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McMahon-Skandal: Trauerspiel für den Spitzensport

Mit dem Dopingfall Brigitte McMahon erlebt die Schweiz nach Oskar Camenzind den zweiten grossen Dopings-Skandal eines beliebten und sauber geglaubten Spitzensportlers. Die Auswirkungen des Geständnis McMahons sind noch nicht abzuschätzen: Die Olympiasiegerin McMahon verkörperte das propere Bild einer verantwortungsbewussten Mutter, die Familie und Spitzensport vorbildlich verbindet. Entsprechend beliebt war sie in Promi-Medien wie der «Schweizer Illustrierten». Nun fällt die dünne Fassade innert weniger Stunden in sich zusammen. Der Doping-Gebrauch McMahons wird dem Triathlon nachhaltig schaden, und die Sportart verliert damit seine Jungfräulichkeit in Sachen Dopingskandalen.

Fakt ist: Brigitte McMahon wurde während einer Trainingsphase des Konsums des Dopingmittels Epo überführt. Sie ist geständig, wird voraussichtlich für zwei Jahre gesperrt und ist per sofort aus der Triathlon-Nationalmannschaft ausgeschlossen. Ob sie vom Spitzensport zurücktritt, liess die Zugerin noch offen.

Oberflächliche Einsicht
Wie bisher alle überführten Dopingsünder gibt auch McMahon die Quelle ihrer Epo-Lieferungen nicht bekannt, sie «übernehme die volle Verantwortung für ihr Handeln». Dabei wären genau diese Informationen ausgesprochen wichtig im Kampf gegen Doping. Aber hier enden generell die Reue-Beteuerungen der Sportler, die sich nach dem Auffliegen ihrer Unsportlichkeit immer einsichtig geben. Wären sie dies wirklich, würden sie die Quellen bekannt geben. Dass McMahon zudem nicht per sofort und für immer vom Spitzensport zurück tritt, zeigt wie oberflächlich ihre Reuebeteuerungen sind.

Doping zu therapeutischen Zwecken?
Als studierte Biochemikerin wusste Brigitte McMahon sehr genau, wie selbst geringe Epo-Dosen wirken, wenn sie zur rechten Zeit eingesetzt werden. Die «Entschuldigung», sich damit nur therapiert und keinen Leistungsvorteil daraus gezogen zu haben, ist inakzeptabel und vor allem eine Lüge. Kleine Epo-Dosen sind heute (zumindest im Strassenradsport) verbreitet. Und aus welchem anderen Grund als zur Leistungsförderung soll ein Spitzensportler Epo zu sich nehmen?
Und was ist denn genau nach McMahons Interpretation «Doping zu therapeutischen Zwecken»? McMahon schien mit Epo ihr Formtief «therapieren» zu wollen und sagt zwischen den Zeilen: Wenn man den Anschluss an die Weltspitze verliert, ist das eine Krankheit, die man behandeln muss. Wenn McMahon mit «Therapie» die Verkraftung ihrer Scheidung von Ehemann Michael und des Todes ihres Vaters meint, dann braucht sie allenfalls Psychopharmaka und seelischen Beistand, nicht aber Epo.

Immer professionellere Dopingfahndung
Der Fall McMahon ist der zweite grosse «Erfolg» einer immer professioneller werdenden Dopingfahndung. Brigitte McMahon wie auch Oskar Camenzind glaubten, mit ihrer Doping-Methode nicht erwischt zu werden - und wurden dabei von den gezielt arbeitenden Dopingfahndern überrascht. Wie bei Camenzind studierten die Kontrolleure von «Swiss Olympic» und dem«Bundesamt für Sport» McMahons Trainings- und Wettkampfplanung im Detail und setzten die Kontrolle termingenau an. Dass die Dopingfahndung immer stärker und professioneller wird, ist gut so - wird aber leider auch in Zukunft den einen oder anderen, sauber geglaubten Nationalheld vom Sockel holen.

Kommentar: Thomas Giger




Meldung vom 03. Juli 2005 (Autor: red )
 

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