ländern zu tun. Ich wäre stolz, das in Spanien zu tun, aber wenn ich mein Wissen an junge Leute weitergeben kann, dann spielt die Nationalflagge keine Rolle. Kann sein, dass dies in Zukunft mein Job sein wird. Vielleicht löse ich auch Andi Rottler als Teamchef bei Multivan-Merida ab (lacht). Aber ich wäre dann mehr Diktator, als Rottler. Ich lächle viel, aber ich bin ein Diktator (lacht noch mehr).

Du? Diktatorisch? Das glaubt dir niemand.
Ich habe immer Spass gemacht. Aber oft bin ich auch sehr seriös, um meine Form aufzubauen. Du kannst Kulhavy nicht mit einem Lächeln schlagen. Du musst auch seriös sein. Sicher macht es keinen Sinn, so zornig zu sein. Aber in den Rennen, lächle ich nicht so viel.

Es gab zwei Situationen in deiner Karriere, in denen du auch nicht mehr gelächelt hast…
…bei den Affären meinst du, die beiden Fälle (lacht). Das stimmt, aber es gab auch andere Situationen.

Einschub: Hermida erhielt 2004 bei der WM in Les Gets eine 14-tägige Schutzsperre, weil sein Hämatokritwert über den erlaubten 50 Prozent lag. Danach wurde er vom Dopingverdacht frei gesprochen und es wurde ihm eine Sondererlaubnis für einen natürlich höheren Hämatokrit-Wert erteilt. Im Jahr 2006 holte ihn der Spanische Verband von der WM in Neuseeland zurück, weil er angeblich in der Affäre den Dopingarzt Fuentes auf einer Liste stand. Diese Vorwürfe liessen sich nicht bestätigen. Im Gegenteil. Er gewann einen Prozess gegen die Verbandsoberen und erhielt Schadensersatz.

Ist das inzwischen vergessen?
Nein, nein, das gehört zu meiner Biographie. Eines Tages, wenn ich ein Buch schreibe, dann wird das ein Teil sein. Vielleicht machen manche Leute nach schlechten Erfahrungen einen Reset, sie versuchen es zu löschen. Aber ich setze mich mit diesen Situationen auseinander, als einen Teil meines Lebens. Das waren wirklich negative Momente und es war nötig, ernst zu bleiben und damit umzugehen. Stark zu sein, zu leiden, sicher. Aber es war ein Test, ein Test für das Leben. Ich habe viel gelernt und am Ende ist es nicht so, dass ich es aus meinem Hirn lösche oder nicht darüber reden will. Ich bin immer offen darüber zu reden. Ich mache auch Witze darüber.

Was ist der beste Witz darüber?
Weiss nicht. Wenn man eine Liste macht für den Einkauf im Supermarkt, sage ich immer, nein, nein, ich brauche nichts, ich will auf keiner Liste sein, auf gar keiner (lacht).

Wenn du die aktuelle Cross-Country-Szene betrachtest, glaubst du sie ist sauber?
Ich denke ja. Im Sport kannst du das nicht messen, wie sauber oder unsauber dieser ist. So ist der Sport und so ist das Leben. Ich bin zum Teil sehr kritisch gegenüber den Medien. Sie erwarten von Radsportlern Dinge, das die normale Gesellschaft nicht besitzt. Wenn du dich umschaust, das Leben ist voller Korruption, voller Bomben, Drogen und Leuten, die Regeln brechen. Vermutlich war der Radsport in der Vergangenheit ein Spiegel der Gesellschaft. Inzwischen ist der Radsport sauberer.

Der Radsport als Ganzes oder Mountainbiking?
Der Radsport. Das Training hat sich geändert. Sie haben auf eine harte Art gelernt. Mit vielen Kontrollen. Ich hatte letzten Monat vier Kontrollen, das hat ein Fussballer vom FC Barcelona vielleicht in drei Jahren. Susi hat getwittert, dass er vier Kontrollen in sechs Tagen hatte. Vier Kontrollen in sechs Tagen in Val di Sole. Wenn du 8000 Kontrollen machst, dann findest du mehr positive Fälle wenn du nur 1000 machst. Es ist viel sauberer als vor zehn Jahren, aber vermutlich ist es unsauberer als in zwanzig Jahren.

Meldung vom 16. Februar 2010 (Autor: tg )
 

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