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Nick Beer ist spätestens seit dem Jahr 2008 der beste Downhiller der Schweiz. Der Interlakener hat sich als Junior schwer verletzt, seit seiner Rückkehr im Jahr 2006 aber kontinuierlich bis an die Weltspitze weiter entwickelt. Im Gespräch spricht Nick Beer mit Ride über seine persönliche Historie und den Sport unterhalten.
Wie hat eigentlich Deine Mountainbike-Geschichte begonnen? Die fängt bei meinen Eltern an. Sie sind Cross-Country- und Marathon-Rennen gefahren. Ich bin mit dem Bike aufgewachsen, mein Bruder Marcel und ich sind immer dabei gewesen. Dann habe ich mit Cross-Country-Rennen angefangen.
Im welchen Alter? Sechs, sieben, das waren noch so Hindernisparcours, dann Rundstreckenrennen. Mit etwa 13 Jahren haben Marcel und ich dann angefangen, in der Schweiz Downhill-Rennen zu fahren. Das wurde immer mehr. Als Junioren sind wir dann alle Schweizer Rennen gefahren.
Was war der Grund, dass aus euch Downhillfahrer geworden sind? Der Erfolg oder der Reiz? Wir hatten immer viel mehr Spass am runter fahren, wird sind nicht so die Typen fürs Cross-Country-Fahren.
Du hast eine Ausbildung eine Ausbildung gemacht? Ja, als Polymechaniker.
War das damals schon Leistungssport, was du betrieben hast? Was heisst Leistungssport? schwierig zu sagen.
Aber du warst schon im Kader? Ja, da war ich schon in der Nationalmannschaft.
Ging das mit dem Training und der Ausbildung zeitlich gut zusammen? Die Ferien, die ich hatte, habe ich so organisiert, dass ich ein, zwei, drei Weltcups fahren konnte.
Wann bist du denn deinen ersten Weltcup gefahren? Im Jahr 2004 in Les-Deux-Alpes. Da hatte ich im Training auch gleich meinen schweren Unfall.
Dann musstest du zwei Jahre pausieren. Ja. 2004 und 2005 konnte ich nicht fahren. 2006 konnte ich langsam wieder anfangen.
War das für dich immer klar, dass du wieder zurück willst? Ich habe mir da nicht so viele Gedanken gemacht. Ich wollte einfach wieder gut klar kommen. Ich habe nicht daran gedacht, dass ich nächstes Jahr wieder Weltcup fahren will. Ich wollte für mich selber wieder mobil werden, Sport machen können, Spass haben.
Konntest du arbeiten in dieser Zeit? Zwischendurch habe ich mit Krücken gearbeitet, aber ich konnte ein dreiviertel Jahr nicht an meiner Lehre arbeiten. Die Lehre konnte ich aber trotzdem nach vier Jahren abschliessen.
Wie schwierig war die Verletzungszeit? Ich bin ein Mensch, der gut nach vorne schauen kann. Ich mache mich da nicht noch selber kaputt, indem ich die ganze Zeit darüber nachdenke, was passiert ist.
Du denkst immer an den nächsten Schritt? Ändern kannst du sowieso nichts, ich habe das einfach so hingenommen.
Dein Bruder ist weiter gefahren und war ein wenig der Draht in die Szene? Er ist weiter gefahren, aber ich war schon ziemlich raus. Ich hatte keine Lust, Rennen schauen zu gehen.
Und dein Comeback, wie hast du das betrieben? Ich habe langsam begonnen. Bin ein bisschen Cross-Country gefahren, immer mehr, so wie es halt ging.
Gab es da so was wie Angst? Angst? (er macht eine kurze Pause). Das ging über eine so lange Zeit, dass ich mich langsam herantasten konnte. Auch psychisch wieder motiviert zu sein. Ja, das ging so gut, weil ich so lange Zeit hatte.
Es gab seither auch keine Flashbacks? Nein, auch nicht bei Stürzen. Die gibts einfach. Würde es das geben, könnte man nicht mehr schnell fahren.
Was fasziniert dich am Downhill am meisten? Wenn du einen schnellen Lauf hast, wenn du in einem Rush bist und du merkst erst im Ziel, was man gemacht hat. Wenn man es sich hinterher kaum mehr vorstellen kann, wie man gefahren ist, also wenn man in so einen Flow reinkommt und bei einem perfekten Run alles passt.
Wie oft hat man so was? Das gibt es speziell im Rennen. Im Training kann man sich gar nicht so extrem pushen wie im Rennen, wenn man gegen die Uhr fährt.
Die äussere Motivation gegen die Zeit… …und wenn du gegen 80 schnelle Fahrer im Final fährst, alles hat geklappt und man hat eine super Zeit.
Das heisst die Motivation ist, diesem perfekten Lauf, dem Flow, nachzujagen? Ja, genau.
Welche Rolle spielt der Rausch an der Geschwindigkeit? Eigentlich keine. Es macht schon Spass, wenn es sehr schnelle Passagen hat, aber den Flow kann man auch auf langsamen Strecken herausholen.
Worin siehst du dein grösstes Potenzial oder dein Defizit? Überall ein bisschen. Ich denke, man würde falsch trainieren, wenn man ein grösseres Defizit an einer Stelle hätte. Es sind viele Kleinigkeiten.
Dieses, aus dem Starthaus katapultieren, sich den Berg hinunter stürzen, kostet das jedes Mal neu Überwindung? Im Rennen ist das schon speziell. Man möchte voll attackieren, aber auch keinen Fehler machen, es ist ein Zwiespalt. Am besten ist, wenn man nicht viel überlegt, sondern einfach geht.
Im Vergleich zu den Ski-Abfahrern, die sich in Wengen oder in Kitzbühel jedes Mal überwinden müssen: Ist das bei euch auch so? Ja, das ist schon eine Überwindung. Bis an den Punkt, bis man geht. Es ist ein permanenter Druck, die Aufregung.
Ist die Aufregung bei einem Heimweltcup wie in Champéry eigentlich grösser? Nein, das ist immer dasselbe. Vielleicht bei einem nationalen Schweizer Rennen nicht so hoch, wie an einem Weltcup, aber eigentlich ist sie immer da.
Das heisst der Schweizer Weltcup ist nichts besonderes, obwohl dein Teamchef Claudio Caluori dort die Strecke gebaut hat? Nein, so will ich gar nicht anfangen. Das bringt nichts.
Wie bist du denn mit deiner Saison bisher zufrieden? Ich hatte gute und schlechte Rennen. Der Weltcup in Maribor war für mich das erste Rennen, weil ich im März das Handgelenk gebrochen habe. Das war ein wenig ein unglücklicher Start, da war ich noch nicht so in Form (Rang 29). Mit dem neunten Platz in Fort William war ich sehr zufrieden. In Leogang bin ich gestürzt, da waren die Verhältnisse sehr schwierig. Aber ich bin eigentlich zufrieden mit der Saison, weil ich selber spüre, dass ich im Verhältnis zum letzten Jahr weiter vorne mitfahren kann, dass ich einen Fortschritt gemacht habe.
In welcher Hinsicht hast du denn Fortschritte gemacht? Ich kann nicht speziell sagen, da und da. Vielleicht im Kopf, vielleicht da, vielleicht dort.
Machst du eigentlich Mental- oder Konzentrationstraining? Nein, ich habe auch keine Probleme mich zu konzentrieren.
Was trennt dich noch von der absoluten Weltspitze? Das sind auch wieder mehrere Faktoren. Erfahrung, mehrere Fähigkeiten. Schlussendlich können sie besser fahren. Das Zusammenspiel von allem. Ich habe keine speziellen Defizite. Ich kann auf jeder Strecke schnell fahren, wenn es mir läuft. Ich habe auch keine spezielle Lieblingsstrecke.
Bezeichnest du dich eigentlich als Profi? Ja, seit letztem Jahr, seit ich bei Scott11 bin.
Wie muss man sich das vorstellen. Kannst du davon gut leben? Ich habe ein Fixum, das ich bekomme, sonst wäre es ja nicht möglich. Im Winter arbeite ich zwei, drei Monate in meinem Beruf.
Welche Vorstellungen hast du für die nahe Zukunft? Ich will zu den schnellsten fünf der Welt gehören, die nächsten zwei, drei Jahre. Das wäre mein Traumziel.
Du bist im Moment klar der beste Schweizer. Spielt das für dich eine Rolle? Nein, eigentlich nicht. Ich schaue auf die Top fünf und bin international orientiert. Andere Rennen haben nicht mehr so viel Bedeutung.
Es entsteht auch kein besonderer Druck, weil du beim Weltcup immer für die Top-Resultate sorgen solltest? (Lacht). Überhaupt nicht. Es wäre cool, wenn andere Schweizer möglichst nach vorne fahren würden. Zum Beispiel mein Bruder.
Du bist einige Jahre zusammen mit ihm im Team gefahren. Wäre das ein Ziel, wieder mit ihm gemeinsam in der Equipe zu sein? Ja, das wäre cool. Er hat sich in Leogang ja leider verletzt.
Trainiert ihr eigentlich zusammen? Es ist schwierig. Er wohnt ja in Bern, ich in Interlaken. Aber downhillen gehen wir schon zusammen.
A propos Training. Wo trainiert man in der Schweiz Downhill? Wenn, dann gehe ich ans Wiriehorn. Und sonst im Bikepark Châtel in Portes-du-Soleil, das ist einer unserer grössten Sponsoren. Dort können wir super trainieren.
Stichwort Team. Spielt Scott11 auch eine Rolle bei deinen Fortschritten? Ja, sicher auch. Am meisten kann ich profitieren von der Infrastrukur mit den Mechaniker und von Claudios Organisation. Es ist eine super Infrastruktur, zum Beispiel mit Markus, der Physio ist und super kocht. Man muss sich um nichts Gedanken machen. Das hatte ich so vorher noch nie.
Was war dein bisher grösster Erfolg? Den sechsten Rang beim Weltcup in Andorra würde ich höher stellen als die Europameisterschaft.
Und welche Ziele hast du dir für den Rest der Saison gesteckt? Ich will die Gesamtwertung unter den besten Zehn abschliessen. Bei der WM möchte ich auch Top-Ten fahren. In Mont Sainte Anne war ich im Jahr 2009 Elfter.
Hast du ausserhalb vom Mountainbike Hobbies oder Leidenschaften? Motocross, aber das gehört auch zum Training. Das bringt sehr viel. Sonst gehe ich im Sommer auch gerne mal an den See, um auszuspannen. Auch wenn es wie ein Traum ist, so zu leben, sage ich immer wieder, ich brauche auch einen Ausgleich.
Was sagt eigentlich deine Freundin zu deinem Sport? Hat sie keine Angst um dich? Doch, doch. Sie sagt immer, ich soll aufpassen. Ich sage dann, wenn ich mich verletze, bin ich mehr bei dir. Aber das gefällt ihr gar nicht (lacht). |