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Gezeigt wurden die Räder den Medien bereits anfangs Juli im Tessin, doch erst jetzt dürfen wir darüber berichten: Scott wird im kommenden Modelljahr erstmals einen Viergelenker an den Start schicken. Die Bikes der «Genius»-Serie bieten neben weitgehender Antriebs-Neutralität die Möglichkeit, den Federweg mittels eines kleinen Hebels am Lenker nach Wunsch anzupassen. Je nach Bedarf steht der volle Federweg, etwas mehr als die Hälfte mit verstärkter Progression oder aber gar kein Hub am Hinterrad zur Verfügung. Aufmerksame Beobachter konnten die «Genius»-Bikes übrigens schon am Scott-Stand im Expo-Village des SBM-Festivals genauer betrachten.
Drei Modellfamilien wird es vom «Genius» geben, doch in einem sind sie sich alle gleich: Ein relativ unspektakulär, da klassisch wirkender Diamant-Hauptrahmen mit nach hinten abgewinkeltem Sitzrohr wird mit einem lupenreinen Viergelenk-Hinterbau kombiniert. Dessen Drehpunkte sind so geschickt positioniert, dass die Federung im mittleren Kettenblatt komplett ruhig bleibt. Nur auf der kleinen Scheibe gerät sie leicht ins Wippen. Weitere Vorteile des klassischen Hauptrahmens: Er lässt sich problemlos schultern und bietet zwei Flaschenhaltern Platz. Ein schönes Detail sind zudem die Ausfallenden in Monocoque-Bauweise - unschön allerdings, dass auf ein austauschbares Schaltauge verzichtet wurde.
Federweg nach Wunsch ? per Lenkerhebel
Das eigentliche Herzstück des «Genius»-Innovationsschubs ist das Federbein: Dieses wird zwischen dem Tretlager und der Umlenkwippe montiert und ist ein «Pull-Shock»: Es wird beim Einfedern des Hinterbaus also auseinander gezogen. Der Ausgleichsbehälter fürs Öl ist in die Kolbenstange integriert, zudem haben die Techniker dem Federbein eine externe, zweite Luftkammer spendiert. Diese kann über einen kleinen Hebel am Lenker zu- oder ausgeschaltet werden.
So stehen je nach Bedarf der volle Federweg, bei reduziertem Luftvolumen etwas mehr als die Hälfte mit verstärkter Progression oder aber gar kein Hub zur Verfügung. Scott nennt dies «All Travel Modus», «Traction Modus» und «Lock-Out Modus». Dank des Schalters hat zumindest ein Daumen wieder etwas zu tun, wenn Shimano?s neue «Dual Action»-Schalthebel verbaut sind.
«Genius RC»: Frischis neue Rennrakete Die «Genius RC»-Serie richtet sich an Racer und bietet maximal 90 Millimeter Federweg am Heck. Mit flachem Vorbau, geradem Lenker und der von Thomas Frischknecht ausgetüftelten Geometrie ? gekennzeichnet durch ein langes Oberrohr, tiefes Tretlager, kurze Kettenstreben und steile Winkel ? liegt das Bike wie ein Brett auf der Rennpiste. Ideal, um kräftig in die Pedale zu treten und Tempo zu bolzen. Umso mehr, als der Rahmen des Spitzenmodells inklusive Dämpfer gerade einmal 2100 Gramm auf die Waage bringt. Anders als bei der «Strike»-Serie verlässt sich Scott diesmal nicht auf Carbon, sondern auf eine leichte Aluminium-Scandium-Legierung, um dieses auffallend tiefe Gewicht zu erzielen. Alles in allem ein Bike, das für den harten WM-Kurs in Rivera massgeschneidert ist - und dank Discstoppern auch bremstechnisch auf dem neusten Stand ist.
«Genius MC»: Der Allrounder für alle Fälle
Wahre Alleskönner sind die Modelle der «Genius MC»-Serie mit ihrer moderateren Geometrie: Das Tretlager dieser Bikes liegt etwas höher, das Oberrohr ist kürzer, dafür sind die Kettenstreben einen Tick länger ? und der Federweg beträgt im «All Travel Modus» grosszügige 125 Millimeter. Dank Riserbars von Ritchey ? beim Topmodell kommt ein edles Carbon-Modell mit 31,8 Millimeter Klemmmass zum Einsatz ? und der angenehmen Geometrie machen die «Genius MC»-Bikes selbst auf brutalen Singletrails eine gute Figur.
Dank des Viergelenk-Hinterbaus und des tiefen Gewichts sind aber auch lange Anstiege kein Problem, im Gegenteil: Der lange Asphaltanstieg von Morcote zur Alpe Vicania machte auf dem «Genius MC» fast schon Spass ? trotz der Bullenhitze. Mit diesen Eigenschaften dürften diese Touren-Genies dem Anforderungsprofil der allermeisten Biker entsprechen - und auch für Marathon-Einsätze bestens geeignet sein. Ausser dem Einstiegsmodell, das auf Avid-V-Brakes vertraut, werden übrigens durchgehend hydraulische Scheibenbremsen verbaut.
«Genius Comtessa»: Ein Fall für die Ladies
Bei all dem Innovationsfeuerwerk hat Scott auch an die Frauen gedacht: Die «Genius Comtessa»-Serie kombiniert die neuartige Fahrwerkstechnologie mit der bereits bewährten «Sportswoman»-Geometrie und Komponenten, die vom Sattel über die Kurbeln bis zu Griffen und Bremshebeln auf die weibliche Anatomie abgestimmt sind. Dazu gibts süsse Farben und Blumenmotive ? fertig ist die Singletrail-Rakete für ambitionierte Bike-Ladies. Lobenswert ist, dass Scott den Frauen die Vorteile hydraulischer Scheibenbremsen nicht vorenthält.
Interessant ist auch, dass Scott im Unterschied zu den vergangenen Jahrgängen auf den Zusatz «USA» auf den Rahmen verzichten wird. Schliesslich werden die Bikes im freiburgischen Givisiez vom deutschen Ingenieursgenie Peter Denk entwickelt und anschliessend in Taiwan gebaut. Nicht wenige Händler hatten sich zudem beklagt, dass das deutlich lesbare «USA» auf den Rahmen in den vergangenen Monaten den Absatz eher behindert als gefördert habe. |