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2-Rad-Messe: Plädoyer zum Aufbruch

Sie hat eine lange Tradition und gilt als einer der ganz wichtigen Termine der Velobranche: Die 2-Rad-Messe in den Zürcher Expo-Hallen, die Leistungsschau der Schweizer Bikeindustrie. Im Jahr 2003 mussten die Organisatoren erstmals einen Zuschauerrückgang von bis zu 30 Prozent und zusätzlich die Abwesenheit einiger massgebenden Unternehmen vermelden. Da ist die Frage erlaubt: Wie sieht die Zukunft der Ausstellung aus?

Soviel vorweg: Die Schweiz braucht die 2-Rad, das ist unbestritten. Der Schweizer Velomarkt mit seiner Grösse und seiner hohen Qualität hat eine eigene Messe verdient und gibt den beteiligten Unternehmen eine der wenigen Möglichkeiten, direkt mit dem Endkunden zu kommunizieren. Zudem ermöglicht es die Messe in einzigartiger Weise, sich alljährlich innerhalb der Branche in einer lockeren Atmosphäre begegnen zu können. Trotzdem: Spätestens nach der 2003er-Ausgabe der Messe sehen sich die Organisatoren mit einigen Problemen konfrontiert, die es ernst zu nehmen und zu lösen gilt.

Das Problem der abnehmenden Zuschauerzahlen
Was an einer Messe zählt, sind die Zuschauerzahlen: je mehr, umso besser. Und dieses Jahr wurde die 2-Rad von einem Trend eingeholt, der den meisten Zuschauermessen widerfährt: sinkende Zuschauerzahlen. Mit der Erhöhung der Eintrittspreise auf 16 Franken hat die Messeorganisation diesen Umstand nicht unbedingt entschärft und unter vielen Ausstellern Kopfschütteln ausgelöst. Dass es neben einer Zuschauer-Quantität auch eine Zuschauer-Qualität gibt, wird im Angesicht der Eintrittszahlen aber oft vergessen. Aufgrund subjektivem Eindruck der MOVE-Macher und mehrerer Aussagen von Ausstellern scheint sich die Zahl hochqualitativer Messekontakte immer noch auf interessantem Niveau zu bewegen.

Das Problem der hohen Kosten
Messen sind für Aussteller teuer, das ist nichts Neues und gilt auch für die Bikebranche, deren Blütezeit vorbei ist. Die 2-Rad-Messe hat sich in den letzten Jahren den veränderten Marktstrukturen zu wenig angepasst. Grundsätzlich gilt heute die Aussage: Die 2-Rad ist für viele Unternehmen der Veloindustrie zu teuer und beansprucht in den Marketing-Budgets teilweise einen derart hohen Anteil, dass man sich nur noch zwei Optionen offen hält: Verzicht auf anderweitige Marketingmassnahmen oder Verzicht auf die Messepräsenz.

Das Problem der Abwesenheiten
Dass einige Unternehmen dieses Jahr die Option Messeverzicht gewählt haben, war während der 2-Rad offensichtlich. Auf der Liste der Abwesenden finden sich so gewichtige Unternehmen wie Intercycle, Velo.com, Cannondale, Canyon oder DT Swiss. Und damit läuft die Messe Gefahr, all jene Besucher zu enttäuschen, die eine repräsentative Marktübersicht erwarten.

Das Problem der Dauer und des Zyklus
In der Ausstellungsdauer zeigt sich die Differenz zwischen Marktstruktur und Messekonzept am deutlichsten. Die 2-Rad ist mit ihren sechs Tagen eine lange Messe. Dass die Bikemesse doppelt so lange dauert wie eine Internet-Expo, ist schwer verständlich. In der Branche herrscht heute der Tenor, die 2-Rad im Zweijahres-Rhythmus durchzuführen ? eine durchwegs angebrachte Forderung, glich die diesjährige Ausstellung mit dem geringen Innovationsgrad der Branche doch weitgehend der letztjährigen.

Das Problem des Standorts
Zürich mit seinem grossen Einzugsgebiet und den guten Verkehrsverbindungen ist ein guter Messestandort, keine Frage. Nur erreicht man damit Jahr für Jahr etwa die selbe Klientel. Für die Westschweiz beispielsweise ist die Anreise aufwändig, schon Berndeutsch ist während der Messe ein nicht eben oft gehörter Dialekt. Ein alternierender Rhythmus mit Bern und Basel könnte das Abhilfe schaffen.

Das Problem der Messekonkurrenz
Gleichzeitig zur 2-Rad findet in Basel anlässlich der Muba die Fitnessmesse «Sportdays» statt. 2-Rad und Sportdays kämpften mit einem Besucherrückgang - konzentrieren sich aber in weiten Teilen auf ähnliche Zielpublika. Wieso legt man die beiden Messen nicht zusammen und integriert eine 2-Rad in die Muba? Denn die aktuelle Kombination Motorrad-Velo ist schwer zu begründen und der Besucherdurchfluss wird von vielen in Frage gestellt. Eine Fahrrad-Messe wäre in einem Fitnessumfeld viel besser aufgehoben als in der Welt der Pferdestärken.

Plädoyer zum Aufbruch
Was die 2-Rad braucht, ist Mut zur Veränderung – und auch wenn diese vorerst darin bestehen könnte, die Öffnungszeiten und die Bodenkosten zu reduzieren. Die Branche hat sich geändert, da muss eine Messe - letztlich immer ein Spiegel der Branche – mitziehen. Dazu ist der Einjahres-Rhythmus wie auch der Standort Zürich zu überdenken. Endziel muss sein, die Messe zu Ihrem exklusiven Status der früheren Jahre zurückzuführen. Die Steigerung Qualität auf Kosten der Quantität könnte ein Weg sein – eine Losung, die dem anspruchsvollen Schweizer Bikemarkt durchaus entsprechen würde.


Meldung vom 09. März 2003 (Autor: red )
 

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