| Sauser: «Entweder die letzte Saison oder dann nach London» |
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Nach einem schwierigen Jahr 2009 beginnt auch diese Saison für Christoph Sauser nicht glücklich. Erst in Offenburg steht er als Vierter wieder auf dem Weltcup-Podium. Ride hat sich mit ihm über das vergangene Jahr, seine Motivation und über seine Zukunftspläne unterhalten.
Wie oft warst du bisher zuhause dieses Jahr? Den ganzen Februar, fast jedenfalls. War noch in San Francisco bei Specialized für ein paar Tage neue Produkte testen. Nach der Cape Epic war ich eineinhalb Wochen zuhause und nach Houffalize zwei Wochen. Bei mir spielt es keine Rolle, wo ich bin, ich habe keine Verpflichtungen. Dieses Nicht-Zuhause-Sein, bedeutet ja viel auf Reisen zu sein. Hindert dich das nicht auch, deine Form aufzubauen? Sicherlich, letztes Jahr bestimmt. Da war zweieinhalb Monate non-stop. Das hat angefangen mit dem Giro del Capo, Cape Epic, Madrid. Dann war noch Pietermaritzburg, Sea Otter, das war wirklich zu viel – aber das konnte man fast nicht anders machen. Aber wenn ich in Stellenbosch bin, von Mitte Dezember bis Januar, das ist wie zuhause. Dieses Jahr war es okay. Sicher wäre es idealer gewesen ohne Sea Otter, aber da hilft kein wenn und aber bei uns. Sea Otter ist für Specialized ein Muss. Ja. Das Office ist nur eine halbe Stunde entfernt. Da war ich fast eine Woche zuerst bei Specialized und erst am Donnerstag bei den Sea Otter Classic. Diese Woche bei Specialized, kannst du da trotzdem trainieren? Eine Stunde Vollgas mit den Angestellten. Die fahren auf dem Strassenrad und wenn du mit dem Mountainbike fährst, dann ist das Vollgas. Da wird voll attackiert (lacht). Man hat den Eindruck, dass du viel machst für Specialized. Machst du das gerne, oder ist das manchmal auch zuviel? Dieses Jahr war eigentlich super. Bei Sea Otter hatten wir immer Zeit zum Trainieren oder zum Abschalten. Aber Specialized bedeutet für mich Jetlag. Du kommst an, gehst in das Office, da sind viele Leute, du bist drinnen, da bin ich die ersten Tage nicht happy. Letztes Jahr war es sicher nicht ideal. Da war eine ganze Woche Press-Lounge bei mir in Sigriswil vor dem Weltcup in Madrid, das habe ich selbst noch mit organisiert. Das war nicht optimal, aber sonst wird Rücksicht genommen auf uns Sportler. Du hast 2009 angesprochen. Es war, was die Ergebnisse angeht, dein schlechtestes Jahr seit... ...seit immer (grinst) ...seit du in der Weltspitze aufgetaucht bist. Gut, Dalby war noch schlechter, aber da hatte ich auch drei Defekte. Aber die ganze Saison 2009 war durchwachsen. Du hast mehrfach gesagt, Platz zehn, das wäre grade wohl dein Niveau. Was hat dazu geführt? Schwer zu sagen. Es ist immer gut gelaufen und letztes Jahr, da war ich halb krank in Houffalize und dann auch in Madrid. Vielleicht hat durch das Gefühl, dass ich nicht mehr vorne bin, der letzte Biss gefehlt. Ich habe mich eigentlich gut gefühlt in Kanada und dann war das Regenrennen, das ging auch in die Hose. Ich habe mich fast daran gewöhnt, nicht beim Start vorne dabei zu sein. Dieses Jahr hat sich das schon wieder geändert, auch wenn die Resultate gerade noch nicht super gewesen sind. Ich meine Dalby ist erklärbar und in Houffalize verlor ich durch den Start Crash zu viele Positionen, und konnte diese in der mörderischen Asphalt Startrampe nicht wieder gutmachen. So habe ich in der ersten Runde zwei Minuten verloren und habe das dann bis am Schluss gehalten. Du sagtest letztes Jahr auch mal, dass man sich für Platz eins mehr quälen könne, als für einen zehnten Platz. Ja, das stimmt. Da (im Kampf um Platz eins) kommt noch das Adrenalin und die Beine drehen von selbst. Aber wenn du von Anfang an Plätze gut machen musst, denkst du sch***, das ist schwierig. Früher ist es schon noch gegangen, dass du nach vorne gefahren bist. Wenn du bedenkst, Roel und ich, wir haben 2002 fünf Minuten Vorsprung gehabt, das ist heute unvorstellbar. Es täuscht nicht, die Weltspitze ist enger zusammen gerückt? Nein, das täuscht ganz bestimmt nicht. Früher hast du schon ein paar überholen können, wenn du mit mehr Speed in einen Aufstieg hinein gefahren bist. Ich hatte in Houffalize auch schon einen Defekt am Anfang, aber dieses Jahr war es nicht mehr möglich. Jeder fährt schneller in die Aufstiege hinein, erst am Ende der Aufstiege konnte ich überholen. Worauf ist das zurück zu führen? Ja, ich denke, jeder trainiert spezifischer, der Sport entwickelt sich weiter, die Jungen lernen von den Älteren, da kommt vieles zusammen. Es gibt auch mehr kleinere Teams, die besser organisiert sind und jeder trainiert wie ein Profi, hat Material wie ein Profi. Zurück nach 2009. Im Jahr davor gab es in Peking für dich mit Platz vier eine Enttäuschung. Hat die Wirkung gezeigt? Nein, überhaupt nicht. Nach Olympia habe ich noch den Weltcup in Schladming gewonnen. Nach Peking bin halb verletzt gekommen, zwei Wochen vorher wusste ich nicht, ob ich fahren kann. Nach dem Weltcup in Mont Sainte Anne war mein Bein eineinhalb Wochen in einer Schiene. Es hat dir also auch nicht an der Motivation gemangelt? Mich hätte es sicher an der Motivation gemangelt, wenn wir nicht so ein super Team wären und wir nicht auch neben dem Bike so ein super Zeit hätten. Ich meine, ich wurde immer noch Dritter bei der Marathon-WM und bei den ersten beiden Weltcups lief es ja auch nicht schlecht. In Offenburg war ich an zweiter Stelle, als die Bremsen versagten. Erst danach ging es den Berg runter. Jetzt bist du in einer anderen Situation. Nino Schurter ist letztes Jahr Weltmeister geworden, in der Schweiz hast du riesig grosse Konkurrenz... ....ach, ich fahre nicht Rennen um im Rampenlicht zu stehen. Für mich ist wichtig, dass meine Resultate stimmen. Ich meine, wenn ich Misserfolg habe, ärgert mich nicht, dass ich nicht in den Medien bin. Mich regt es auf, dass ich für mich, das Team, Fans und für Specialized nicht vorne fahren kann, obwohl das natürlich auch Hand in Hand geht. Aber du warst jahrelang die Nummer eins in der Schweiz, im Moment eben nicht mehr. Teamkollege Burry Stander fährt zurzeit auch häufig vor dir. Ist das für dich ein Problem? Ich will in den Rennen Nummer eins sein und nicht bester Schweizer. Wenn du bester Schweizer bist und nur 30., das ist viel weniger befriedigend, als wenn ich im Weltcup Dritter bin und dabei drittbester Schweizer. Schlussendlich ist es gut für den Mountainbikesport, wenn wir Schweizer an der Weltspitze sind. Anders ist es mit den Olympischen Spielen. Ich meine damit die Situation von Ralph Näf im Jahr 2008. Da ist im Weltcup-Rennen noch ein Rennen der Schweizer gewesen, damit du dich für Olympia qualifizieren kannst. Dann fährst du natürlich auch gegen die Schweizer. Ich bin mir sicher, dass in London noch mehr Schweizer Medaillen-Kandidaten das Rennen vor dem Fernseher verfolgen werden. Vielleicht sollten wir da schon mal eine zweite Nationalität irgendwo beantragen, oder eine andere Staatsbürgerschaft anheiraten! Was hast du dir für dieses Jahr noch für Ziele gesteckt? Im Weltcup wieder ganz vorne sein, Top-Drei-Resultate einfahren. Die Marathon-WM will ich gewinnen und wer weiss was dann bei der Cross-Country-WM noch herausschaut. Wenn du im Weltcup vorne dabei bist, dann kannst du dir auch den WM-Titel als Ziel setzen. Aber wenn ich, wie letztes Jahr, konstant um Platz zehn herum fahre, dann weiss ich, dass ich die WM nicht gewinnen kann. Hast du eigentlich in den letzten Jahren in deinem Training noch was verändert? Ich war immer erfolgreich mit meinem Training. Dieses Jahr habe ich aber noch mehr an der Schnelligkeit gearbeitet, mit Treppen springen und solchen Sachen. Die Grundausdauer habe ich ja. Für eine Cape Epic muss ich keine Stunden bolzen, da gehe ich einfach so an den Start. Ein bisschen leichter bin ich auch als letztes Jahr, das merke ich schon. Warum warst du letztes Jahr nicht so leicht? Weiss auch nicht. Ich habe immer gedacht, für die nächsten Weltcups, dann sicherlich für die WM, aber irgendwie war ich immer drei, vier Kilos zu schwer. Das hat man sicherlich auch gesehen an den Bildern. Musst du richtig Diät machen? Ja, ich muss schon auf das Gewicht achten und nicht zu viele oder die richtigen Kalorien futtern. Wenn ich immer satt bin, dann nehme ich zu. Ist es auch eine Frage, wie du dich ernährst? Ja, ich denke schon, wenn du am Abend nicht mehr viel isst und die Kohlenhydrate am Morgen zu dir nimmst. «Power to weight» muss bei mir an den wichtigen Rennen passen. Fällt es dir nach den vielen Jahren jetzt schwerer, das Trainieren, das Gewicht halten? Nein, wenn ich was mache, dann mache ich es 100 Prozent. Da spielt es für mich keine Rolle ob ich jetzt 23 oder 34 Jahre alt bin. Wenn ich keinen Spass mehr habe, dann höre ich auf und mache nicht einfach nur so ein bisschen weiter. Du giltst als Sportler, der rund um den Wettkampf und das Training keine Kompromisse macht, während du sonst ein geselliger Charakter bist. Ja, ich verschiebe mein Training vielleicht mal um drei Stunden, aber wenn ich auf dem Bike sitze, dann ziehe ich es bis auf die letzte Sekunde durch. Ich bin eigentlich ein fauler Typ, aber wenn ich auf dem Bike sitze, dann kann ich mich quälen. Wie sieht deine Zukunft aus? London ist jetzt nur noch zwei Jahre entfernt. Ja, es geht schnell. Und die WM nächstes Jahr in der Schweiz. Die Zukunftspläne bestimme ich nach der Saison, es kommt auf meine Resultate an. Aber ich werde nicht weiter fahren für einen Platz 20. Wenn ich zwei Jahre weiter fahre, dann heisst das nicht nur zwei Jahre dranhängen, dann sind die Olympischen Spiele in London mein Ziel. Das heisst, du denkst bis zu den Weltmeisterschaften in Champéry und dann... ...nein, nein. Entweder dieses Jahr aufhören oder dann in London. Ich brauche einen Zweijahresrhythmus. Wie lange läuft dein Vertrag noch? Bis Ende dieses Jahres. Ist es jetzt so offen, wie du es formulierst? Ja, es ist offen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dann noch Rennen fahre wie Cape Epic oder so, aber ganz sicher keine Cross-Country-Rennen mehr. Einfach nur noch Team-Adventure-Rennen und das verbunden mit Produkt testen und solche Sachen und dann mehr mit Marketing und den Ingenieuren zusammen arbeiten. Ist da mit Specialized schon was angedacht? Nein, konkret haben wir nicht darüber gesprochen, aber das wäre kein Problem, da gleich einzusteigen. Specialized ist eine aussergewöhnliche Firma. Unglaublich innovativ und natürlich powerful. Manchmal scheint mir fast so, als ob im Bereich neue Produkte und Marketing keine Grenzen gesetzt sind. Es könnte also sein, dass dieses Jahr dein letztes ist? Ja, das könnte sein, ja. Im Moment glaube ich nicht, aber zwei weitere Jahre sind schon eine Verpflichtung. Ich bin sicher, die zwei Jahre würden mir auch ganz viel Spass machen. Aber dann bin ich 36 Jahre alt und habe das so lange gemacht. Ich freue mich auch was anderes zu machen. |
Meldung vom 28. Mai 2010 (Autor: eg ) |







