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Swiss Epic Blog: Die Lichter ausgeschossen, und das schon im Prolog

Auch während der vierten Ausgabe wird die Rennberichterstattung mit einem Renn-Blog erweitert. Dieses Mal hauen die Zwillinge Anita und Carolin Gehrig für uns in die Tasten und Pedalen. Die beiden sind besser bekannt als erfolgreiche Enduro-Rennfahrerinnen und von der SRF-Sommer-Challenge, während der sie damals den Singletrail-Weltrekord geknackt haben. Die Gehrig-Twins sind sich also daran gewöhnt, bergab schnell zu fahren. Aber bergauf im Renntempo? Nicht ganz so einfach wie es klingt, auch wenn die beiden fitter als ein Turnschuh sind. Noch gänzlich ungewohnt ein Rennen zu Zweit zu bestreiten, wollte die Eine schon im ersten Anstieg des Prologs etwas zu viel. Welcher der beiden dabei fast die Lichter ausgingen, das erzählen sie euch gleich selbst.

 

Wir freuen uns, diese Woche auf Ride.ch von unserer Twins-Swiss-Epic-Erfahrung zu berichten. Eines war uns schon zum vornerein klar – einen Spaziergang im Park wird die Woche nicht. Schliesslich gibt es einige Höhenmeter zu bezwingen und das zu zweit, während wir sonst an den Rennen der Enduro-World-Series jeweils als Einzelkämpferinnen alles geben. Ich für meinen Teil (Anita) konnte bereits einmal am Perskindol-Swiss-Epic in der Kategorie Flow starten, Caro hingegen ist ein «Newbie» und nicht gewöhnt, dass in einem Rennen auch beim Uphill die Zeit genommen wird.
 
Das Swiss-Epic startet mit dem Prolog in Grächen. Ganz nach unserem Geschmack düfren wir zuerst einige Höhenmeter mit der Bahn bewältigen. Der Start liegt auf rund 2200 m.ü.M auf der Hannigalp. Dort werden im Minuten-Takt die Teams auf die Strecke geschickt und dabei ordentlich von einer Walliser Schulklasse angefeuert, das ist sicher ein toller Schultag für die Kinder.

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 Anita und Carolin Gehrig vor ihrem ersten gemeinsamen Epic-Abenteuer.

Vorsatz und Realität

Wir nehmen uns vor nicht zu schnell zu starten, denn es geht schon nach 300 Metern steil berghoch. Caro schlägt aber schon einen ordentlichen Tritt an, und ich ermahne sie mehrmals: «Jetzt fahr nicht so schnell!» Das Tempo ist ordentlich hoch, so aber auch der Puls, und schon bald sehen wir Nancy und Ludo, die vor uns gestartet sind. Es geht weiter steil berghoch, und Caro's Motivation die beiden einzuholen ist gross, allerdings nicht mehr lange. Bei der nächsten Kehre schaue ich zurück und da steigt sie gerade vom Bike. Sie macht eine richtige schlechte Falle.
 
Ich werde etwas grantig, denn meine liebe Schwester wollte ja unbedingt nicht auf mich hören! Den Rest des ersten Aufstiegs quält sich Caro luftringend und halb laufend, oder im Schneckentempo fahrend hoch. Ich biete ihr an sie zu ziehen, doch der Versuch misslingt. Sie reisst mich fast vom Bike. Zwei nette Brasilianer retten dann Caro mit einem Energy-Gel, denn Proviant haben wir für den kurzen Prolog nicht dabei.

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Das obligate «Füstli» vor dem Start.

Wenn der Sauerstoff auch bergab fehlt

Endlich ist der höchste Punkt erreciht, und wir stechen in die Abfahrt – ich vorne, damit sich Caro an mein Hinterrad klemmen kann. Doch sie erholt sich nicht so schnell und fährt dementsprechend sehr verhalten runter. In einer schmalen Singletrail-Passage touchiert Caro einen Felsbrocken mit dem Fuss und wird folglich ziemlich spektakulär und unsanft in den Wald katapultiert. Später gibt sie zur Kenntnis, dass dieser Abflug mit Sicherheit in ihre Top-3 aller Stürze der Saison gehört.
 
Die weitere Abfahrt führt flowig und wunderschön an einer Suone vorbei, es wäre cool hier so richtig am Gas zu hängen und auch die Zwischenanstiegen hochzusprinten. Dies ist aber heute nicht möglich, denn Caro hängt noch immer tief in der roten Zone und das schlägt sich auf ihre Konzentration nieder, was zu einem weiteren Sturz auf der Schotterstrasse führt. 
 
Nach der langen superschönen Abfahrt werden nochmals 300 Höhenmeter zurück nach Grächen bewältigt. Der Anstieg geht stetig und nie steil hoch, doch meine Schwester hat ihr Pulver verschossen. Mehrmals schiebe ich sie oder sie hängt sich an meinen Hosenbund. Ein schöner Höhenweg bringt uns in Richtung Ziel und bald erscheint die erlösende 1-KM-Tafel. Sogar Caro schafft es einen freudigen Jauchzer von sich zu geben. Die Zieldurchfahrt ist dann die pure Erlösung, denn ich habe Caro noch nie in meinen Leben so leiden sehen.

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Carolin Gehrig befüllt behutsam ihren ausgebrannten Motor.

 
Die erste Etappe nach Leukerbad wird sicherlich kein Zuckerschlecken. Zwar gibt es über 4000 Höhenmeter zum runterdonnern, aber auch stolze 1600 Höhenmeter berghoch zu bewältigen. Trotzdem freuen wir uns darauf und hoffen, dass wir danach weniger Dramatisches zu berichten haben. Schliesslich haben wir heute folgendes gelernt:
 
- Anstiege nicht zu schnell angehen, lieber stetig
- Immer genügend Proviant einpacken
- Auf Anita hören – betrifft Caro ;)
 
 
 
 

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