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Absalon ist der Olympia-Champion von Athen
Bis in die zweitletzte Runde hinein schien der Ausgang des spannenden Olympia-Rennens der Biker offen. Erst dann sorgte der Franzose Julien Absalon für die Vorentscheidung, indem er sich aus einer Vierer-Spitze verabschiedete. Die weiteren Medaillen sicherten sich José-Antonio Hermida (Silber) und Bart Brentjens (Bronze). Vom Pech verfolgt waren die Ridegenossen: Während Ralph Näf ein reibungsloses Rennen hatte und Sechster wurde, schied Christoph Sauser just in jenem Moment wegen eines Kettenrisses aus, als er sich auf die Verfolgung der Spitzengruppe machen wollte. Und Thomas Frischknecht verlor bereits im Tumult nach der ersten Kurve viel Zeit und den Anschluss an die Spitze: Danach überholte der Routinier praktisch nur noch und wurde am Ende Siebter.



Einführungsrunde, 1.3km

Nach der Einführungsrunde präsentiert sich das Feld lang auseinander gezogen. Ganz vorne fahren Lado Fumic, der vor lauter Motivation einen veritablen Frühstart hingelegt hat, Ralph Näf und Julien Absalon, Thomas Frischknecht und Christoph Sauser kamen nicht ohne Probleme aus den Blöcken: Sie fahren um Position 20 (Sauser) respektive 31 (Frischknecht), weil sie in eine Kollision in der ersten Kurve verwickelt worden sind. Aber auch Kashi Leuchs und Miguel Martinez tauchen erst weit hinten im Lindwurm des Feldes auf.


Runde 1: Dreierspitze mit Absalon und Brentjens

Zu Beginn der ersten echten Rennrunde haben sich Marco Bui und Bart Brentjens vor Näf und ans Hinterrad von Fumic geschoben. Hinter Näf folgen Absalon und Péraud, Sauser fährt weiter hinten am Hinterrad von Miguel Martinez. Die Waldabfahrt ist brutal staubig, und es werden sehr hohe Temperaturen für heute erwartet. Im folgenden Anstieg drückt Bart Brentjens vehement aufs Tempo und wirbelt das Klassement an der Spitze durcheinander: Sogleich kann er sich mit Marco Bui leicht absetzen.



Dahinter folgt ein Dreiergrüppchen mit Absalon, Fumic und Hermida, der mit einem Zwischenspurt in die Spitze vorgestossen ist, dann Ralph Näf mit 18 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Christoph Sauser hat bereits über zehn Ränge gutgemacht und wird demnächst zu Näf aufschliessen. Dagegen hat Frischknecht enorme Probleme und dümpelt um Rang 25 herum.



Im darauf folgenden Abstieg wird die Fünfer-Spitze geknackt: Bui und Absalon ziehen mit Brentjens ganz leicht davon, dahinter kämpfen Hermida, Näf und Péraud um den Anschluss, dahinter folgt bereits Christoph Sauser mit seinem Teamkollegen Roel Paulissen im Schlepptau. Hinter diesen beiden fahren Miguel Martinez und Lado Fumic, dessen Startfurioso kurz aber heftig zu sein gewesen scheint. Gegen Ende der ersten Runde bekundet Bui etwas Mühe, die Pace von Absalon und Brentjens mitzugehen. Thomas Frischknecht fährt mit 1.30 Minuten Rückstand auf Rang 25.



Olympisches Herren-Rennen, Stand nach Runde 1

1. Julien Absalon, FRA, 21.45 Minuten

2. Bart Brentjens, NED, st

3. Marco Bui, ITA, + 0.02

4. José Antonio Hermida, ESP, + 0.11

5. Ralph Näf, SUI, + 0.15

6. Jean-Christophe Péraud, FRA, st

7. Christoph Sauser, SUI, +0.32

8. Roel Paulissen, BEL, st

9. Miguel Martinez, FRA, st

10. Fredrik Kessiakoff, SWE, +0.35


Runde 2: Hermida sprengt die Spitze

Im ersten langen Anstieg der zweiten Runde schaffen Hermida und Péraud den Anschluss an die Dreierspitze. Hermida setzt sich auch sogleich vorne in dieser Gruppe fest und bestimmt die Pace, während Bui und Péraud um den Anschluss kämpfen. Dahinter schliessen Christoph Sauser und Roel Paulissen zu Ralph Näf auf, die drei haben 25 Sekunden Rückstand auf die Spitze - und Lado Fumic und Miguel Martinez im Genick. Im zweiten Anstieg dieser zweiten Runde drückt Hermida wieder mächtig aufs Tempo, und nur Absalon kann am Hinterrad des Spaniers bleiben. Bui und Brentjens müssen abreissen lassen, so dass nun ein Duo vor einem Verfolger-Trio fährt.



Bergab und auf den verwinkelten Singletrails lassen es Hermida und Absalon ganz gehörig laufen, aber Brentjens und Bui bleiben trotzdem dran. Péraud hat dagegen abreissen lassen, was den Jägern Sauser, Näf und Paulissen gefallen dürfte. Miguel Martinez hat sich aber noch vor die beiden Schweizer gesetzt und schliesst zu Péraud auf: Die Gallier sind also zu dritt in den ersten fünf Positionen vertreten. Wenn das keine Herausforderung für die Ridegenossen ist... Frischknecht hat sich unterdessen auf Rang 20 verbessert.



Olympisches Herren-Rennen, Stand nach Runde 2

1. Julien Absalon, FRA, 40.40 Minuten

2. José Antonio Hermida, ESP, st

3. Bart Brentjens, NED, st

4. Marco Bui, ITA, + 0.02

5. Jean-Christophe Péraud, FRA, + 0.15

6. Miguel Martinez, FRA, + 0.18

7. Christoph Sauser, SUI, +0.23

8. Ralph Näf, SUI, + 0.28

9. Roel Paulissen, BEL, st



Runde 3: Drohender Gallier-Dreizack

Als Miguel Martinez und Jean-Christophe Péraud von hinten aufzuschliessen drohen, erhöht Bart Brentjens die Schlagzahl. Er und Marco Bui können sich bergab leicht absetzen, Absalon und Hermida fahren einige Meter dahinter, aber noch vor Péraud und Martinez. Sauser und Paulissen haben auf ihrer Jagd nach der Spitzengruppe Näf stehen gelassen: Diese beiden können offenbar ein höheres Tempo gehen. Derweil wird die Aufgabe von Ryder Hesjedal gemeldet, in Lugano-Monte Tamaro 2003 immerhin noch Vize-Weltmeister. Thomas Frischknecht fährt schnellere Zeiten als die Spitze und hat sich bereits auf Rang 17 vorgearbeitet, 2.08 Minuten hinter der Spitze.


Im folgenden, brutalen Anstieg arbeiten sich Sauser und Paulissen an Martinez heran, während dieser die Lücke zu Péraud und zur Spitzengruppe schliesst. Sieht ganz so aus, als ob sich die Spitzengruppe demnächst massiv vergrössen könnte. Vorne bestimmt Marco Bui das Tempo, ein Fahrer, der die ganze Saison kein starkes Rennen gezeigt hat - ein Schelm, der jetzt böses denkt. In der folgenden Abfahrt schafft Martinez den Anschluss an die Spitze, Péraud jedoch nicht. Zugleich meldet der Funk des Schweizer Teams einen Defekt von Christoph Sauser, und tatsächlich taucht Paulissen alleine auf - sieht ganz so aus, als ob der Pannenteufel Sauser wieder einmal einen Streich spielt: Frischknecht hat als 16. nun 2.18 Minuten Rückstand.


Olympisches Herren-Rennen, Stand nach Runde 3

1. Julien Absalon, FRA, in 59.51 Minuten

2. José Antonio Hermida, ESP, st

3. Bart Brentjens, NED, + 0.01

4. Miguel Martinez, FRA,st

5. Marco Bui, ITA, st

6. Jean-Christophe Péraud, FRA, + 0.08

7. Roel Paulissen, BEL, + 0.22

8. Ralph Näf, SUI, + 0.45



Runde 4: Sauser draussen, Dreiergruppe vorne

Die Funkmeldung bestätigt sich leider: Christoph Sauser hat zwischen den beiden Verpflegungsposten einen Defekt erlitten, und auch fünf Minuten nach der Spitze ist der Topfavorit nicht bei Start und Ziel vorbei gekommen. Damit ist der heisseste Medaillen-Anwärter aus Schweizer Sicht draussen, nun heisst es Daumen drücken für Ralph Näf. Dafür hat Miguel Martinez gleich zu Beginn der vierten Runde angegriffen, sowie er an der Spitzengruppe dran war. Der explosive Angriff des kleinen Franzosen hat aber (noch) keinen Erfolg.



Nach dieser Attacke übernehmen Hermida und Absalon wieder das Tempodiktat: Die beiden können sich leicht absetzen. Dahinter fahren mit etwas Abstand Brentjens und Bui, während sich Paulissen bereits Péraud und Martinez geschnappt hat. Lado Fumic hat dagegen genug von Staub und Hitze, er gibt das Rennen in einer Verpflegungszone hoch am Berg auf. Ralph Näf hält sich mit etwas über 50 Sekunden Rückstand auf Platz 8 - weiter so! Ganz vorne hat Brentjens Bui abgeschüttelt und sich wieder an das Spitzenduo heran gearbeitet - damit sind wieder drei Mann vorne, und die Franzosen können keine Teamtaktik ausspielen. Derweil hält Ralph Näf seinen achten Platz sicher, und vorne fahren ja noch einige mit, die sehr schnell gestartet sind - und vielleicht in der Athener Hitze noch eingehen. Und Thomas Frischknecht hat sich auf Rang 14 vorgearbeitet.



Olympisches Herren-Rennen, Stand nach Runde 4

1. Julien Absalon, FRA, in 1:18.48 Stunden

2. José Antonio Hermida, ESP, 0.02

3. Bart Brentjens, NED, st

4. Roel Paulissen, BEL, + 0.38

5. Miguel Martinez, FRA,st

6. Marco Bui, ITA, + 0.40

7. Jean-Christophe Péraud, FRA, st

8. Ralph Näf, SUI, + 0.55

9. Fredrik Kessiakoff, + 1.51


Runde 5: Absalon und Näf im Angriff

Im ersten langen Anstieg nach Start und Ziel taucht plötzlich Ralph Näf am Hinterrad von Péraud und Martinez auf. Vorne attackiert Julien Absalon und gibt alles, womit es ihm gelingt, Hermida und Brentjens abzuhängen. Hermida versucht zu reagieren und ditanziert Brentjens für einen Moment, muss ihn darauf aber wieder aufschliessen lassen. Absalon sieht im Moment aber sehr schnell aus - sticht die französische Trumpfkarte? Bei der Hälfte der fünften Runde passiert Absalon jedenfalls alleine an der Spitze, und er fährt ständig am Limit und aus dem Sattel. So hat er in kurzer Zeit zwanzig Sekunden auf Hermida und Brentjens raus geholt, deren 50 auf Paulissen - eine eindrückliche Vorstellung des Franzosen.


Den folgenden, langen Aufstieg stürmt Absalon hinauf, als ob er eben erst gestartet wäre: Kraftvoll, sicher und vor allem sauschnell. Hermida hat dahinter Brentjens abgehängt und fährt allein auf Platz Zwei - nun beginnen sich grössere Löcher aufzutun. Abseits der Kameras hat Hermida deutlich Zeit verloren und Brentjens ziehen lassen müssen, er fährt nun bloss noch auf Rang Drei. Dafür taucht Ralph Näf auf Rang Fünf auf, 48 Sekunden hinter dem Bronze-Platz. Und Miguel Martinez gibt das Rennen zwei Runden vor Schluss auf. Mittlerweile wird auch der Grund für Sausers Ausfall klar: Es war ein Kettenriss - grosses Pech also für den Sigriswiler.



Olympisches Herren-Rennen, Stand nach Runde 5

1. Julien Absalon, FRA, in 1:37.23 Stunden

2. Bart Brentjens, NED, + 0.31

3. José Antonio Hermida, ESP, + 1.00

4. Roel Paulissen, BEL, + 1.12

5. Ralph Näf, SUI, + 1.48

6. Marco Bui, ITA, + 1.55

7. Jean-Christophe Péraud, FRA, + 2.12



Runde 6: Absalon vorne, Näf und Paulissen auf dem Vormarsch

Der Franzose Julien Absalon hat in der fünften Runde die schnellste Zeit des ganzen Rennens hingelegt - der optische Eindruck hat also nicht getäuscht, und Absalon baut seinen Vorsprung auch in der zweitletzten Runde aus: Bei Hälfte der sechsten Runde liegt er eine Minute vor Brenjens, Hermida fährt gut zwanzig Sekunden dahinter. Neben Absalon sind es vor allem Roel Paulissen und Ralph Näf, die Tempo machen, während der Österreicher Michi Weiss einen Plattfuss erlitten hat und dadurch viel Zeit verliert. Ralph Näf, der weiterhin auf Rang Fünf fährt, erfreut derweil die Zuschauer mit kleinen Sprungeinlagen bei Start und Ziel - it's Showtime.



Auf der zweiten Hälfte der sechsten Runde scheint Hermida seine Schwäche überwunden zu haben: Er hat sich wieder an Brentjens vorbei gezwungen, allerdings ohne Zeit auf den wie entfesselt fahrenden Absalon gut zu machen. Dieser kann wohl nur noch durch einen Sturz oder Defekt am Sieg in Athen gehindert werden, und einmal flog der Franzose auch schon fast ab, weil er zu schnell in eine Schikane mit losem Untergrund hinein stach. Brentjens und Hermida liefern sich weiterhin einen heissen Kampf um die Silbermedaille. Angesichts der Abstände scheint Paulissen nicht mehr an diese beiden heran zu kommen, und Ralph Näf erst recht nicht: Ihm fehlen bei der letzten Passage von Start und Ziel 3.03 Minuten auf Absalon - oder gut zwei Minuten auf seinen Teamkollegen Hermida. Ein tolles Rennen nach der Startkollision bietet Thomas Frischknecht: Er taucht bereits auf Rang Neun auf, damit ist er auf Diplomkurs.



Olympisches Herren-Rennen, Stand nach Runde 6

1. Julien Absalon, FRA, in 1:56.06 Stunden

2. José Antonio Hermida, ESP, + 1.07

3. Bart Brentjens, NED, + 1.12

4. Roel Paulissen, BEL, + 2.07

5. Ralph Näf, SUI, + 3.03

6. Liam Killeen, GBR, + ca. 3.45

7. Marco Bui, ITA, + 3.55

8. Jean-Christophe Péraud, FRA, + 4.01

9. Thomas Frischknecht, SUI, + 4.19


Letzte Runde: Die Entscheidung ist gefallen

So wie Absalon noch immer in die Pedale tritt, dürfte die Entscheidung gefallen sein: Wenn nichts ganz komisches passiert, dann ist der Franzose der dritte Olympiasieger der Biker nach Bart Brentjens und Miguel Martinez. Noch drei Kilometer trennen den Franzosen vom grossen Triumph. Dahinter sorgt der Kampf um Silber für Spannung und Stimmung: Wer taucht zuerst bei Start und Ziel auf, Brentjens oder Hermida? Es ist Hermida, der nochmals hat forcieren können: So hat er Bart Brentjens wohl vorentscheidend um über dreissig Sekunden distanziert, die Medaillen dürften damit vergeben sein: Gold für Frankreich, Silber für Spanien und Bronze für Holland. Es wird ja wohl kaum einer der Spitzenreiter so viel Pech wie Christoph Sauser haben...


In der ersten Hälfte der letzten Runde hat Ralph Näf Liam Killeen passieren lassen müssen, aber er hält diesen in Sichtweite und sich selbst auf Rang Sechs. Auch Frischknecht ist wie Killeen gegen Rennende schnell unterwegs, er hat Bui und Manuel Fumic überholt und sich auf Rang Sieben vorgearbeitet - was da wohl ohne Sturz gleich nach dem Start drin gelegen hätte? Spekulationen sind überflüssig, denn soeben hat Absalon mit der Trikolore in der Hand die Ziellinie überquert. Exakt eine Minute später kommt Pistolero Hermida als Silbermedaillen-Gewinner ins Ziel, der Bart Brentjens in der Schlussrunde noch klar distanzieren konnte. Roel Paulissen streckte sich vergebens und musste mit Rang Vier Vorlieb nehmen. Dahinter erreichte der britische U23-Fahrer Liam Killeen das Ziel als Fünfter: Er konnte Ralph Näf noch deutlich distanzieren - und das trotz eines Sturzes während des Rennens, wovon sein havariertes Trikot zeugte.



Ralph Näf und Thomas Frischknecht erreichten das Ziel auf den Rängen Sechs und Sieben. Trotz dieser beiden Diplomränge haben die Ridegenossen damit die eigenen, hoch gesteckten Ziele verpasst: Bei den Frauen begann es bereits mit dem Pech, als Petra Henzi sich am Tag vor dem Rennen den Knöchel brach und Katrin Leumann kurzfristig nach Athen jetten musste. Darauf folgte die Aufgabe Blatters und heute als Krönung der Kettenriss Sausers, als dieser sich auf dem Vormarsch in Richtung Medaillenränge befand. Und Thomas Frischknecht wird sich wohl lieber schon gar nicht ausrechnen, was ohne den Zeitverlust nach der ersten Kurve möglich gewesen wäre - wer von Rang Dreissig auf Rang Sieben vorfährt, wäre sicher für eine Medaille gut gewesen.



Olympische Spiele 2004, Athen: Cross Country der Herren

1. Julien Absalon, FRA, in 2:15.03 Stunden

2. José-Antonio Hermida, ESP, + 1.00

3. Bart Brentjens, NED, + 2.03

4. Roel Paulissen, BEL, + 3.07

5. Liam Killeen, GBR, + 3.30

6. Ralph Näf, Andwil, + 4.13

7. Thomas Frischknecht, Feldbach, + 4.36

8. Manuel Fumic, GER, + 5.28

9. Seamus McGrath, CAN, + 5.33

10. Marco Bui, ITA, + 5.45




Meldung vom 28. August 2004 (Autor: red )
 

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