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Ralph Näf gewinnt in souveräner Art und Weise die Marathon-Weltmeisterschaften im Französischen Les 2-Alpes. Er distanziert den Kolumbianer Paez um knapp eine Minute, der drittplatzierte Roel Paulissen liegt bereits sieben Minuten zurück. Riesenpech erfährt der Mitfavorit Christoph Sauser: Ihm bricht bei Rennhälfte die linke Kurbel vom Rahmen und muss das Rennen aufgeben. Bei den Damen wird Petra Henzi zweite hinter der Titelverteidigerin Gunn-Rita Dahle.
Näf: Alles perfekt gelaufen Näf und Dahle wiederholen damit beide ihren Titelgewinn von den Marathon-Europameisterschaften, wo der Thurgauer das erste Mal seine bestechende Form nach der Verletzungspause durchblicken liess. Im Gegensatz zu den Europameisterschaften konnte Näf seinen Weltmeistertitel im Ziel aber noch kaum fassen, den Tränen nahe gab er den Fernsehstationen Interviews. Das Rennen kontrollierte er von Beginn weg, anfänglich noch mit Thomas Frischknecht und Christoph Sauser. Frischknecht verlor bald schon die Kraft, Sauser danach die Kurbel. Es war dann der Kolumbianische Marathon-Spezialist Leonardo Paez, der mit Näf das Rennen anführte - in den Abfahrten schliesslich aber chancenlos blieb. «Alles lief für mich perfekt. Die Strecke, das Wetter, die Taktik, alles ging einfach auf» meinte Näf im Ziel.
Das unglaubliche Pech des Christoph Sauser Fast schon unglaubliches Pech erleidet Christoph Sauser, dem ein Stein die Kurbel vom Tretlager presst und ihn zur Aufgabe zwingt. «Es ist unwahrscheinlich. Jedes Mal wenn ich mir ein Nationaltrikot überziehe, habe ich einfach Pech», meinte der sichtlich konsternierte Berner Oberländer im Ziel. Dabei hätte es für ihn optimal ausgesehen an der Spitze mit Näf. Und das kalte Wetter habe ihm nicht mal was ausgemacht, er habe sich gut gefühlt.
Frischi: Schlechte Beine Nicht auf Touren kam der Titelverteidiger Thomas Frischknecht, der zu Beginn noch das Rennen mit Näf und Sauser anführte, dann aber Tribut zollen musste. «Ich wusste, dass ich am Anfang mit der Spitzengruppe mit muss, sonst ist das Rennen fast schon gelaufen. Das war aber dann doch zu schnell und ich fiel zeitweise bis etwa auf Platz 20 zurück» meint Frischknecht. Unter diesen Umständen sei er mit seinem sechsten Platz sehr zufrieden und freue sich riesig über den Sieg Näfs. Auf dieser Strecke gebe es keine Zufallssieger und Näf sei wohl einer der komplettesten Fahrer zur Zeit.
Henzi: Nach Bronze im Jahr 2005 nun WM-Silber Bei den Damen zeigte Gunn-Rita Dahle wieder ihre Grösse und gewann überlegen. Hinter ihr sicherte sich Petra Henzi souverän den zweiten Platz nachdem es alles andere als klar war, wie sie die tiefe Schnittwunde von den Europameisterschaften beinträchtigen würde. Diese musste damals mit neun Stichen genäht werden und hat auch den Muskel in Mitleidenschaft gezogen. «Mir ist alles gut gelaufen, ich habe einen guten Rhythmus gefunden und konnte vor allem in den Abfahrten schnell und sicher fahren» kommentierte Henzi ihre Silbermedaille. Die Verletzung habe sie kaum beeinträchtigt, die Wunde sei gut und schnell verheilt. Vor einem Jahr holte sich die Aargauerin in Lillehammer auf der Langdistanz WM-Bronze und konnte sich nun in diesem Jahr nochmals um einen Rang nach vorne arbeiten. Henzi wurde letzte Jahr nach den Langdistanz-Weltmeisterschaften auch an den Cross Country-Weltmeisterschaften Dritte - insofern sollte heuer in Neuseeland wohl die Silbermedaille drin liegen...
Kugler: Wie in der Karibik Weitere Schicksale und Geschichten von der Rennstrecke: Dolores Mächler-Rupp verfährt sich und verliert damit den dritten Platz. Der Verägerung weicht dann aber schnell die Freude über das beste Resultat ihrer Karriere (Platz 4). Andreas Kugler erwartet ein kaltes Rennen und reibt sich derart viel Wärme-Creme ein, dass er sich im ersten Aufstieg «wie in der Karibik» gefühlt hat. Er überhitzt fast (bei Aussentemperaturen deutlich unter 10 Grad) und verliert in der ersten Rennhälfte viele Plätze. Auch bei ihm weicht die Verärgerung schnell der Freude über den achten Platz. Bei den Damen klassieren sich unter den ersten acht ganze fünf Schweizerinnen: Henzi (2.), Mächler-Rupp (4.), Louis (6.), Süss (7.) und Kuster (8.) verfollständigen eine unglaubliche Bilanz. José Hermida freut sich riesig darüber, dass er sein erstes Marathon-Rennen übersteht. Sein Kommentar in fast akzentfreiem Schweizerdeutsch: «Isch huere geil. Ich bin en perfekte Siech!» - wer ihm das wohl beigebracht hat?
Rangliste Marathon-Weltmeisterschaften 2006, Herren: 1. Ralph Näf (SUI), 4:13:57 2. Leonardo Paez (COL), 4:14:50 3. Roel Paulissen (BEL), 4:21:03 4. Massimo de Bertolis (ITA) 5. Johann Pallhuber (ITA) 6. Thomas Frischknecht (SUI) 7. Bart Brentjens (NDL) 8. Andreas Kugler (SUI) 9. Thomas Dietsch (FRA) 10. Alban Lakata (AUT) 17. Thomas Stoll (SUI) 18. Silvio Bundi (SUI) 32. Thomas Spichtig (SUI) 33. Roman Peter (SUI) 35. Thomas Zahnd (SUI) DNF: Christoph Sauser, Balz Weber (SUI)
Rangliste Marathon-Weltmeisterschaften 2006, Damen: 1. Gunn-Rita Dahle Flesjaa (NOR), 4:25:29 2. Petra Henzi (SUI), 4:33:37 3. Elsbeth van Rooij-Vink (NDL), 4:40:26 4. Dolores Mächler-Rupp (SUI) 5. Pia Sunstedt (FIN) 6. Daniela Louis (SUI) 7. Esther Süss (SUI) 8. Andrea Kuster (SUI) 9. Blaza Klemencic (SLO) 10. Eva Hubena (CZE) 14. Fabienne Heinzmann (SUI)
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