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SBB ist wenig optimistisch beim Selbstverlad

Der Selbstverlad von Velos bei den SBB wird immer deutlicher zu einem Hürdenlauf. In diesem Jahr hat sich der Kapazitätsengpass auf den Fernstrecken der Bundesbahnen nochmals deutlich intensiviert. In einem Interview mit dem «Velojournal» äussert sich nun Vincent Ducrot (Leiter Fernverkehr SBB) zur Problematik. Die Bahn-Prognosen für Velofahrer sind düster.

Die Veloabteile durch den Lötschbergtunnel sind regelmässig überfüllt, ähnlich ist die Situation ins Bündnerland und die Fahrt ins Tessin mit einem Bike als Selbstverlad-Gepäck ist zu einem fast unlösbaren Spiessrutenlauf geworden. Die Kapazitätsengpässe bei den SBB haben in diesem Jahr zeitweise inakzeptable Masse angenommen und das Auto als relevante Alternative wieder ins Spiel gebracht. Eine Lösung der Situation ist nicht in Sicht, sehen die SBB selbst doch keine Lösungsmöglichkeiten. «Die Zahl der Veloplätze in den Zügen können wir nicht erhöhen», meint Ducrot gegenüber dem Velojournal. Die Beseitigung der Engpässe sieht er gar als chancenlos, die Maximierung der Sitzplätze habe Vorrang.

Aus Sicht der Velofahrer wenig erfreulich ist auch Ducrots Aussage zu den Multifunktionsabteilen wie sie in Doppelstockzügen eingesetzt werden. «Besonders ältere Leute bemängeln den schlechteren Sitzkomfort der Klappsitze.» Eine solche Aussage legt den Schluss nahe, als gewichte die SBB Reklamationen einiger komfortverwöhnter Rentner höher als das Platzbedürfnis von Velofahrern. Aktentaschen und Beautycase scheinen bis heute der SBB bevorzugte Gepäckstücke, Velofahrer nimmt man am liebsten ohne deren Fahrräder mit.

Die Vorschläge der SBB zur Entschärfung des Kapazitätsproblems sind denn auch eher oberflächlich als effizient: So soll das Angebot an Miet- und Leihvelos ausgebaut werden und der Freizeitverkehr wolle man verstärkt mit Regionalzügen bewältigen. Mountainbiker werden kaum je auf Mietangebote zurückgreifen weil die Mieträder zu billig sind und das eigene Rad zu teuer, als es im Keller stehen zu lassen. Mietangebote sind und bleiben im Mountainbikesport kein Thema, gleichzeitig stellen Mountainbiker einen grossen Teil der Veloselbstverlader dar. Und dass der Freizeitverkehr auf Regionalzüge ausweichen soll, wird kaum je zur Realität – zu gross ist der Zeitverlust und zu aufwändig die Umsteigemanöver.

Bei der Zukunft des Veloselbstverlads zeigt sich Ducrot pessimistisch: «An der Infrastruktur wird sich nicht viel ändern.» Eine Entspannung dürfte frühestens im Jahr 2020 eintreten wenn neue Züge eine Angebotsverbesserung herbeiführen könnten.

Das ganze Interview ist zu lesen auf der Website des Velojournals.
www.velojournal.ch/aktuelle-ausgabe/ausgabe-5-2009/velo-und-bahn-wohin.html


Meldung vom 09. Oktober 2009 (Autor: tg )
 

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