| Melchior Ehrler kündet Umbau von Swiss Cycling an |
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Anlässlich der Delegiertenversammlung von «Swiss Cycling» hat Präsident Melchior Ehrler angekündigt, dem Radverband grundlegend neue Strukturen zu verpassen. In diesem Jahr sollen komplett neue Statuten entwickelt werden. Gleichzeitig will er die Anzahl Mitglieder deutlich erhöhen.
«Wir müssen in die Zukunft schauen und nicht die Probleme der Vergangenheit beweinen», appellierte Ehrler an die Verbandsbasis. Die finanzielle Lage sei zwar auf gutem Weg der Besserung, sie sei aber weiterhin heikel. Seine Mitarbeiter müssen jeden «Fünfer» zwei Mal drehen, bevor sie ihn ausgeben können und ihr Leistungsbereich sei durch diese Lage sichtlich eingeschränkt. Es müsse mehr Geld her, das stehe ausser Zweifel. Die Situation will man mit einer Offensive in der Mitgliedergewinnung in den Griff bekommen. Vor allem bei den Veloclubs sieht Ehrler ein grosses Potenzial und vermutet, dass unzählige Clubmitglieder nicht Mitglied von Swiss Cycling seien. Er fordert die Veloclubs auf, ihre Mitglieder zu einer Mitgliedschaft beim Dachverband Swiss Cycling zu bewegen. Nur schon 5000 zusätzliche Mitglieder würden den operativen Betrieb massiv erleichtern, erklärt er die Offensive. Gerade im Spitzensport stehe man an der finanziellen Grenze des Möglichen um das hohe Niveau halten zu können. Dazu sollen die Verbandstrukturen in ihren Grundwerten hinterfragt und reformiert werden. Es könne nicht sein, dass Velofahren eine der beliebtesten Sportarten der Schweiz sei und der Radverband eine so geringe Mitgliederzahl ausweise. «Der Radsport spielt sich heute zu einem grossen Teil ausserhalb der Verbandsstrukturen ab», attestiert Ehrler. Daher müssen auch die Strukturen des Verbands reformiert werden, um der heutigen Realität gerecht zu werden. Man wolle deshalb auf die Delegiertenversammlung im März 2011 komplett neue Statuten ausarbeiten. Dabei sollen die Regionalverbände mehr Mitspracherecht kriegen, man will die Formen der Mitgliedschaften erweitern, regionale Stützpunkte sollen die Nachwuchsförderungen stärken und Ideen aus der Basis sollen direkter in die Verbandsleitung einfliessen. Finanziell kann Swiss Cycling auf ein ansprechendes Jahr 2009 zurückblicken, das aber unter dem Stern der finanziellen Gesundung steht. Der Schuldenberg konnte um 134'000 Franken auf 1.23 Millionen Franken reduziert werden. Kommentar zur Delegiertenversammlung Dass Swiss Cycling mehr Mitglieder braucht, ist nichts Neues und das Problem seit vielen Jahren erkannt. Zwar konnte man vor einigen Jahren den Mitgliederschwund stoppen, doch alle Massnahmen zur deutlichen Erhöhung der Mitgliederzahlen haben bisher nicht ausreichend gegriffen. Nun kommt der nächste Anlauf um den Verband wieder auf eine gute Mitgliederbasis zu stellen. Und möglicherweise kommt nun der verheissungsvollste Versuch. Denn Swiss Cycling braucht einen gänzlichen neuen Aufbau, neue Strukturen und eine neue Mitgliederbasis. Mit den verkrusteten Strukturen und den noch verkrusteteren Delegierten steuert man in eine Sackgasse. Frischer Wind ist gefragt, keine lauwarmen Lüftchen. Für einen Freizeit-Mountainbiker gibt es heute keinen offensichtlichen Grund, bei Swiss Cycling Mitglied zu sein. Der gemeine Biker fragt heute nach dem «Return» seines eingesetzten Mitgliederbeitrages und stellt ernüchtert fest: Die 95 Franken haben für ihn als Individuum keinen direkten und sichtbaren Nutzen. In diesen Dimension wird heute gedacht, und dieser Realität muss sich ein Sportverband stellen. Da reicht ein Checkheft mit Rabatten auf alles Mögliche längst nicht mehr. Swiss Cycling muss sich neu erfinden, eine Patentlösung oder ein Vorbild für die Nachahmung gibt es nicht. Der Verband braucht Statuten, die dem heutigen Gesellschaftsbild entsprechen. Und er braucht dringend eine neue Delegierten-Basis. Die grau-melierte Altherren-Runde der Verbands-Delegierten ist das Sinnbild der heutigen Verbandsstrukturen, von Dynamik oder Aufbruchstimmung ist hier nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Ein junger Radsport-Enthusiast mit Ideen und Tatendrang wird durch ein solches Gegenüber bis zur Tatenlosigkeit ernüchtert. Melchior Ehrler wird zweifelsfrei die Verbands-Statuten und die Organisations-Strukturen zeitgemäss reformieren, doch er muss auch die entscheidungstragende Verbandsbasis gänzlich erneuern. Der Mann ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Kommentar: Thomas Giger |
Meldung vom 08. März 2010 (Autor: tg ) |
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