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Leggero kehrt zurück

Einst war Leggero der grösste Kinderanhänger-Hersteller Europas, bis ihn strategische Fehlentscheide, schlechte Testergebnisse und die Konkurrenz vom Markt fegten. Nun wagt die Firma aus Romanshorn einen Neustart mit einem neuen Modell im Direktvertrieb – und erntet dafür Kritik aus der Fahrradbranche.



Der neue Kinderanhänger mit dem Namen «Vento» lehnt sich optisch wie technisch an den Anhänger an, welchen den Leggero zum einst beliebtesten Kinderanhänger machte. Der «Vento» baut auf einer Aluminiumwanne mit zwei starren 20-Zoll-Rädern. Gefedert ist dafür die Sitzbank im Innern der Passagierkabine, die von einem Stoffdach überspannt wird. Neu ist das Design, welches laut Leggero-Sprecher Michael Haller bewusst an den Segelsport erinnert. Die weisse Plane soll aber nicht nur schick, sondern auch sicher sein, weil sie im Verkehr gut gesehen wird.



Direktverkauf statt Händlernetz


Der neue Leggero «Vento» kann ab sofort für Fr. 499.- über die Homepage von Leggero bestellt werden. Kundengemeinschaften, die drei oder mehr Anhänger aufs Mal bestellen, erhalten pro Anhänger eine Preisreduktion von Fr. 100.- . Optional erhältlich sind verschiedene Becco-Kupplungen, ein Regendach und ein drittes Rad, damit der Anhänger auch als Kinderwagen genutzt werden kann. Laut Haller hat man sich bei Leggero bewusst dagegen entschieden, den neuen Anhänger auch über den Fachhandel zu vertreiben: «Durch die Margen der Wiederverkäufer müssten Familien rund tausend Franken für den Anhänger bezahlen. Das ist zu viel». Stattdessen fordert Leggero die potenziellen Käufer auf der Homepage dazu auf, frech zu sein und den lokalen Zwischenhandel leer ausgehen zu lassen - eine harte Konkurrenzansage an die früheren Geschäftsparner, dank denen Leggero die 100'000 Anhänger verkaufen konnte, deren man sich heute rühmt.



Ungewöhnliches Auftreten für Sozialunternehmen

Solch ein keckes Auftreten ist man sich von einer Firma wie es Leggero-Hersteller Brüggli ist, nicht gewohnt. Die Leggero-Anhänger werden nämlich in einer sozialen Institution entwickelt und gebaut, die mehreren hundert Menschen einen geschützten Arbeitsplatz bietet. Das Hauptziel der sozialen Werkstätten des Vereins Brüggli ist es, seine Mitarbeiter längerfristig in die normale Arbeitswelt zu integrieren. Dafür erhält Brüggli auch Beiträge aus der öffentlichen Hand, beispielsweise von den Kantonen St. Gallen und Thurgau.



Kritik an Vermarktung

In der Vergangenheit war Brüggli bereits mehrfach in die Kritik geraten, staatliche Sozialbeiträge in unausgereifte Produktideen zu stecken oder mit Kampfpreisen und Fehlinformationen den Wettbewerb zu verzerren. Den letzten Vorwurf muss sich Brüggli nun auch wieder gefallen lassen. «Der Preis von Fr. 499.- zuzüglich Versandpauschale erachten wir nicht als attraktiv, wenn man die beträchtlichen Montagearbeiten noch berücksichtigt, die der Käufer selbst durchführen muss», sagt Reto Meyer, Geschäftsführer vom Chariot-Importeur TDS Rad AG. „Technisch ist der Vento dort anzusiedeln, wo sein Vorgängermodell vor 20 Jahren schon war. Heutige Kinderanhänger aus dem Fachhandel werden mit mehr Zubehör und hochwertigeren Komponenten ausgeliefert, und sie sind bereits ab Fr. 650.- fahrbereit montiert erhältlich. Kinderanhänger in der zitierten Preisklasse von Fr. 1000.- sind technisch wesentlich hochwertiger ausgestattet.»



Für Reto Meyer wird zudem ein wichtiger Punkt ausser Acht gelassen. „Die Kinderanhängersysteme von Chariot erfüllen sämtliche internationale Tests bezüglich Sicherheit. Kindersicherheit ist ein ernsthaftes Thema und darf nicht über einen unfairen Preiskrieg ohne Fachhändlerberatung ausgetragen werden.»


Meldung vom 09. März 2009 (Autor: red )
 

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