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Die Mountainbike-Europameisterschaften im deutschen St. Wendel starten mit einem handfesten Schiedsrichter-Skandal. Die favorisierte Schweizer Equipe wird in Führung liegend nach einem Fehlentscheid der Jury disqualifiziert. Florian Vogel soll nicht korrekt an den Junior Matthis Rupp übergeben haben, Bilder anwesender Fotografen beweisen aber das Gegenteil.
Gewonnen wurde das Rennen von den Franzosen mit Jean-Christophe Peraud (Herren Elite), Arnaud Jouffroy (Junior), Laurence Leboucher (Damen Elite) und Alexis Vuillermoz (Herren U23) vor Italien (Marco Aurelio Fontana, Gerhard Kerschbaumer, Eva Lechner, Cristian Cominelli) und Schweden (Emil Lindgren, Alexandra Engen, Olof Jonsson, Alexander Wetterhall). Frankreich holt sich damit den Titel nach sechs Jahren zurück. Letzes Mal gewannen die Franzosen bei den Europameisterschaften 2002 in Zürich den Team-Wettkampf.
In der Schweizer Equipe zeigte man sich nach dem Rennen konsterniert. «Als wir dem Kommissär die Bilder zeigten, entschuldigte er sich drei Mal und lehnte den Einspruch der Spanier ab. Nur wenige Minuten später krebste er mit der Behauptung zurück, Fotos gelten nicht als offizielle Beweismittel», erklärte Delegationsleiter Alex Suter die Situation. Man habe noch im Rennen Gegenprotest eingelegt, der wurde aber abgelehnt und die Schweizer aus dem Rennen genommen. Die Einsprache kam vom Spanischen Verband, dem sich weitere Verbände anschlossen. Nicht am Portest beteiligen wollten sich die Franzosen, die Videoaufnahmen der Übergabe besassen auf welchen die korrekte Übergabe zu erkennen ist.
«Das kann doch nicht sein: Wir werden disqualifiziert und Bilder beweisen, dass alles regelkonform war», meinte ein konsternierter Florian Vogel im Zielraum. Und Nino Schurter ergänzt: «Solche Urteile sind schade und sie haben nichts mit Sport zu tun. Aber darum sollte es doch eigentlich gehen.» Die Schweizer wären hochmotiviert gewesen, ihren Titel zu verteidigen. Ein Sieg im ersten Rennen solcher Meisterschaften ist immer ein grosser Motivationsschub für die weiteren Rennen bewirkt.
Mountainbike Europameisterschaften St. Wendel (D)
Resultate Team-Relay
1. Frankreich (Peraud, Jouffroy, Leboucher, Vuillermoz), 1:12.03
2. Italien (Fontana, Kerschbaumer, Lechner, Cominelli), 1:12.44 (+0.41)
3. Schweden (Lindgren, Engen, Jonsson, Wetterhall), 1:13.15 (+1.11)
4. Ukraine (Rysenko, Batsutsa, Khripta, Krompets), 1:14.05 (+1.54)
5. Holland (Pietersma, Moorlag, Boog-Rauwerda, Jubbega), 1:14.05 (+2.02)
6. Spanien (Lozano, Lopez, Fullana, Hermida), 1:14.21 (+2.17)
7. Polen (Karczynski, Konwa, Wloszczowska, Batek), 1:14.26 (+2.23)
8. Slovakei (Sagan, Barenyi, Stevkova, Skopek), 1:15.06 (+3.02)
9. Deutschland (Kurschat, Eyring, Schulte-Lünzum, Wrobel), 1:15.09 (+3.06)
10. Slovenien (Lovse, Kopra, Zakelj, Znidarsic), +1:15.35 (+3.31)
DSQ Schweiz (Vogel, Rupp, Henzi, Schurter,)
KOMMENTAR ZUR DISQUALIFIKATION DER SCHWEIZER
In St. Wendel schüttelte man nur den Kopf. Über die Spanier, welche während dem Rennen mobil machten gegen die Schweizer. Und noch viel mehr über den Kommissär Helmut Gärtner aus Österreich, der seiner Rolle nicht gewachsen zu sein scheint. Noch während dem Rennen konnte man ihm beweisen, dass die Übergabe korrekt war. Er stimmte dem sogar zu, sah die eindeutigen Bilder, krebste dann aber wieder zurück. Das zeugt nicht eben von einem starken Charakter, den man von einem Schiedsrichter erwarten würde. Dass nur Bilder des offiziellen UCI-Fotografen als Beweismittel akzeptiert würden, ist mehr als lächerlich. Als würde Martin Platter unschärfere Bilder schiessen oder diese noch auf der Kamera manipulieren. Da bleibt nur ein Kopfschütteln.
Fragwürdig ist auch der Entscheid, das Team umgehend zu disqualifizieren und aus dem Rennen zu nehmen. Um dies zu tun, muss man sich der Tatsache sehr sicher sein - und das war Helmut Gärtner ganz offensichtlich nicht.
Die UCI tut gut daran, sich solch schwacher Kommissäre zu entledigen. Sie schaden dem Sport und verhindern durch ihre willkürlichen Entscheidungen faire Wettkämpfe. Kenner aus dem Kommissär-Umfeld bestätigen denn auch, dass dies nicht der erste fragwürdige Entscheid Gärtners ist und er in Fachkreisen in einem schiefen Licht stehe.
Man stelle sich vor, eine Entscheidung im Stile dieser falle an den Fussball-Europameisterschaften. Dieser Schiedsrichter hätte ziemlich sicher seine letzte Partie gepfiffen. Es ist im Sinne des Mountainbikesports zu hoffen, dass die UCI in diesem Fall ähnlich durchgreift.
Kommentar von Thomas Giger
Auf dem Bild: Der Grund der Disqualifikation der Schweizer. Florian Vogel soll Matthias Rupp nicht berührt haben.
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