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Das Infotech 2009 lockte so viele Velohändler nach Luzern wie noch nie zuvor. Erstmals konnte der Veranstalter Velosuisse rund 570 Teilnehmer am zweitägigen Schulungsevent begrüssen. Im Mittelpunkt des Interesses standen E-Bikes und die Velowerkstatt.
Die zwölfte Ausgabe des Infotechs ist die bisher erfolgreichste. Mit den Nachanmeldungen am Event selbst stieg die Teilnehmerzahl um knapp 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Velohändler und –mechaniker besuchten an beiden Tagen die 36 angebotenen Seminare und nutzten die Möglichkeit, günstig am Veranstaltungsort im Armee-Ausbildungszentrum zu übernachten.
E-Bike dominiert Schulungsangebot
Besonders gross war das Interesse an den zahlreichen Schulungen zu E-Bikes. Obwohl sich ein Viertel aller Seminare um dieses Thema drehte, bestand kein Überangebot. Die Seminare waren teilweise so gut besucht, dass nicht alle Interessenten Platz im Schulungszimmer fanden. Viele Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, ihr Grundwissen zur neuen Fahrzeugkategorie zu ergänzen. Damit zeigt sich, dass E-Bikes von vielen Velohändlern als erfolgsversprechendes neues Marktsegment wahrgenommen werden. Gleichzeitig ist sich die Branche aber auch bewusst, dass die neue Fahrzeugkategorie auch für sie selbst Neuland ist und sie sich mit der anspruchsvollen Technologie auseinander setzen muss, um sie kompetent verkaufen und warten zu können.
Zahme Diskussion zu heissem Thema
Als zweites Schwerpunktthema konnte sich die Werkstatt am Infotech behaupten. Das Seminar des Deutschen Branchenexperten Andreas Lübeck erhielt von allen Besuchern beste Noten. Am Abend wurde das Thema in der Podiumsdiskussion «Werkstatt: Lust oder Frust? » nochmals aufgenommen. In der Runde von vier Velohändlern und zwei Kunden wurde eine offene und ehrliche Standortbestimmung zu Werkstatt und Service im Schweizer Velohandel durchgeführt. Es zeigte sich, dass die Werkstatt ein unverzichtbares, aber kaum ertragreiches Angebot eines Geschäfts ist. Die Diskussionsteilnehmer wurden sich darüber einig, dass eine klare und transparente Kommunikation über Preise und erbrachte Leistungen notwendig ist, um die Werkstatt zumindest kostendeckend betreiben zu können. Wenn erklärt werden kann, warum eine Leistung einen gewissen Preis hat, seien die meisten Kunden auch bereit, die angefallenen Kosten zu übernehmen. Obwohl die vier Händler hinter den Mikrofonen mit unterschiedlichen Strategien zu Arbeit, Preisen und Rabatten ihren Alltag bewältigten, blieb die Diskussion ausgeglichen. Das Gespräch hätte an Schwung und Brisanz gewonnen, wenn die beiden Endverbraucher mit kritischeren und anspruchsvolleren Statements die Händler herausgefordert hätten. Da sich aber beide Velogeschäftskunden als ausgesprochene Fans ihrer Stammhändler outeten, blieb der Austausch mit ihnen über weite Strecken brav.
Infotech 2010 am Dreikönigstag
Die positive Gesamtbilanz zum Infotech konnte dadurch aber nicht getrübt werden. Die Veranstalter vom schweizerischen Hersteller- und Importeureverband Velosuisse zeigten sich durchs Band zufrieden und dankten allen Velohändlern und Seminaranbietern für ihre Teilnahme am Infotech. Sie kündigten auch bereits den Termin des nächsten Infotechs an: am 6./7. Januar 2010 wird sich die Branche das nächste Mal in Luzern weiterbilden können.
Wo bleiben die anderen Händler?
Der Erfolg darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor mehr als die Hälfte der Schweizer Velofachhändler das Schulungsangebot nicht nutzt. Am Angebot kann es nicht liegen, denn die Händler, welche teilnahmen, zeigten sich auch nach wiederholten Besuchen höchst zufrieden mit dem Infotech. Referenten aus der internationalen Velobranche wiesen darauf hin, wie privilegiert der Schweizer Handel mit dem Infotech ist, da nirgends in Europa ein vergleichbarer Anlass durchgeführt wird. Dennoch nehmen zahlreiche Händler sich nicht die Zeit, im Januar für zwei Tage ihre Alltagsroutine hinter sich zu lassen und sich in Technik, Verkauf und Betriebswirtschaft weiterzubilden. In einer Zeit des wirtschaftlichen Umbruchs und grosser technischer Veränderungen erscheint dies unverständlich. Es entzieht diesen Händlern aber auch die Berechtigung, über schlechten Geschäftsgang zu jammern, wenn sie selbst es nicht für notwendig halten, ihr Geschäft und dessen Angebot an die stets wechselnde Umwelt anzupassen. |