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SBM: Bettin und Stoll gewinnen bei den Herren
Die Streckenrekorde waren im verregneten Sommer 2004 am «11. Swiss Bike Masters» nicht in Gefahr. Dafür entwickelten sich die Rennen umso spannender: Auf der kurzen Strecke lieferte sich eine Sechser-Spitzengruppe einen Kampf auf Biegen und Brechen, aus dem Thomas Stoll als Sieger hervor ging. Und auf der langen Schleife musste Vorjahressieger Mauro Bettin erstaunlich lange kämpfen, ehe er Roman Peter in den Abfahrten entscheidend distanzieren konnte. Pech hatte Sandro Späth: Ein Kettenriss gegen Ende des ersten Anstiegs warf ihn weit zurück – Rang Sechs ist vor diesem Hintergrund umso überraschender.



Bettin und Peter im Zweikampf, Gremaud als Spätzünder

Die Gesichter und die Bikes sprachen am Ziel Bände: Unter der zähen Schlammschicht waren die Gesichter und Startnummer teils nur mit Mühe erkennbar. Entsprechend kräftezehrend waren viele Teilstrecken des Langstrecken-Klassikers im Prättigau. Selbst ein harter Hund wie Mauro Bettin musste ganz gehörig kämpfen, um seinen zweiten Sieg in Küblis sicher zu stellen. Denn der ehemalige Junioren-Weltmeister im Radquer, Roman Peter, zeigte vor allem in den Anstiegen ein bärenstarkes Rennen. Für Stefan Bührer, der Peter nach einem erfolgreichen Testlauf beim «Grand Raid Verbier-Grimentz» unter Vertrag genommen hatte, erfüllten sich damit die kühnsten Erwartungen. Ebenfalls gegen Ende kam der Romand Laurent Gremaud stark auf: Dem Stöckli-Fahrer lief es je länger, desto besser, so dass es ihm am Ende bei der vierten Teilnahme im Prättigau sogar zu einem Podestplatz reichte.



Die Leiden einiger bekannter Fahrer auf der Langstrecke

Dahinter spielten sich einige Dramen ab: Sandro Späth erlitt in einer der steilen Passagen zwischen Bergli und Carschinahütte einen Kettendefekt und musste auf die Passage seines Teamkollegen Daniel Paradis warten, um dessen Kettennieter auszuleihen. So ging viel Zeit verloren, die dem Langstrecken-Spezialisten im Ziel fehlte. Dass Späth dennoch mit weniger als sechszehn Minuten Rückstand Sechster wurde, unterstreicht sein Potenzial. Paradis selbst gab das Rennen auf der Madrisa auf: Die Folgen eines Trainingssturzes im Frühjahr waren noch nicht weit genug ausgeheilt, so dass Paradis zu Gunsten der späteren Rennen in der Langstrecken-Saison vor der Abfahrt nach Klosters aufgab. Dagegen haderte Thomas Girardi mit extrem schnell verschleissenden Bremsbelägen am Hinterrad: Der Wangser, der sich einen Podestrang vorgenommen hatte, konnte ab der Carschinahütte in den Abfahrten nur noch mit der Vorderbremse verzögern – bei den nass-rutschigen Streckenverhältnissen sicher kein Vergnügen. Auch hier gilt: Rang Fünf ist mit diesem Handicap aller Ehren wert. Zumal Girard als grösste Schwierigkeit - neben der reduzierten Bremsleistung – die Kälte bezeichnete: Nach jeder Abfahrt habe er sich zuerst wieder warm fahren müssen, so frisch sei es morgens gewesen.



Kurzstrecke: Espoir-Fahrer unter sich, Team Koba ganz stark

Einen Bike-Krimi der Sonderklasse, gegen den die jüngste Tour de France wie die hundertvierunddreissigste Folge von «Fascht ä Familie» wirkte, boten die Fahrer auf der kürzeren Distanz. Von Anfang an bestimmte eine Spitzengruppe das Tempo des Rennens, die bis zur Rennmitte auf sechs Fahrer zusammen schrumpfte: Thomas Stoll, Fabio Bernasconi, Gion Manetsch sowie den Koba-Dreizack mit Lukas Flückiger, Michael Hutter und Jürg Graf. Die Rheintaler Lokalmatadoren schienen den Ausfall von Teamleader Martin Gujan, der sich an den Schweizer Meisterschaften auf dem Weg zur U23-Silbermedaille den Mittelhandknochen gebrochen hatte, gut zu verkraften.



Bemerkenswert ist, dass die beiden Erstplatzierten keineswegs einen reibungslosen Start ins Rennen hatten: Der spätere Sieger Thomas Stoll kam in der Abfahrt von der Carschina-Hütte zu Fall und dachte schon an eine Aufgabe, aber die Schmerzen nahmen im Verlauf des Rennens genauso ab, wie die Zuversicht wuchs. Und Fabio Bernasconi meinte scherzhaft, er habe am Bergli daran gedacht, andere Reifen aufzuziehen – so nass und rutschig sei der Weg dort oben gewesen. «Die Sechser-Spitze hat sich das ganze Rennen über nix geschenkt, das Tempo war brutal», meinte Bernasconi im Ziel.



11. Swiss Bike Masters, 25. Juli 2004, Küblis / GR

Ergebnis Langstrecke Herren:


1. Mauro Bettin, ITA, Full Dynamix, in 6:17.37 Stunden

2. Roman Peter, X.0-Felt-Gonso, + 6.40,5

3. Laurent Gremaud, Stöckli Bike, + 9.55

4. Pascal Cattin, Scott-Allianz Suisse-Michelin, + 11.09,7

5. Thomas Girardi, Wypag-Giant Suisse, + 11.40,2

6. Sandro Späth, Papival-BMC-DSR, + 15.26

7. Valentin Girard, X.0-Felt-Gonso, + 20.06,3

8. Reto Manetsch, Athleticum MTB-Team, + 20.40,6

9. Flemming Stadler, Athleticum MTB-Team, 20.53,7

10. Peter Jenni, Wypag-Giant Suisse, 22.07,2



Ergebnis Kurzstrecke Herren:

1. Thomas Stoll, Randenbike.ch-Rocky Mountain, in 3:58.29 Stunden

2. Fabio Bernasconi, Athleticum MTB-Team, + 2.47,3

3. Jürg Graf, Team Koba, + 4.34,3

4. Michael Hutter, Team Koba, + 5.02,4

5. Gion Manetsch, Univega Pro Cycling Team, + 5.19,8

6. Lukas Flückiger, Team Koba, + 5.33,9

7. Robert Odink, Team Koba, + 14.24,5

8. Sämi Wüthrich, velo.com, + 14.25,4

9. Lukas Buchli, RMV Chur, + 19.36,1

10. Urs Huber, RBC Amt/Wohntex AG, + 20.17,4

10. Roger Tschirky, bike4fun, + 20.17,4

www.ixsclassic.ch
www.eurobike.ch
www.datasport.com

Meldung vom 25. Juli 2004 (Autor: red )
 

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