| Brüder Flückiger: «Wir schlagen uns nicht die Köpfe ein» |
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Lukas und Mathias Flückiger sind die erfolgreichsten Cross-Country-Geschwister aller Zeiten. Beide gehören zu den besten Athleten der Welt. Im Interview mit Ride erläutern sie ihre Beziehung zu einander, wo sie sich unterstützen und wann sie sich in die Haare geraten.
Ihr habt zum zweiten Mal gemeinsam die Cape Epic bestritten. Wie lautet euer Fazit? Mathias: Es ging gut, für mich sogar überraschend gut. Ich habe nächste Woche die Abschlussprüfung von meiner Ausbildung zum Baumaschinenmechaniker. Das geht über eineinhalb Monate. Das heisst, du konntest weniger trainieren? Mathias: Ja, das auch. Bisher hat das Training nicht so extrem gelitten, aber die Erholung. Aber diesen Winter war ich viel konzentrierter auf das Lernen. Eigentlich habe ich mir selber auch Druck gemacht. Ich war gegen Ende letzte Saison sehr erfolgreich und habe entsprechende Erwartungen. Allerdings war es zuhause im Winter schwierig zu trainieren. In ein Trainingslager konnte ich nicht gehen, das war eine Herausforderung. Und du, Lukas? Lukas: Ich hatte einen guten Winter, bin die Cross-Rennen gefahren, wie die Jahre zuvor. Ende Februar bin ich kurzfristig nach Gran Canaria. Nach der Cape Epic bin krank geworden, deshalb fehlt mir die Rennpraxis. Da habe ich in Dalby noch gespürt. Ich kann die Tempowechsel noch nicht so mitgehen, aber die Form ist da. Ansonsten lief alles nach Plan. Zurück zum Cape Epic. Wenn bei dir, Lukas, alles nach Plan lief und du, Mathias, weniger trainieren konntest. Hattet ihr da Befürchtungen, dass die Leistungsunterschiede zu groß sein könnten? Mathias: Vor der Cape habe ich mir das so vorgestellt. Luk war sicherlich am Anfang etwas stärker... Lukas:...aber wir haben uns gut gefunden. Die ersten zwei Tage waren für Mathias vielleicht ein wenig hart, aber dann hat sich das eingependelt und wir sind die ganze Woche auf dem gleichen Niveau gefahren. Ich fühlte mich nach dem Winter ziemlich stark und ich dachte der Unterschied wäre grösser, aber das war überhaupt nicht so. Wir waren wirklich auf dem gleichen Niveau. Wie harmoniert ihr beiden denn auf der persönlichen Ebene? Mathias: Wir sind am arbeiten, dass es nicht mehr so viele Differenzen gibt. Bei der Cape mussten wir mit einander auskommen... ...du meinst es war eine Art Zwang... Lukas:...nein, nein, es ist kein Zwang. Ich schätze ihn so wie er ist. Bei der Cape Epic muss man ja zwangsläufig miteinander auskommen. Lukas: Bei der Cape Epic hatten wir nie Probleme. Das einzige Problem war, dass wir mit den Nerven ziemlich unten waren nach den ersten zwei Tagen, als wir Defekte hatten. Aber es ist kein Zwang gut miteinander auskommen zu müssen. Ich denke, im Rennen harmonieren wir perfekt. Er unterstützt mich und ich ihn. Mathias: Ja. Und sonst? Lukas: Ja, auf der menschlichen Basis, neben dem Wettkampf, da ist es zwischen Brüder immer schwierig. Es gibt immer eine Art Konkurrenzkampf. Mathias: Ich denke der Konkurrenzkampf ist auch bei einem anderen Teamkollegen da. Aber wir sagen einander was wir denken, direkt. Lukas: Dadurch kann die Situation manchmal eskalieren. Wenn mich was stört, dann sage ich es sofort. Wir haben schon öfter Meinungsverschiedenheiten, wenn wir zusammen sind. Das eskaliert manchmal sehr schnell, aber dann ist auch gleich wieder alles in Ordnung. Es ist nicht so, dass wir mehrere Tage miteinander nicht auskommen. Also typisch familiärer Zwist? Mathias: Ja. Lukas: Ja. Es ist zum Teil schon sehr schwierig. Er hat jetzt die Situation mit der Ausbildung und ist neben dem Training schon sehr belastet. Mathias: Ich bin auf ihn angewiesen und auch auf andere. Mit der Zeit stösst es dem anderen vielleicht auf, dass ich immer von ihnen profitieren muss. Lukas: Wir haben in der Szene zum Teil den Ruf, das sind die Brüder, die sich den Kopf einschlagen, aber das ist überhaupt nicht so. Und wenn wir uns im Rennen treffen, harmonieren wir sowieso. Auch im Training? Lukas: Ja, wir trainieren gleich. Der Stärkere gibt vor, wie gefahren wird (grinst). Aber es ist nicht immer gleich zu sehen, wer das ist. Es macht also Sinn, gemeinsam in einem Team zu fahren? Mathias: Auf jeden Fall, wenn man die Resultate sieht. Wir motivieren einander meist. Lukas: Ich hatte früher oft Probleme, wenn er mich eingeholt hat und habe immer etwas Zeit gebraucht, um mich wieder zu motivieren, damit ich die Familienhierarchie wieder herstellen konnte. Aber das ist nicht mehr so. Heute ist es mein Traum, und ich glaube seiner auch, dass wir gemeinsam das Renngeschehen beeinflussen können. Mathias: Zusammen sind wir größer, als der einzelne für sich. Lukas: Ich fühle mich wohler, wenn er dabei ist. Mathias: Ja, aber es ist nicht immer gleich. Was macht denn den Unterschied zwischen euch beiden aus? Mathias: Ich denke einfach... Lukas: Also Unterschied, nein, wir sind sehr ähnlich. Das ist der Grund, dass wir manchmal zusammen stoßen. Mathias: Wir haben eigentlich ähnliche Ansichten, hmm... ...vielleicht unterschiedliche Wege? Mathias und Lukas: Ja, genau. Lukas: Aber ich denke beide wissen, dass ohne den anderen nichts läuft. Wenn wir eine schlechte Beziehung zu haben, dann können wir nicht befreit haben. Mathias: Wenn ich Probleme mit Luk habe, dann nervt mich das und ich kann mich dann nicht aufs Rennen konzentrieren. Lukas: Ich denke nicht, dass es gleich wie bei einem anderen Team-Mitglied. Wenn du da nicht ganz auf der gleichen Wellenlänge bist, dann muss das dein Niveau nicht schwächen. Aber bei uns ist das so. Lukas, bei dir hat es eine Weile gedauert, ehe du in der Elite dein Potenzial ausschöpfen konntest. Mathias hat einmal gesagt, der Lukas macht sich zu viele Gedanken. Unterscheidet euch das ein Stück weit? Mathias: Ich denke, ich habe mich in diesem Bereich, wahrscheinlich ist das auch negativ, ein bisschen verändert. Ich bin Luk da ähnlicher geworden. Bei den Junioren bin ich wirklich kopflos gefahren, also, ich meine, ich habe mir nicht so viele Gedanken gemacht, wie heute. Kopflos im positiven Sinne? Mathias: Ja, ich fuhr einfach drauf los. Auch im Rennen, gut, das mache ich auch heute noch. Aber die Vorbereitung. Nicht, dass ich unseriös war, aber wenn irgendwas nicht in die Vorbereitung passte, das war mir eigentlich egal. Daran muss ich arbeiten, dass ich diese Lockerheit wieder finden kann. Und trotzdem seriös bleibe. Lukas, was war entscheidend für dich beim Schritt in die Weltspitze, dass du konstanter wurdest. Lukas: Die Konstanz ist immer noch nicht so da. Ich will immer noch manchmal mit dem Kopf durch die Wand, wenn es nicht so läuft. Mathias hat mir sicher auch etwas Lockerheit gegeben, aber es hängt auch damit zusammen, dass ich jetzt mit meiner freien Zeit besser umgehen kann. Nach Ende meiner Ausbildung bin ich mit dieser Situation nicht zurecht gekommen. Dadurch habe ich mir viele Gedanken gemacht und ich habe zwei Jahre gebraucht, um damit klar zu kommen. Da habe ich von Mathias gelernt. Ich denke, wir haben uns in der Mitte gefunden. Er macht sich jetzt etwas mehr Gedanken über gewisse Sachen und ich habe mehr Lockerheit gefunden. Wir sind am Anfang der Saison. Was soll sie bringen für euch beide? Lukas: Ich möchte dort anknüpfen, wo ich die Saison 2009 beendet habe, unter den Top fünf. Aber insgeheim erhoffe ich mir, dass ich Top drei fahren kann. Aber das ist so schwierig. Ich denke, ich brauche noch etwas Zeit. Mathias: Klar, es wird jetzt mit der Ausbildung erst mal schwierig an die Erfolge von Champéry und Schladming anzuknüpfen. Ab den Weltcups in Val di Sole und Champéry könnte meine Zeit kommen. Und dann hast du noch eine Rechnung offen mit der Weltmeisterschaft, nachdem du in Canberra durch einen Defekt nur 14. geworden bist? Mathias: Ja, sicherlich, eine WM-Medaille ist das Ziel. Aber in der U23-Klasse taucht jedes Jahr noch einer auf, mit dem man nicht gerechnet hat. Klar, würde ich gerne U23-Weltmeister werden, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das schwierig zu sagen. Da sind eine ganz Hand voll Fahrer, die schnell sein können. Wie geht es mit dem Team und mit eurer neuen hübschen Teamkollegin Emily Batty? Lukas: Gut, sehr gut. Und Emily ist wirklich eine super Person. Es ist wirklich sehr angenehm mit ihr. Und die Betreuung funktioniert jetzt im zweiten Jahr sehr gut. In Dalby war zu sehen, dass Emiliy Mathias an einer technischen Passage um Rat gefragt hat. Mathias: Ich denke, sie kann schon von uns profitieren. Lukas: Ich glaube, sie will das auch. Sie fragt uns, ob sie mit uns auf die Strecke kann, oder fragt uns dies oder jenes. Das finde ich gut. Habt ihr’s lustig miteinander? Mathias (lacht): Ja. Lukas: Ich denke, die Sprache ist noch ein bisschen ein Problem. Die Sprache? Mathias: Für Lukas ist das nicht so, aber ich für mich ist das neben der Ausbildung die zweite Herausforderung. Ich habe im Winter versucht mit einem Sprachprogramm Englisch zu lernen. Es ist auch wichtig, zum Beispiel bei der Massage. Es macht es auch interessant. Lukas: Also ich finde einfach..., mit der Emily,...ich meine vorher war niemand bei uns am Zelt (grinst). In Dalby hatten wir eigentlich das kleinste Zelt auf dem Platz, aber die meisten Leute stehen bei uns (lacht). Ihr hattet nur ein kleines Zelt? Lukas: Ja, die Leute waren vorher bei den Sea Otter Classics und sind einfach nicht rechtzeitig rüber gekommen. Wir mussten auf Sparflamme kochen. Aber für mich ist das kein Problem. Mathias: Für mich auch nicht. Zum Teil ist es mir sogar lieber. Lukas: Es war nicht besser, weil wir verschiedenes Material nicht hatten... Mathias:...nein, aber für mich letztes Jahr, na ja, es steht ein riesig großer Lastwagen hier, für drei Fahrer, dann überlege ich mir, hey, die erwarten was von mir. So ein riesiger Stab.... Lukas:...das setzt auch Druck auf... Mathias:...zum Teil ist es mir mit einer kleinen Lösung sogar wohler. Bei Triple-Weltcups seid ihr ja bei Trek mit den Downhill-Profis zusammen. Wie passt das zusammen? Lukas: Wir respektieren uns gegenseitig. Sie haben, denke ich, letztes Jahr gelernt, dass wir zum Beispiel mehr fokussiert sind auf andere Sachen, bei der Ernährung etwas anderes brauchen und akzeptieren das. Ich muss sagen, ich bin gerne mit den Downhill-Fahrern zusammen. Mathias: Es ist interessant zwei verschiedene Sportarten im Team zu haben. |
Meldung vom 03. Mai 2010 (Autor: eg ) |







