Anzeige
 
       RIDE BUSINESS - News für Fachhändler

 
RIDE BUSINESS › Brachennews › Shimano-Teile werden knapp

RIDE BUSINESS – alle Informationen für den Fahrrad-Fachhändler im Überblick.
› News aus der nationalen und internationalen Fahrradindustrie
› Produktenews aus den Bereichen Mountainbike, Strasse, Trekking/City und Elektrobike
› komplettes Marken- und Lieferantenverzeichnis des Schweizer Fahhrad-Fachhandels
› grösstes Verzeichnis freier Stellen in der Bikebranche
 
Shimano-Teile werden knapp

Shimano droht ein Opfer des eigenen Erfolgs zu werden. Weil die Nachfrage nach Teilen des japanischen Komponentenherstellers weltweit enorm angestiegen ist, brauchen Velohersteller in den nächsten Monaten viel Geduld und Nerven. Wartezeiten von bis zu neun Monaten wecken Befürchtungen, dass im kommenden Jahr Bikes und Ersatzteile knapp werden.




Lieferzeiten verdoppeln sich


Bereits im Herbst wurde deutlich, dass Shimano von der Nachfrage überrollt wird. Nach den Neuheitenmessen im Herbst verkündete der Teilehersteller aus Osaka, dass er einen um zwanzig Prozent höheren Bestellungseingang verzeichnet. Da die Bestellungen bereits im letzten Jahr deutlich angestiegen waren, freut sich Shimano nicht nur darüber. Die Nachfrage bringt die Firma auch in Schwierigkeiten. Ihre Fabriken in Japan, Malaysia und Singapur sind nicht gross genug, um die Produktionsmenge einfach um die zusätzlich bestellte Menge zu erhöhen. «Zur Zeit ist es enorm schwer, Shimano-Teile nachzubestellen», sagt Thomas Hochstrasser, der bei Intercycle die Marke Bixs entwickelt. Acht bis zehn Monate müssen Velohersteller zur Zeit warten, bis ihre Bestellung bei Shimano das Werk verlässt. Bisher üblich waren Lieferzeiten von drei bis vier Monaten. Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass eine komplette Gruppe unterdessen aus mindestens drei verschiedenen Fabriken in unterschiedlichen Ländern stammt. Weil die Kapazitäten dieser Firmen ganz unterschiedlich sind, stehen Velohersteller vor grossen logistischen Herausforderungen. «Wenn die eine Fabrik heute die Bremsen liefert und die andere die Kurbeln erst in einem Monat, haben wir haufenweise Teile an Lager und können dennoch keine Velos zusammenbauen», erklärt Hochstrasser.



Diese Lieferverzögerungen treffen die Veloindustrie besonders empfindlich, weil Shimano mit Abstand der wichtigste Komponentenlieferant ist. In der Branche schätzt man, dass heute an zirka 90 bis 95 Prozent aller neuen Velos Shimano-Teile verbaut werden. Besonders hart ist auch, dass die Lieferengpässe das gesamte Sortiment von Shimano betreffen: von der billigen Tourney-Schaltung bis zur brandneuen XT-Gruppe und den Nabenschaltungen und Dynamos für Citybikes sind alle Teile gleich betroffen.



Hersteller füllen ihre Lager


Warum plötzlich so viel mehr Teile gefragt sind, lässt sich nicht auf einen bestimmten Grund zurückführen. Einig sind sich Velo- und Komponentenhersteller lediglich darin, dass der gesamte Velomarkt nicht gleich wachsen wird wie der Bestellungseingang bei Shimano. Die meisten Branchenvertreter rechnen zwar einer grösseren Nachfrage nach Velos, jedoch glaubt niemand, dass zwanzig Prozent mehr Velos verkauft werden können. Shimano selbst vermutet deshalb, dass sich die Velohersteller ihre Komponentenlager auffüllen. Dafür spricht, dass die meisten Komponentengruppen von Shimano erst gerade überarbeitet wurden, so wie beispielsweise die Topgruppen XTR und XT sowie die Deore-Linie. Die neusten Generationen der Biketeile kommen auf dem Markt deutlich besser an als die Vorgänger (Stichwort: Dual Control) und dürften deshalb nicht gleich wieder durch komplett überarbeitete Versionen ersetzt werden.



Geringe Engpässe im Frühjahr

Trotz der Lieferengpässe muss kein Biker damit rechnen, dass er im kommenden Frühling auf leere Veloläden trifft. «Die Velos, welche im Frühjahr in den Handel kommen, sind Grösstenteils schon unterwegs von Fernost nach Europa oder bereits hier an Lager. Die Teile dafür haben wurden bereits im letzten Frühling bestellt», beruhigt George Merahtzakis, Geschäftsführer von Velobaze, dem Produzenten von MTB Cycletech: «Die langen Wartefristen gelten für Teile, die jetzt bestelt werden». Auch andere Hersteller geben bei einer Blitzumfrage von Ride zumindest für den Saisonbeginn Entwarnung. Ob sich die Komponentenknappheit im Laufe des Sommers auch auf die Lieferfähigkeit der Velohersteller auswirken wird, hängt stark mit dem Saisonverlauf zusammen, sagt Stefan Bührer vom Felt-Importeur Amsler: «Wenn es bis im April kalt bleibt, reichen die Velo- und Teilevorräte, bis Shimano wieder liefern kann. Kommt der Frühling wie in diesem Jahr aber schon im Februar, kann es knapp werden».



Das Wetter entscheidet mit

Ähnlich wie bei den Velos sieht es bei einzelnen Ersatzteilen aus. Der Schweizer Shimano-Importeur Fuchs-Movesa hat seine Lager gefüllt und liefert die neuen Komponenten schon seit einiger Zeit aus. Ob die Vorräte bis zu den nächsten Lieferungen von Shimano reichen werden, macht Urs Kunz, Shimano-Produktmanager bei Fuchs-Movesa aber auch von Saisonverlauf abhängig. Zur Zeit, so Fuchs, lasse sich noch nicht abschätzen, ob im Laufe der Saison Lieferengpässe entstünden und welche Teile davon betroffen seinen.



Schwierige Suche nach Alternativen


Die Velohersteller beginnen unterdessen, Notfallspläne zu entwickeln, für den Fall, dass ihnen Teile fehlen werden. George Merahtzakis will sich nach Alternativen von anderen Lieferenten umsehen. «Es ist besser, wir liefern Velos mit vergleichbaren Teilen von anderen Herstellern als gar keine Velos». Shimanos grösster Mitbewerber Sram scheint auf jeden Fall bereit zu sein. Firmenchef Stan Day versichterte gegenüber der Branchenplattform Velobiz.de, dass Sram innert kürzeren Fristen liefern könne als der grosse japanische Mitbewerber.



Ganz so einfach dürfte es aber dennoch nicht sein, auf Alternativen auszuweichen. «Einige neue Produkte von Shimano, wie beispielsweise die überarbeitete XT-Gruppe oder die neue hydraulische Deore-Bremse sind in Preis und Funktion kaum gleichwertig ersetzbar», glaubt Thomas Hochstrasser. Er rechnet auch damit, dass kleinere Teilehersteller ebenfalls mit Lieferproblemen kämpfen würden, sobald sich alle Velohersteller auf der Suche nach Alternativen auf sie stürzen würden.


Text: Urs Rosenbaum


Meldung vom 27. Dezember 2007 (Autor: red )
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Passende Beiträge

Passende Google-Links