Seit der ersten Durchführung im Februar 2008 haben die Veranstalter stetig am Konzept der Basler Fahrradschau Twoo gefeilt und um die Akzeptanz in der Industrie gekämpft. Nach dem Einbruch der Besucherzahlen während der fünften Austragung im April 2012 verliert der Anlass auch den Rückhalt bei den Ausstellern. Jetzt steht fest: es ist Zeit für einen Nachruf für die Velomesse Twoo.
Fünfzig Aussteller zur ersten Twoo Im August 2007 machte es die Runde: die Messe Schweiz lanciert eine neue Publikumsmesse für die Fahrradbranche, die parallel zur Publikums-starken Muba im Februar 2008 erstmals über die Bühne geht. Rund fünfzig Aussteller konnte der damalige Messeleiter Frank Malter zusammentrommeln, mit Triathlonrädern bis zu E-Bikes konnte – wenn auch nicht lückenlos – ein einigermassen repräsentativer Überblick über die helvetische Velolandschaft erstellt werden.
So strömten zur ersten Austragung während den vier Messetagen über 24'500 Besucher in die Messehalle im Kleinbasel. Aussteller wie Thomas Binggeli (ehemals Thömus), Philip Douglas (Simpel) oder Kurt Schär (Flyer) zeigten sich zufrieden über den Messeverlauf.
2008: Erste Durchführung prägt das Konzept Die erste Austragung sollte bereits für die weitere Ausrichtung der Messe prägend sein. Starke Präsenz zeigten Direktverkäufer wie Stöckli, Simpel, Thömus oder Rose. Aber es gab – neben einer handvoll «Big Players» wie Cannondale, Trek oder Intercycle – auch prominente Abwesende. So suchte man in der Schweiz verwurzelte Hersteller wie Scott oder BMC vergeblich, internationale Brands wie Specialized oder Merida fanden nicht den Weg ans Rheinknie.
Viele Hersteller liessen sich an die Twoo locken, indem man sich zusammen mit lokalen Händlern an die Messestände stellte und sich so den finanziellen und personellen Aufwand teilte. Durch die starke Präsenz von Händlern aus Basel und dem Baselbiet erhielten Alltagsvelos und Elektrovelos eine beachtliche Aufmerksamkeit. Das städtische Umfeld der Messe wurde genutzt, um E-Bikes ins Rampenlicht zu stellen, die Publikums-Schnittmenge mit der parallel verlaufenden Muba-Messe bot sich ebenfalls an, um auf Elektromobilität zu setzen.
Im Jahr 2008 konnte die Twoo eine Pionierrolle einnehmen, da bis zu diesem Zeitpunkt noch nie derart viele E-Bikes auf einer Endkundenmesse zu bestaunen und auf einem gross angelegten Testparcours zu erleben waren. So nutzte beispielsweise Intercycle den Anlass, um den Bionx-Antrieb erstmals zu präsentieren und im Schweizer Markt einzuführen. Mit knapp 25'000 Besuchern zeigte sich der Veranstalter Messe Schweiz auch erfreut über die Premiere.
2009: Noch mehr Besucher Nach einem Wechsel an der Messespitze - Chantal Amhof übernimmt die Messe-Zügel von Frank Malter - kommt es zum Besucher-Exploit. Im Sog der gleichzeitig stattfindenden Muba finden über 35'000 Besucher den Weg zur Twoo. Aufgrund dieser 40-prozentigen Steigerung zeigt sich der Veranstalter Messe Schweiz weiterhin erfreut über das Abschneiden der Twoo.
Wurde die Messe bisher als regionale Veranstaltung abgetan, betonte der Veranstalter, dass Besucher aus der ganzen Schweiz, aus Süddeutschland und dem Elsass vom Anlass angezogen wurden. Am Konzept hat der Veranstalter nicht viel verändert, wenn auch die Stadtvelos und E-Bikes noch mehr in den Fokus rückten. Wie zur ersten Ausgabe umrahmten ein E-Bike-Testparcours sowie BMX- und Dirtjump-Shows den Event.
2010: Regional und doch national Beim dritten Durchlauf bricht der Twoo der sportliche Bereich beinahe weg: an der Messe tummeln sich hauptsächlich Alltagsräder und E-Bikes. Und bei einem spür- und sichtbaren Ausstellerschwund fällt es dem Organisations-Team rund um Messeleiterin Chantal Amhof schwer, die Messehalle nicht leer aussehen zu lassen.
Da man zweimal nicht davon weggekommen ist, nur eine Ausstrahlung in die Region Basel zu entfalten, versucht sich die Messe Schweiz in einer begrifflichen Kursänderung und verpasst dem Anlass die Bezeichnung einer «regionaler Messe mit nationaler Ausstrahlung». Die Pressesprecherin für die Twoo, Christine Kern, bekundet erstmals offen Probleme, die Velohersteller- und Importeure direkt in die Twoo einzubinden. Mit dabei sind weiterhin Aussteller, die sich mit den lokalen Fachhändlern präsentieren und auch Direktanbieter halten dem Anlass zum dritten Mal die Stange.
Der starken City- und E-Bike-Ausrichtung des Anlasses musste erstmals die Dirtjump-Anlage weichen. Einen veritablen Ansturm während den vier Messetagen im Februar 2010 erlebte der E-Bike-Testparourcs, der Ruf der Twoo als E-Bike-Schau beginnt sich in Stein zu meisseln. Mit beinahe 34'000 Besuchern konnte diesbezüglich von Veranstalter-Seite Zufriedenheit signalisiert werden. Auf Aussteller-Seite werden jedoch Laute wahrnehmbar, dass die Standkosten deutlich zu hoch angesetzt sind und für kleinere Aussteller die Kosten zu hoch sind, um sich an der Twoo zu präsentieren.
2011: Messe in neuen Händen Im August 2010 stellt die Messe Schweiz die Weichen für die Twoo neu. Sie übergibt die Basler Veloausstellung in die Hände der Veranstaltungsfirma Fairmeetings AG. Für die Weiterentwicklung und für die Durchführung der Messe haben die Winterthurer Event-Spezialisten ein Konzept formuliert, das neben der Messe in Basel mehrmals jährlich eine Präsenz an verschiedenen regionalen Publikumsmessen in der Deutschschweiz vorsieht.
Für die vierte Twoo, bei der Raphael Oerer für die Fairmeetings AG federführend ist, passt man die Richtung an und rückt erstmals von der Bezeichung «Die Schweizer Fahrradmesse» ab, zugunsten der Bezeichnung «Die Messe, die für Bewegung sorgt». Der Fokus der Twoo schränkt sich beinahe vollständig auf E-Bikes ein, bei Direktanbietern wie Thömus stehen noch vereinzelt Räder für den Mountainbike- oder Rennradbereich zur Schau.
Die markanteste Änderung vollzieht der neue Veranstalter mit der Ausdehnung der Messedauer auf zehn Tage. Erstmals rückte die Twoo im Jahr 2011 räumlich näher an die Muba-Messe, der Schauplatz verschob sich für das Jahr 2011 von der Halle 3 in die Rundhof-Halle 2. Die Basler Veloschau muss einen weiteren Ausstellerschwund hinnehmen, denn es gelingt wiederum nicht einen umfassenderen Zuspruch aus der Schweizerischen Importeur- und Hersteller-Szene zu erwirken.
Da die Twoo 2011 vollständig von der Muba-Messe umrandet wurde, war es erstmals nicht möglich, gesonderte Besucherzahlen zu erfassen. Bei der ersten Durchführung der Messe im Jahr 2008 sind noch über fünfzig Aussteller präsent gewesen, es gab mit Bekleidung von «Trailheidi» bis zum Triathlon-Testschwimmbecken von «Tridome» Zuspruch von Austellern aus einem breiteren Bereich der Fahrradbranche. Täglich mehrere BMX- und Radball-Shows, eine Elektrovelo-Teststrecke, eine Dirt-Jump Anlage inklusive Contest gaben dem Anlass weiteres Profil.
Diese Angebots- und Show-Elemente fielen bei der 2011er Ausführung der Twoo weg, die Ausstellung konzentrierte fast vollständig auf das E-Bike, viele der 21 Aussteller sind der Elektromobilitätsbranche zuzuschreiben. Der Aussteller-Schwund im Vergleich zu den Vorjahren ist dermassen stark, dass die E-Bike Teststrecke nicht wie geplant ins Aussengelände platziert, sondern als Platzfüller in die Messehalle integriert wird.
Einen grossen Schritt nach vorne erreichte der neue Veranstalter mit dem neuen Erscheinungsbild der Twoo. Die Aussteller zahlten nochmals höhere Quadratmeterpreise für die Stände als im Vorjahr, sogar über dem Muba-Niveau liegend. Sie erhielten dafür ein Stand-Konzept mit Beleuchtung, Beschriftung und Einrichtungselementen mitgeliefert. Für den Besucher war das angenehm, denn die Twoo schafft es auf diesem Weg, sich vom Baustellencharme und vom Zeltstadt-Look von früher zu befreien. Den schöneren Look erkauft sich die Messe aber durch die hohen Standkosten mit einem Rückgang der Aussteller.
Wie sich die Twoo aufs Finale im Jahr 2012 hinbewegt, lesen Sie
hier www.twoo.ch (Der Verfassser dieses Artikels war für die Twoo-Ausgaben in den Jahren 2008, 2009 und 2010 als freier Mitarbeiter im Auftrag für die Messe Schweiz zuständig für die Organisation von Side Events wie BMX-und Trial-Shows, Dirt-Jump-Competitions und Mountainbike-Team-Präsentationen. Zudem war der Autor als Geschäftsführer eines Fahrradfachgeschäfts mit einem Stand an den Twoo-Messen der Jahre 2008, 2009 und 2010 als Aussteller präsent.)
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