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Langzeittest: Transition Patrol – das kleine fürs grobe

Die Mountainbike-Marke «Transition» hat bis dato eine kleine, feine Fan-Gemeinschaft. Bisher haben wir kaum ein schlechtes Wort über deren Bikes gehört oder gelesen. Deshalb haben wir uns entschieden, am Modell «Patrol» zu ergründen was auf diese Lobreden zu geben ist. Unsere Wahl fiel auf einen Aufbau nach unseren Vorstellungen.

Bis Juli 2014 war das Patent für den «Horst Link», in den USA, in festen Händen von Specialized. Mit dem Ablauf der Patentdauer präsentierte Transition ihre neue Flotte mit der besagten Umlenkung. Trotz einer eingeschworenen Fan-Gemeinschaft vermochte die Marke die breite Masse bisher nicht zu erreichen. Dies könnte sich möglicherweise ändern. Denn die neuen Modelle Patrol, Scout und Smuggler wurden bereits von verschiedenen Seiten hochgelobt. Das weckte auch bei uns die Neugier sowie das Interesse auf einen Langzeittest des Allmountain-Modells «Patrol».

Das Bike gibt es ab Werk in drei Ausstattungsvarianten, sowie als Rahmen-Kit. Um den Bike-Test sogleich mit anderen Produkttests zu verbinden, bauten wir den Rahmen nach den vorhandenen Möglichkeiten auf.

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Der Rahmen im Überblick

Der Rahmen ist in zwei Farbvarianten erhältlich: schwarz oder orange. Wir haben uns für Orange entschieden und sind dann fast ein wenig erschrocken, als der Rahmen dann ausgepackt war. Die Farbe knallt ordentlich und wirkt schon fast Signalfarben. Diese Farbintensität kann man sich aufgrund der Bilder im Katalog oder Internet kaum vorstellen. Auffällig ist dabei auch die Qualität des Lacks. Ohne später noch weit darüber ausholen zu müssen, verraten wir schon jetzt, dass sich der Lack während der gesamten Testdauer als äusserst robust erwiesen hat.

Die Verarbeitung des Rahmens ist, wie von Transition gewohnt, sehr hochwertig. Der Aluminiumrahmen besticht durch grobe und saubere Schweissnähte. Alle Kabel werden im Rahmen verlegt und sämtliche Details wirken hochwertig und durchdacht. Das klassische, geschraubte 73 Millimeter breite BSA-Tretlager wirkt heutzutage schon fast altmodisch, wer aber schon so seine Erfahrungen mit dauerknarzenden Pressfit Lagern gemacht hat, wir dieses begrüssen. Inklusive Federbein ist der Rahmen mit seinen 3.5 Kilogramm eher ein Schwergewicht. Hierbei bleibt zu hoffen, dass das Plus an Gewicht der Steifigkeit und Stabilität zu gute kommt.

Das Patrol verfügt über 155 Millimeter Federweg am Heck und ist auf eine 160 Millimeter Federgabel und 27.5-Zoll-Laufräder ausgelegt. Denselben Rahmen gibt als 26-Zoll-Ausführung unter dem Namen «Supressor», denn gemäss Transition gibt es noch viele Anhänger der «alten» Laufradgrösse.

Weichmacher und Kleinteilfreuden
Da der Schweizer Transition-Importeur auch Federelemente des französischen Fahrwerkspezialisten BOS vertreibt, waren die Weichen für das Fahrwerk bereits gestellt. Vorne arbeitet die Deville-Gabel mt 170 Millimeter Hub während am Heck ein Kirk-Federbein an der Schlagvernichtung arbeitet. Als Rollmaterial dienen Roam-60-Laufräder von Sram wovon auch die XX1-Schaltung und die RSC-Bremsen stammen.

Platz zwischen Sattel und Hintern schafft die Variosattelstütze «Covert» aus dem Hause Thomson. Auf dieser ist ein Ergon-SM3-Pro-Sattel festgeschraubt, der den Gesässpräferenzen von 50 Prozent der Ride-Redaktion entspricht. Auch der Joystick-Lenker «Binary Carbon» sowie die GE1-Slim-Griffe von Ergon wurden bereits zuvor privat eingesetzt.


Vor der Fahrt

Ganz so schnell wie erhofft, ging es mit dem Patrol dann doch nicht auf die Trails. «Schuld» daran sind die Federelemente von BOS, denn die Einstellungen gehen nicht so schnell von der Hand wie bei anderen Produkten. Klar hat wie auch bei Fox, Rock Shox und Co. mit dem richtigen Luftdruck und das anpassen des Rebounds bereits ein brauchbares Setup. Doch die weiteren Einstellmöglichkeiten überfordern ganz schön. Entweder man arbeitet sich durch die Verstellmöglichkeiten von Lowspeed- und Highspeed-Druckstufen, Zugstufe und Progression oder holt sich Rat. Einfach rumschrauben an der Gabel führt bei der Deville definitiv nicht zum Ziel. Ist das Setup der Luftgabel jedoch gemacht, wächst die Vorfreude schon beim Probedrücken auf dem Platz.

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Während der Fahrt

Trotz des hochwertigen und somit leichtem Aufbaus bleibt die Waage bei 13.6 Kilogramm stehen. Kein Leichtgewicht für höhenmeterreiche Touren. Doch dank der ausgewogenen Geometrie lässt es sich mit dem Transition erstaunlich leichtfüssig hoch treten. Auch Tagestouren mit stundenlangen Aufstiegen sind gut zu meistern. Den Plattform-Hebel des Kirk-Federbeins haben wir nur bei Asphalt-Aufstiegen umgelegt. Denn zusammen mit der Kinematik des Hinterbaus verhält sich das Federbein fast antriebsneutral. Auf Singletrails bergauf spielt der Viergelenker seine Stärken aus. Behende klettert er über ruppige Passagen ohne das «Kirk» zu stark in die Knie geht. Die guten Klettereigenschaften werden sicher durch die sehr steifen und leichten Roam-Laufräder verstärkt.

Beim gemütlichem dahinrollen auf Singletrails wirkt das Patrol unscheinbar und man hat das Gefühl auf einem durchschnittlichen Bike zu sitzen. Doch gibt dem Bike die Sporen, ändert sich dessen Charakter schnell. Kraftvolle Antritte werden gut in Vortrieb umgewälzt und mit einer aktiven Fahrweise kitzelt man die Stärken des Transition so richtig heraus. Trotz des langen Randstands von 1181 Millimeter kann man das Patrol um engste kurven drücken und es lässt sich sehr präzise steuern. Dafür sind die 430 Millimeter kurzen Kettenstreben verantwortlich. Der lange Radstand resultiert aus dem 581 Millimeter langen Oberrohr und dem 65 Grad flachen Lenkwinkel.
Gewöhnungsbedürftig ist jedoch das tiefgelegene Tretlager. Der tiefe Schwerpunkt unterstützt die Manövrierfähigkeit und Laufruhe zwar positiv, dafür steht man auf Singletrails schnell einmal mit den Pedalen an Unebenheiten auf. Die 170 Millimeter langen Kurbeln – die Standardlänge an Trailbikes – sind hier bereits an der oberen Grenze.

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Transition Bikes sind im Kern eher abwärts orientiert, somit verfügt auch das Patrol über eine ausgeprägte Downhill-Gene. Es fährt sich bergab auch wie ein kleines Downhillbike. Es scheint als könne das Gelände nicht grob genug sein. Mit dem Patrol fühlen sich selbst solche Abfahrten gut an und das Gefühl die Kontrolle zu behalten, hält relativ lange an. Das hochwertige BOS-Fahrwerk trägt hier das Seine bei. Sicherlich sind primär der flache Lenkwinkel, der lange Radstand und Reach (432 Millimeter bei Rahmengrösse M) dafür verantwortlich, dass man es mit dem Bike richtig stehen lassen kann. Auch im Bikepark macht es eine gute Figur. Mit dem Patrol springt es sich nicht nur leicht durch die Luft, es bleibt auch bei hohen Tempi ziemlich spurtreu für ein Bike mit 155 Millimeter Federweg am Heck. Auffallend ist leider das klappern der Kabel die ans Rahmeninnere schlagen.

Ausstattung unter Tiefenmeterbeschuss
Den BOS-Federelementen merkt man an, dass sie ihren Ursprung im Rallyesport haben. Sämtliche Details sind sehr hochwertig verarbeitet, die Druckstufe, sowie die Zugstufe (High- und Low-Speed) können über einen Bereich von jeweils 30 Klicks verstellt werden. Der Hersteller liefert eine detaillierte Anleitung welche einem ein Grundsetup vorgibt. Leider will dieses erst nicht so begeistern und zum Patrol passen. Irgendwie schaffen wir es erst nicht das Setup 100 Prozent hinzukriegen. Erst nach einigen Fahrten stellt sich eine Veränderung ein. Es scheint, die Federelemente sind eingefahren.
Zurück auf Feld A und nochmals die Grundeinstellungen an Federbein- und Gabel machen. Beim Federbein erhöhen wir den Negativfederweg von 35 auf 40 Prozent und verstellen dann schrittweise Zug- und Druckstufe um jeweils nur einen Klick bis es passt. Und siehe da, nach wenigen Abfahrten klebt das Bike wie gewünscht am Boden. Das sehr feinfühlige Ansprechverhalten der BOS-Produkte begeistert sehr. Trotz viel Negativfederweg steht das Transition gut im mittleren Federwegbereich und erfreut mit einer guten Endprogression. Der Federweg wird auf fast jedem Austritt komplett genutzt.

Während der fünfmonatigen Testphase haben wir das Patrol fast allen erdenklichen Situationen ausgesetzt. Schnee und Minustemperaturen in Davos, Dauerregen und Schlamm in Zürich, gegen 40 Grad und 1000 Non-Stop-Höhenmeter in Bozen bis zu den verblockten Trails am Gardasee. Die XX1-Schaltgruppe hat dabei einige Kratzer abbekommen aber stets zuverlässig die Gänge gewechselt. Bis jetzt musste die Schaltung nur wenig nachjustiert werden und das will was heissen. Die Spannkraft des Schaltwerkt ist so gut, dass wir nie über eine Kettenführung nachgedacht hatten. Nur einmal im Bikepark war sie vom Kettenblatt gesprungen.

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Nachdem die Avid-Bremsen aus dem Sram-Konzern in der Vergangenheit bei vielen Benutzern für Kummer gesorgt haben, können deren neuen Guide-Bremsen überzeugen. Das Model RSC ist ein Bremsanker uns hat schon im Frühjahr bei uns im Praxistest überzeugt. Viel Power, gute Dosierbarkeit und auch bei Abfahren mit gut 1000 Höhenmeter am Stück trat damals kein Fading auf. Nun, nach längerer und intensiver Nutzung war dann aber doch ein Mal entlüften nötig. Das ging jedoch schnell und unkompliziert. Auch das Problem, dass Bremsen mit DOT-Bremsflüssigkeit in Kellern Feuchtigkeit ziehen und dann an Leistung verlieren, trat bei uns nicht auf. Die RSC ist noch so Leistungsfähig wie noch zu Testbeginn.

Die Roam-60-Laufräder von Sram sind für uns eine Überraschung. Das Innenmass der Carbon-Felge beträgt lediglich 21 Millimeter und folglich sind sie auch «nur» für den Trail-Einsatz konzipiert. Folglich wurden sie von uns förmlich missbraucht. Gefahren sind wir die Roams mit 2.4 Zoll breiten Reifen – ohne verstärkte Seitenwand – mit einem Luftdruck von meistens 1.5 bis 1.7 Bar. Die Felge musste dadurch einige Durchschläge hinnehmen wobei nur zwei davon einen Plattfuss zur Folge hatten. Weder die verblockten Trails in Bozen oder Riva, noch den Bikepark-Einsatz in Lenzerheide konnten den Laufrädern was anhaben. Sie haben zwar etwas an Speichenspannung verloren, drehen aber noch gerade wie eine Eins.
Die hochwertigen Naben überzeugen mit einem sehr guten Leichtlauf der sich bis zum Testende nicht verändert hat. Sram hat mit dem Roam-60 einen Laufradsatz geschaffen, der eine gute Balance zwischen Steifigkeit für eine hohe Beschleunigung, aber lateralen Flex für ein aggressives Kurvenfahren ausweist. Oft kommt es vor, dass Carbon-Laufräder zu steif sind, was sich besonders bei schnellen, engen Kurven negativ äussert. Auch kann zu steifes Rollmaterial Vibrationen an den Fahrer weiterleiten, was nicht nur unangenehm ist, sondern auch zu Empfindlichkeitsstörungen in den Händen führen kann. Dies ist beim Roam-60 definitiv nicht der Fall.

Über die Covert-Dropper-Elite-Variosattelstütze von Thomson haben wir bereits in der Ride-Ausgabe 04/2015 berichtet. Diese hat damals überzeugt und leistete auch über die ganze Zeit einen tadellosen Einsatz. Einzig der Kabelzug wollte nach vier Monaten nicht mehr mitmachen und riss. Bei der Thomson-Sattelstütze ist der Austausch des Kabels jedoch sehr einfach und dauert nur drei Minuten. Somit war dieser Defekt problemlos zu verschmerzen.


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Modifikationen haben wir am Transition keine vorgenommen. Wie beschrieben wurde der Custom-Aufbau die gesamte Testdauer hindurch gefahren. Der Verschleiss hielt sich bei den Komponenten im gewohnten Rahmen und ausser dem besagten Kabel der Fernbedienung der Variosattelstütze sowie drei Schläuche musste nichts ausgewechselt werden.
Verbesserungspotential sehen wir beim Rahmen nur bei der Kabelführung, dass die Züge und Leitungen künftig satt liegen.

Fazit
Das Transition Patrol ist ein ausgewachsenes Enduro-Bike welches sich schnell und aktiv fahren lässt, aber auch lange Aufstiege nicht scheut. Wer die Grenzen dieses Bikes ausloten will, muss richtig Gas geben. Das von uns aufgebaute Patrol überzeugt mit einem schluckfreudigen Fahrwerk das genügend Endprogression. Hier tragen die Bos-Federelemente einen grossen Teil dazu bei.

Spezifikationen

Rahmenmaterial: Aluminium
Preis: CHF 9'970.00 Custom-Aufbau (ab CHF 2'999.00)
Gewicht: 13.6 kg (Grösse M, mit Pedale)
Federweg: 170 mm vo./ 155 mm hi.
Gabel: BOS Deville
Federbein: BOS Kirk
Schaltung: Sram XX1
Bremsen: Sram Guide RSC
Kurbelgarnitur: Sram XX1
Felgen: Sram Roam 60
Naben: Sram Roam 60
Reifen: Continental Baron Project 2.4
Sattel: Ergon SM3 Pro
Sattelstütze: Thomson Elite Dropper Covert
Griffe: Ergon GE1
Vorbau: Race Face Atlas
Lenker: Joystick Binary Carbon

Hersteller:  www.transitionbikes.com
Vertrieb: www.magicdownhill.com

Fotos ©Philipp Ruggli

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