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Esther Süss ist neue Marathon-Europameisterin

Esther Süss gewinnt in Albstadt das Europameisterschafts-Rennen deutlich vor der Titelverteidigerin Pia Sundstedt und der Urnerin Antonia Wipfli. Süss lag das ganze Rennen über mit der Finnin Sundstedt an der Spitze, die nach einem Reifendefekt den Anschluss verliert. Bei den Herren gewinnt der Österreicher Alban Lakata vor Peter Riis Andersen. Dritter wird der 22-Jährige Schweizer Urs Huber.


Bei den Herren liegen mit Andreas Kugler auf 5, Sandro Spaeth auf 7 und Lukas Buchli auf 8 drei weitere Fahrer unter den besten zehn. Der Zürcher Urs Huber, aktueller Leader in der iXS Bike Classic, ist mit Abstand der jüngste Fahrer unter den besten 10 - gute Aussichten für die Schweiz auf der Marathondistanz. Die Silbermedaille musste Huber nur um eine Sekunde an den Dänen Riis Andersen abgeben.


Der Titelgewinn von Süss bei den Damen ist alles andere als eine Überraschung. Die Aargauerin zählte zu den klaren Favoritinnen, sie hat bisher alle Rennen der iXS Bike Classic gewonnen und auch im Cross Country-Weltcup respektable Leistungen gezeigt. Das Europameisterschaftsrennen gewinnt sie mit über fünf Minuten Vorsprung.





Offizielle Pressemitteilung:



Der Österreicher Alban Lakata holte sich im Rahmen der GONSO Albstadt MTB Classic den Titel des Marathon-Europameisters. Nach 95 Kilometern siegte er in 3:28:30 Stunden mit 38 Sekunden Vorsprung auf Peter Riis Andersen (Dänemark)  und 40 Sekunden vor Urs Huber (Schweiz). Vierter wurde Karl Platt (Osthofen) mit 2:01 Minuten Differenz. Bei den Damen siegte die Schweizerin Esther Süss vor Pia Sundstedt (Finnland), Antonio Wipfli (Schweiz) und Bianca Knöpfle (Hubertshofen).



Auf dem schnellen Kurs in Albstadt bildete sich im Männerfeld, initiiert von Karl Platt, eine dreiköpfige Spitzengruppe, zu der noch Andersen und der Schweizer Andreas Kugler gehörten. Nach der Hälfte der Distanz lagen 45 Sekunden zwischen dem Trio und einer siebenköpfigen Verfolgergruppe. Doch da gab es einige Fahrer, die wollten sich mit dem Kampf um Platz Vier nicht abfinden. Nach rund 50 Kilometern fuhren vier Fahrer auf, darunter auch Huber, Lakata und Topfavorit Thomas Dietsch (Frankreich). Nicht mehr mit dabei war zu diesem Zeitpunkt Hannes Genze (Sindelfingen), der sich zu eigener Überraschung „sehr stark“ gefühlt hatte, und im Verfolgerfeld zugunsten seines Alb-Gold-Teamkollegen passiv blieb. Genze wurde auf gerade Strecke von einem Konkurrenten vom Bike geholt, stürzte und musste mit einem platten Reifen und verbogenem Lenker aufgeben.



Lakata überwindet Nervosität

Nach dem Zusammenschluss blieb es nicht lange ruhig. „Ich hatte am Anfang keine guten Beine, vielleicht auch weil ich sehr nervös war, weil man mir eine Favoritenrolle zugedacht hatte. Aber nach der Hälfte hatte ich super gute Beine“, erzählte Lakata im Ziel. Diese guten Beine nutzte er, gemeinsam mit Huber, zu einer Attacke nach etwa 60 Kilometern. Lukas Buchli (Schweiz) ging mit und das Trio passierte mit einem Vorsprung von 20 Sekunden die Zeitmessung, 23 Kilometer vor dem Ziel.

Während Buchli das Tempo nicht halten konnte und zurück fiel, mobilisierte Andersen aus der Verfolgergruppe heraus noch einmal mit aller Macht und schaffte den Anschluss an das Spitzenduo. „Damit habe ich mich wohl für den Sieg disqualifiziert“, schmunzelte Andersen später über seinen Kraftakt. Eine andere Möglichkeit hatte er aber nicht. Lakata nutzte seine Stärke und setzte sich am letzten kleineren Anstieg ab. „Da habe ich noch mal Vollgas gegeben. Auf einen Sprint wollte ich es nicht ankommen lassen“, erzählte Lakata und sprach von seinem bisher „größten Erfolg“.

Andersen bezwang Urs Huber im Sprint und zeigte sich mit Silber sehr zufrieden. „Das hätte ich heute morgen nicht gedacht. Ich habe vorgestern noch eine Medizin-Prüfung gehabt und habe kaum lange trainieren können“, sagte Andersen, der schon mehrfach knapp an internationalen Medaillen vorbei gefahren war. Der Däne war damit der letzte verbliebene Alb-Gold-Fahrer, nachdem Tim Böhme (Freiburg) und Lokalmatador Torsten Marx  (Hechingen) aus gesundheitlichen Gründen ausgestiegen waren und Jochen Käß (Weil im Schönbuch) nach 70 Kilometern das Rennen verließ, um sich für die Cross-Country-Weltmeisterschaft in der kommenden Woche zu schonen.

Dem Schweizer Urs Huber war die Farbe der Medaille letztlich egal. „Ich wollte unbedingt eine Medaille und ich habe mich sehr gut gefühlt. Für mich ist das mein bisher größter Erfolg“, so Huber.



Süss(es) Solo nach Sundstedts Defekt

Bei den Damen entwickelten sich zwei Duelle. Um Gold kämpften Esther Süss und Pia Sundstedt. Die Finnin verlor nach rund 40 Kilometern Luft im Vorderrad. Süss wartete zuerst noch, doch als Sundstedt das Vorderrad wechselte, da war sie weg. Auf Nimmerwiedersehen. Süss blieb ein langer Alleingang, in dem sie immer fürchtete, dass sie von der Ex-Straßenfahrerin noch eingeholt wird. „Ich musste schon kämpfen, weil  ich dachte Pia kann auf dem letzten Stück noch kommen. Aber ich muss auch sagen, ich hatte extrem gute Beine heute“, erzählte Süss im Ziel, das in einer fast unbändigen Jubelpose erreichte.

„Ich habe lange für diesen Erfolg gearbeitet“, sagte sie erleichtert.

Sundstedt bekannte, dass sie etwas enttäuscht sei. „Aber ich will mich über eine Medaille nicht beklagen“, meinte die 32-Jährige. Sie glaubte, dass es ohne den Defekt „ganz, ganz eng“ geworden wäre.

Auf Platz Drei hätte man Antonia Wipfli nicht erwartet. Sie sich selbst auch nicht. „Damit hätte ich nie gerechnet, das ist der bisher größte Erfolg meiner Karriere. Von Anfang an hatte ich gute Beine.“ Wipfli konnte die zweite große Überraschung, Bianca Knöpfle (Hubertshofen) in einer Abfahrt distanzieren. „Da konnte ich ihr nicht folgen. Ich habe zwar die Lücke noch mal zu gefahren aber es hat mich zuviel Kraft gekostet“, sagte die etatmäßige Straßenfahrerin Knöpfle, die für das Team Rothaus-Cube quasi als Mountainbike-Gastfahrerin unterwegs ist.



Jakob Nimpf holt ersten U23-Marathontitel

Der Österreicher Jakob Nimpf gewann überraschend, auch für sich selbst den zum ersten Mal vergebenen Titel des U23-Europameisters im Marathon. Nimpf war erst gegen Ende des Rennens im Bilde über seine hervorragende Ausgangsposition. „Ich bin hier ohne Ziel her gekommen, weil ich als Medizinstudent zuletzt noch viele Prüfungen hatte“, sagte er Überraschungssieger, der seinen Landsmann Daniel Federspiel und den lange Führenden Vivien Legastelois (Frankreich) hinter sich ließ.

Lange Zeit war Lokalmatador Marcel Reiser (Tieringen) als Achter bester Deutscher, ehe er stürzte. Danach hatte er mit Schwindelgefühlen zu kämpfen und später auch noch einen Plattfuß, der ihn zum Aufgeben zwang.


Rangliste Europameisterschaften Marathon, Herren:

1. Alban Lakata (AUT), 3:28:30

2. Peter Riis Andersen (DEN), +0:38

3. Urs Huber (SUI), +0:39

4. Karl Platt (GER), +2:01

5. Andreas Kugler (SUI), +2:43

6. Thomas Dietsch (FRA), +3:25

7. Sandro Spaeth (SUI), +3:26

8. Lukas Buchli (SUI), +4:34

9. Israel Baticon Nunez (ESP), +4:54

10. Johannes Sickmüller (GER), +5:41

24. Christof Bischof (SUI), +17:14

25. Friedrich Dähler (SUI), +17:18

26. Ivan Planzer (SUI), +17:29

27. Thomas Litscher (SUI), +17:32

28. Konny Looser (SUI), +17:34

Rangliste Europameisterschaften Marathon, Damen:

1. Esther Süss (SUI), +4:02:33

2. Pia Sundstedt (FIN), +5:38

3. Antonia Wipfli (SUI), +7:52

4. Bianca Knöpfle (GER), +12:04

5. Erika Dicht (SUI), +14:27

10. Milena Landtwing (SUI), +26:26

21. Corina Gantenbein (SUI), +44:21



www.albstadt-mtb-classic.de


Meldung vom 15. Juni 2008 (Autor: red )
 

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